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Von der Praktikantin zur Prokuristin

Mit 31 Jahren leitet Sophie Balzer in Riesa Eigentümerversammlungen - und ist für fast 2.000 Wohnungen zuständig.

Sophie Balzer ist mit 31 Jahren gerade zur Prokuristin der Riesaer WGR-Tochter RDL geworden.
Sophie Balzer ist mit 31 Jahren gerade zur Prokuristin der Riesaer WGR-Tochter RDL geworden. © Sebastian Schultz

Riesa. Ein Rohrbruch in einer Mietwohnung. Handwerker mit übervollen Auftragsbüchern. Knappes und teures Baumaterial. Corona-Vorschriften für Versammlungen. Alles Themen, die bei Sophie Balzer auf dem Tisch landen. In einem denkmalgeschützten Haus auf der Pausitzer Straße ist die 31-Jährige dafür verantwortlich, die Interessen von Wohnungseigentümern, Mietern und Handwerkern unter einen Hut zu bringen. Seit Kurzem ist die Frau Prokuristin bei der Firma RDL, einer Tochterfirma der Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR).

Den stellvertretenden Chefposten hat die aus Strehla stammende Frau in einer anspruchsvollen Zeit übernommen. Monatelang waren wegen der Corona-Regeln keine regulären Eigentümerversammlungen möglich, erst jetzt gehen die Termine wieder los. Und Bedarf ist reichlich: "Die RDL verwaltet 1.900 Einheiten in Riesa, Nünchritz und Umgebung", sagt Sophie Balzer. Der weitaus größte Teil sind Wohnimmobilien, etwas Gewerbe gehört noch dazu. Und drei Viertel der Objekte gehören Eigentümergemeinschaften.

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Und deren jährliche Versammlungen etwa in einem Hotel zu leiten, gehört zu ihrer Hauptaufgabe, seit sie 2019 die Leitung der Abteilung Hausverwaltung übernommen hat. Und mit dem Thema hat die neue Prokuristin mehr Erfahrung, als man auf den ersten Blick vermuten könnte: Denn schon vor zehn Jahren hat die 31-Jährige bei der RDL angefangen - als Objektverwalterin. Sie weiß, was es heißt, Eigentümerversammlungen vorzubereiten, Angebote von Handwerkern einzuholen und zu prüfen, den Zahlungsverkehr zu überwachen, Objektbegehungen und Bauberatungen zu begleiten.

"Der Job ist sehr, sehr vielfältig und abwechslungsreich", sagt Sophie Balzer. Was man sich früh für den Tag vornehme, schaffe man selten in der geplanten Reihenfolge. Da kämen Havarien dazwischen oder akute Wünsche von Eigentümern. Und bei denen treffe man auf ganz verschiedene Charaktere.

Manchmal auch geballt: 80 Leute zählt die größte Eigentümergemeinschaft, mit der die RDL zu tun hat, kleine haben dagegen nur vier Mitglieder. Die meisten Eigentümer leben irgendwo in Deutschland, da gibt es Kapitalanleger und Erbengemeinschaften, aber auch viele aus Riesa weggezogene Rentner. Wie lässt sich das alles unter einen Hut bringen, wenn man bei einer Versammlung etwa über eine anstehende Renovierung spricht? "Den Nerv von jedem einzelnen Eigentümer kann man bei 80 Leuten natürlich nicht treffen. Da entscheiden dann Mehrheiten", sagt die Immobilien-Kauffrau.

Das klingt nach viel Arbeit, Stress inklusive. Ist so was ein Traumberuf? "Unbedingt!", sagt Sophie Balzer. Das habe sie schon als 17-Jährige gemerkt - als sie bei einem Praktikum bei der WGR eine Hausverwalterin begleitete. "Da bin ich den ganzen Tag mitgelaufen, das hat mich begeistert." Der Kontakt mit Menschen, Anrufe, Außentermine. "Den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen, wäre nichts für mich."

