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Riesa: Ungewöhnliche Hilfe für Ukraine-Flüchtlinge

Ein Gastronom, viele Senioren und ein halbes Dorf packen an, um einen neuen Konvoi auf die Reise zu schicken.

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Mit einer Essen-gegen-Spende-Aktion beteiligte sich der Riesaer Wirt Ramazan Demiri an der Canitzer Hilfsaktion für Ukrainer.
Mit einer Essen-gegen-Spende-Aktion beteiligte sich der Riesaer Wirt Ramazan Demiri an der Canitzer Hilfsaktion für Ukrainer. © privat

Riesa. Die Leute denken nur noch an sich? Von wegen! Nachdem Canitzer Einwohner mit Unterstützung der Kirchgemeinde kurzfristig eine ukrainische Großfamilie mit sieben Kindern unterbringen konnte, rollt nun eine ganze Welle der Hilfsbereitschaft an. Ruckzuck war eine leer stehende Wohnung vorgerichtet und ausgestattet worden. Nun geht es darum, eine eigene Hilfstour Richtung Ukraine aus dem Riesaer Ortsteil auf die Beine zu stellen.

Der Canitzer Unternehmer René Ritz, der als Inhaber einer Arbeitsvermittlung ohnehin regelmäßig in Osteuropa unterwegs ist, hatte angekündigt, nächste Woche mit zwei Fahrzeugen wieder in den Osten zu rollen - und gern reichlich Hilfsgüter mitzunehmen.

Durch einen ersten Medienbericht über das Vorhaben habe die Hilfstour eine Eigendynamik angenommen, sagt er. "Der Canitzer Ortsverband und die Kirchengemeinde Canitz/Pocha/Borna haben Räume zur Sammlung der benötigten Güter zur Verfügung gestellt." So hätten Bekannte und Verwandte, auch aus Großenhain, dem Leipziger Umland sowie bis nach Halle/Saale hin sich in Bewegung gesetzt, um schnellstens Sach- und Geldspenden zu sammeln.

"Sehr viele Unternehmen unterstützen die Canitzer in dem Vorhaben, auch wenn es direkt um die ukrainische Familie in Canitz geht", sagt René Ritz. Wenn man alle nennen würde, wäre die Liste viel zu lang.

Mit einem originellen Beitrag beteiligte sich der stadtbekannte Riesaer Gastronom Ramazan Demiri: Er veranstaltete in seinem Restaurant "Da Remi" zum Frauentag am 8. März ein Drei-Gänge-Menü für alle Gäste. Dabei gab es den Hinweis, dass an diesem Tage das Essen nicht bezahlt werden müsse - und stattdessen ein selbst gewählter Betrag gezahlt werden konnte. Der wurde komplett als Spende für das Vorhaben der Canitzer Hilfstour übergeben.

Die ukrainische Flüchtlingsfamilie, die insgesamt sieben Kinder - vom Säugling bis zur 14-Jährigen - hat, war beim jüngsten Sonntagsgottesdienst in der Kirche Borna/Liebschützberg dabei. Dort durften Mitglieder der Canitzer Ortsgemeinde die geplante Hilfstour vorstellen und offene Fragen beantworten. Die Bornaer/ Liebschützberger Senioren sammelten dringend benötigte Geld- und Sachspenden und übergaben diese an Pfarrerin Susanne Linke zur Weiterleitung.

Grillfest am Vereinsheim

Und auch die Canitzer selbst legen die Hände nicht in den Schoß: Am Freitag, 11. März, veranstalten sie ein kleines Open-Air-Grillfest am Vereinsheim unter dem Motto "Lichter für den Frieden". Das Fest ist für 16 bis 19 Uhr geplant. Das Geld, was dort eingenommen wird, wird ebenfalls gespendet, um weitere benötigte Hilfsgüter zu kaufen. "Die Gemeinschaft und die Kirchengemeinde Canitz/Pochra/Borna haben bereits Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, um die benötigten Güter weiter zu sammeln", sagt René Ritz.

Nach wie vor werden Baby,- Kinder- und Damenhygieneartikel benötigt. Außerdem geladene Powerbanks samt Ladegerät, zusätzlich noch laktosefreie Milch. Das Ganze möge am besten in gebrauchsfähige Rucksäcke verpackt werden. "Nicht in Taschen, weil die Arme für die Kinder frei bleiben müssen", so der Unternehmer. Außerdem seien nussfreie Fruchtriegel praktisch und die bei Kindern beliebten kleinen Fruchttüten, meist „Quetschies“ genannt.

Das eigentlich mit zwei Fahrzeugen recht klein geplante Vorhaben wächst sich nun aller Wahrscheinlichkeit nach zu einem kleinen Hilfskonvoi aus. Das habe auch die ältere Generation überrascht. "Viele Unterstützerinnen und Unterstützer schilderten in persönlichen Gesprächen ihre negativen Erinnerungen an ihre damalige Vertreibung aus dem Osten", sagt René Ritz. Die Canitzer Gemeinschaft bedanke sich ausdrücklich bei allen fleißigen Händen und allen Unterstützern! "Wir haben Großartiges erreicht!" (SZ/csf)