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Riesaer Flugplatz voll belegt

Seit fünf Jahren betreiben zwei Unternehmer die Anlage in Göhlis. Genutzt wird der Platz reichlich - aber eine Sache macht den Männern Sorgen.

Das Betreiberduo vom Flugplatz Riesa-Göhlis: Reinhold Eger (l.) und Peter Traub. Die Aufschrift an der Fassade gibt die Höhenlage des Platzes an - 322 Fuß entspricht einer Höhe von knapp 100 Meter über Null.
Das Betreiberduo vom Flugplatz Riesa-Göhlis: Reinhold Eger (l.) und Peter Traub. Die Aufschrift an der Fassade gibt die Höhenlage des Platzes an - 322 Fuß entspricht einer Höhe von knapp 100 Meter über Null. © Sebastian Schultz

Riesa. Bei Flugwetter ist es in Riesa nicht zu übersehen: Der Flugplatz Göhlis ist längst wieder gut genutzt. Immer wieder sind Kleinflugzeuge am Himmel über der Stadt unterwegs. Das war vor wenigen Jahren nicht abzusehen: Damals stand der Platz am Stadtrand vor dem Aus, weil der letzte Betreiber, die Stadtwerke-Tochter Esam, die Anlage nicht weiter betreiben wollte.

Doch nach einigem Hin und Her fand sich eine Lösung - die beiden Unternehmer Peter Traub und Reinhold Eger übernahmen den Platz. Nun ist die Hälfte ihres Zehn-Jahres-Pachtvertrags rum. Und wie steht es bei Ihnen? "Bei der Auslastung sind wir zufrieden. Es gibt Tage, da ist ein Flugleiter komplett ausgelastet", sagt Peter Traub.

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Der Lommatzscher Landwirt, 67 Jahre alt, ist erst im besten Alter zum Fliegen gekommen - und betreibt es nur zur Leidenschaft. Sein Kompagnon Reinhold Eger, Ingenieur in Dresden, hat nebenberuflich auch noch eine Flugschule.

Seit wenigen Wochen dürfen Anfänger auch wieder das Fliegen lernen - die Corona-Regeln hatten für angehende Piloten ähnliche Folgen wie für Fahrschulen am Boden. "Bei der Nachfrage gab es keine großen Einbrüche im Vergleich zur Vor-Virus-Zeit", sagt Reinhold Eger. Vielleicht auch deshalb, weil kaum ein Hobby mehr Sicherheitsabstand zu den Mitmenschen verheißt, als der Pilotenschein.

Folgen haben die Pandemie-Regeln für den Flugplatz allerdings trotzdem: Die beiden Pächter haben mit großem organisatorischem und finanziellem Aufwand die Gaststätte wieder vorgerichtet und einen italienischen Pächter organisiert. Ein richtiger Kraftakt sei das gewesen. Jetzt gibt es dort - wie fast überall in der Gastronomie - nur einen Lieferdienst. Wenn die Gaststätte aber offen ist, ist sie nicht nur für Riesaer mittlerweile ein beliebtes Ausflugsziel. "Es kommen auch regelmäßig Leute hergeflogen, um hier essen zu gehen", sagt Peter Traub.

Das La Terrazza im Vordergrund ist in normalen Zeiten das Aushängeschild des Riesaer Flugplatzes. Sogar aus Bayern kommen Piloten hergeflogen, um dort zu essen. Jetzt allerdings gibt es dort nur einen Lieferservice.
Das La Terrazza im Vordergrund ist in normalen Zeiten das Aushängeschild des Riesaer Flugplatzes. Sogar aus Bayern kommen Piloten hergeflogen, um dort zu essen. Jetzt allerdings gibt es dort nur einen Lieferservice. © Sebastian Schultz

Denn so einen Flugplatz mit einem richtigen Restaurant - das gebe es wohl in ganz Sachsen nicht, erst kurz vor Berlin wieder. "Nach dem Flug gemütlich auf der Terrasse sitzen können und sich bewirten lassen: Das ist unser Alleinstellungsmerkmal in Riesa", so Reinhold Eger. Darauf könne man als Flugplatzbetreiber stolz sein - und nur hoffen, dass das Restaurant bald wieder öffnen dürfe.

Üblicherweise kommen Flieger aus einem Umkreis von 150 bis 200 Kilometer für einen Tagesausflug nach Riesa geflogen, so gäbe es Stammgäste etwa aus dem fränkischen Hof. Gleichzeitig seien auch reichlich Flieger in Riesa stationiert. "Mit rund 45 Flugzeugen sind wir eigentlich voll", sagt der 59-Jährige. "Falls noch einer kommen sollte, müssen wir schon schauen, wo wir den unterkriegen." Vor fünf Jahren hatten die beiden Neu-Pächter quasi mit leeren Hallen anfangen müssen, weil die Flugzeugbesitzer angesichts der ungewissen Flugplatz-Zukunft ihre Maschinen abgezogen hatten.

Aktuell stammen die Nutzer nicht nur aus dem Landkreis Meißen, sondern auch aus Dresden, der Region südlich von Nossen, aus Döbeln oder Elsterwerda.

Ein Flieger von 45: Die Hallen in Göhlis sind aktuell ziemlich voll belegt.
Ein Flieger von 45: Die Hallen in Göhlis sind aktuell ziemlich voll belegt. © Sebastian Schultz

Aber was macht Riesa für Flieger eigentlich attraktiv - abgesehen vom Restaurant nebenan? "Wie bieten guten Service", sagt Reinhold Eger. "Und wir sind täglich geöffnet." Während man andere Kleinflugplätze teils nur auf Voranmeldung anfliegen dürfe, sei Göhlis ohne Mittagspause mit einem Flugleiter besetzt - im Sommer täglich von 10 bis 19 Uhr, im Winter bis Einbruch der Dunkelheit. Zwei Flugleiter sind deshalb angestellt und eine Tankstelle gibt es auch. Die Betriebsgenehmigung schreibe eine Betriebspflicht vor. Das heißt: Der Flugplatz muss sich keine Öffnungstage von der Behörde genehmigen lassen, sondern seine Ruhetage - etwa über Weihnachten.

Mehr Ruhe würde sich vielleicht der eine oder andere Anwohner wünschen. Man versuche, auf die Anliegen der Betroffenen einzugehen. So habe man beispielsweise die sogenannte Platzrunde für die Flieger so gelegt, dass möglichst wenige Menschen von den Fluggeräuschen betroffen sind. Man rede auch mit den Piloten, um die Belastung möglichst gering zu halten.

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Während es in den ersten beiden Jahren eine Anschubfinanzierung von den Stadtwerken gab, muss der Flugplatz sich seitdem vertragsgemäß selbst tragen. "Wir kommen so über die Runden", sagt Reinhold Eger. Würden die beiden Chefs die von ihnen geleisteten Arbeitsstunden ganz normal abrechnen, würde es wirtschaftlich allerdings nicht funktionieren.

Jedenfalls antwortet das Duo zurückhaltend auf die Frage, ob es nach dem Ablauf des Zehn-Jahres-Vertrags 2026 noch weiter macht: "Das überlegen wir uns noch."

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