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Riesaer Feuerwehrleute sollen bald Gewissheit haben

Ein Brandbrief, Zeitungsberichte und ein Fernsehbeitrag lenkten die Aufmerksamkeit auf ein dringendes Problem. Das sagt der OB dazu.

Von Christoph Scharf
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Auch wenn das Schild anderes vermuten lässt - an der Riesaer Feuerwehr-Hauptwache wird wohl nicht mehr groß gebaut. Längst plant die Stadt einen Neubau woanders. Aber wann kommt er?
Auch wenn das Schild anderes vermuten lässt - an der Riesaer Feuerwehr-Hauptwache wird wohl nicht mehr groß gebaut. Längst plant die Stadt einen Neubau woanders. Aber wann kommt er? © Sebastian Schultz

Riesa. Abbröckelnder Putz, ein wegen Stolpergefahr teilgesperrter Hof, eine Fahrzeughalle, aus der Einsatzfahrzeuge mühsam rausrangieren müssen: Der Zustand der Feuerwehr-Gerätehäuser hatte im Advent für Aufregung gesorgt. Nach einem Brandbrief der Stadtteil-Wehrleiter und Zeitungsberichterstattung drehte dafür auch ein MDR-Team in Riesa. Und was sagt Riesas Oberbürgermeister dazu? "Zur Wahrheit gehört auch, dass die Stadt Riesa über eine hauptamtliche Wehr verfügt, was uns konstant sehr viel Geld kostet, das wir für die Sicherheit der Menschen auch gern ausgeben", sagt Marco Müller (CDU).

Zudem habe Riesa in den vergangenen Jahren kontinuierlich in Ausrüstung und Fahrzeuge investiert. Die Stadt habe als eine von wenigen Kommunen in Sachsen auch eine Entschädigungssatzung auf den Weg gebracht, bei der nicht nur Funktionsträger eine finanzielle Entschädigung erhalten, sondern auch aktive Kameraden für die Teilnahme an Einsätzen. "Damit wird man nicht reich, aber es ist ein Zeichen der Wertschätzung", so Müller. Laut Satzung erhalten etwa die Stadtteilwehrleiter je nach Größe der Wehr 60 bis 100 Euro monatlich. Aktive Feuerwehrleute, die auch zu Einsätzen ausrücken, erhalten immerhin einmal im Jahr eine Entschädigung zwischen 25 und 100 Euro - je nachdem, wie häufig sie bei den Einsätzen ihrer Wehr dabei sind.

Den Zustand der Gebäude aber hält auch der OB selbst für sehr unbefriedigend. Man sei dabei, die Rückstände Stück für Stück aufzuholen. Ein großer Baustein dafür ist der geplante Neubau einer Feuerwache an der Klötzerstraße, in dem die hauptberuflichen Kameraden der Hauptstelle Am Forschungszentrum und die ehrenamtlichen von der Pausitzer Straße einziehen sollen. Das Konzept der Zusammenlegung der Gebäude steht laut OB Müller nach wie vor. Die strittige Frage ist allerdings, wann der Neubau kommt: in den nächsten Jahren oder vielleicht erst 2030?

Die Corona-Krise sei auch an Riesa nicht spurlos vorübergegangen, argumentiert Müller. Durch Einbrüche bei der Gewerbesteuer sei die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Stadt nicht mehr so, dass Riesa - wie eigentlich geplant - beide Projekte gleichzeitig verwirklichen könne: die Sanierung der Grundschule in Weida und den Neubau der Feuerwehr-Hauptwache.

Deshalb war eine Entscheidung über die Reihenfolge zu treffen. Bei den Schulen sei die Stadt gegenüber dem Freistaat in der Pflicht: "Er fordert, dass Riesa seine Schulgebäude sanieren muss, um keine Sperrungen zu riskieren. Deshalb hat die Verwaltung dem Stadtrat vorgeschlagen, die Sanierung der Grundschule zeitlich vor den Bau der Feuerwache einzuordnen", sagt der Oberbürgermeister.

Aber war denn die Situation in der Grundschule Weida wirklich so dramatisch, dass eine Schließung drohte? "Nicht nur in Weida", sagt Müller. Auch wenn man die Oberschule in Merzdorf und die Grundschule Am Storchenbrunnen neu gemacht habe, gäbe es in der Stadt "riesigen Nachholbedarf". Dazu würden auch brandschutztechnische Probleme in Weida und in der Breitscheidschule gehören. Feuerwehr wie Schule seien ganz wichtig für Stadt, es sei schwer, sie gegeneinander abzuwägen. "Beide Interessengruppen gegeneinander auszuspielen, ist nicht gut."

Ein teilweise gesperrter Hof ist nur eines der baulichen Probleme bei der Feuerwehr Riesa-Stadtmitte. Auch diese Wehr soll in den geplanten Neubau umziehen.
Ein teilweise gesperrter Hof ist nur eines der baulichen Probleme bei der Feuerwehr Riesa-Stadtmitte. Auch diese Wehr soll in den geplanten Neubau umziehen. © Sebastian Schultz

Dennoch gilt es, eine Entscheidung zu treffen. Die liegt nun beim Stadtrat: "In der Dezember-Sitzung hat er mit großer Mehrheit zunächst die Variante der Schulsanierung beschlossen und zugleich Chancen aufgezeigt, unter Einbeziehung der WGR doch beide Projekte zeitnah zu realisieren", sagt OB Müller. "Ich habe bereits angekündigt, dass es schon Anfang 2022 auch einen Beschluss zum Feuerwehr-Neubau geben wird." Dann hätten nicht nur die Schüler und Lehrer, sondern auch die Riesaer Kameraden endlich Gewissheit.