So fing sie dann als BA-Studentin mit der WGR als Praxispartner an und machte einen Bachelor für Immobilienwirtschaft. Als Objektverwalterin bei der RDL war sie dann bald für die Verwaltung von 400 bis 500 Einheiten zuständig. "Da ist man erster Ansprechpartner für Eigentümer und Mieter", sagt Sophie Balzer, die heute mit ihrem Partner auf dem Land bei Glaubitz wohnt. Auf dem Tisch landet viel Schriftverkehr - da geht es um die Miethöhe, um Sanierungsmaßnahmen oder Abrechnungsfragen. Und natürlich gibt es immer wieder Vor-Ort-Termine mit Eigentümern und Firmen. "Man schaut sich auch mal mit einem Mieter dessen Keller an."

An der Pausitzer Straße (Foto) sitzt die Hausverwaltung der RDL, der eigentliche Unternehmenssitz befindet sich am Stadtrand an der Canitzer Straße.
An der Pausitzer Straße (Foto) sitzt die Hausverwaltung der RDL, der eigentliche Unternehmenssitz befindet sich am Stadtrand an der Canitzer Straße. © Sebastian Schultz

Das bringt über die Jahre reichlich Ortskenntnis mit sich. "Anfangs war es für mich schon etwas problematisch, die ganzen Vogel-Straßennamen in der Riesaer Delle auseinanderzuhalten", sagt Sophie Balzer: Schließlich gibt es da in direkter Nachbarschaft Amsel-, Meisen-, Lerchen- und Schwalbenweg.

Zwischenzeitlich wechselte Sophie Balzer zwei Jahre lang zu einer Immobilienverwaltung in Großenhain, wo sie Objekte im ganzen Landkreis Meißen betreute. "Das war wichtig, auch mal andere Abläufe kennenzulernen." Dann aber ereilte sie wieder eine Anfrage aus Riesa: Ob sie nicht wieder zur RDL zurückkehren wolle - einen Karriereschritt weiter, als Leiterin der Hausverwaltung.

Nun vertritt sie quasi die Chefetage im Haus: RDL-Geschäftsführer Roland Ledwa sitzt als Chef der WGR im Regelfall in seinem Büro an der Klötzerstraße. Als RDL-Prokuristin hat Sophie Balzer nun im Vertretungsfall den Hut auf und kann auch in den anderen Sparten der RDL - etwa der Gebäudereinigung oder dem Hausmeisterservice - Verträge abschließen.

Ihr Haupt-Aufgabengebiet aber bleibt die Hausverwaltung. Denn da gibt es genug zu tun. "Über den Jahreswechsel hatten wir viele Anfragen, ob wir noch mehr Objekte übernehmen könnten", sagt Sophie Balzer. Aus personellen Gründen ist das derzeit nur schlecht möglich. Sieben Mitarbeiter hat die RDL im Bereich Wohnungsverwaltung - von einer gerade fertig ausgelernten Kollegin bis zu einem 50-jährigen Mitarbeiter. Insgesamt beschäftigt die RDL 50 Festangestellte - plus etwa 150 geringfügig Beschäftigte. Etliche Senioren zählen dazu, die sich zur Rente etwas dazuverdienen, indem sie etwa Grünanlagen pflegen. "Wir bilden aber auch aus", sagt Sophie Balzer. Gebäudereiniger oder Gartenexperten.

Die Erfahrung zeige, dass man im WGR-Konzern auch aufsteigen könne, das zeige nicht nur ihr eigenes Beispiel. "Weiterbildungen werden bei uns regelmäßig finanziert, da ist unser Unternehmen sehr offen." Das Schwesterunternehmen AGV war zuletzt gar von der Arbeitsagentur für die gute Aus- und Weiterbildung ausgezeichnet worden.

Zu tun bleibt für die Mitarbeiter jedenfalls reichlich. Die Auftragslage bei der AGV sei derzeit so gut, dass man allenfalls noch einzelne Grünanlagen in den Pflegeplan aufnehmen könne.

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