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Friedhof ist jetzt Kulturerbe

Nicht nur die Anlage in Altriesa wird jetzt besonders gewürdigt. Das war längst überfällig, heißt es von den Verantwortlichen.

Pfarrer Martin Scheiter und Friedhofsverwalter Andreas Wolf enthüllen die Plakette am Eingang zum Trinitatisfriedhof.
Pfarrer Martin Scheiter und Friedhofsverwalter Andreas Wolf enthüllen die Plakette am Eingang zum Trinitatisfriedhof. © Foto: Lutz Weidler

Riesa. Es ist nur eine kleine Plakette, die jetzt am Eingang des Trinitatisfriedhofs in Riesa hängt. Aber sie bedeutet viel, das macht Friedhofsverwalter Andreas Wolf deutlich. "Immaterielles Erbe Friedhofskultur" steht auf dem Schild. Gerade erst war die Kultusministerkonferenz der Empfehlung der Unesco gefolgt, die deutsche Friedhofskultur in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufzunehmen. Dort standen unter anderem schon die Genossenschaftsidee, die deutsche Brotkultur und das Skatspielen. 

Anlagen in Deutschland sind "einzigartig"

Aus Sicht von Andreas Wolf war es längst überfällig, dass auch die deutschen Friedhöfe als Kulturerbe ausgezeichnet werden. "Wir haben aufgejauchzt, dass endlich so etwas kommt." Einen Park für die Verstorbenen anzulegen, das sei tatsächlich eine Besonderheit Deutschlands, erklärt Andreas Wolf. Auch von der Initiative Kulturerbe Friedhof heißt es, man verbinde "nirgendwo sonst gärtnerische und steinerne Elemente zu so individuellen Grabanlagen wie bei uns". 

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Wohlgemerkt betreffe der Titel die Idee des Friedhofs. Der sei Ruheort, aber eben auch ein Ort der Erinnerung und Würdigung, er sei Treffpunkt, Arbeitsplatz, Geschichtsbuch und vieles mehr. "Es ist ein Ort für die Lebenden", sagt Andreas Wolf. "Und wenn man genau hinschaut, dann merkt man, dass auf dem Friedhof richtig was los ist."  

Nicht nur am Eingang neben dem Poppitzer Platz weist eine Tafel auf den neuen Titel hin. Auch am Mergendorfer Weg soll ein solches Schild angebracht werden.
Nicht nur am Eingang neben dem Poppitzer Platz weist eine Tafel auf den neuen Titel hin. Auch am Mergendorfer Weg soll ein solches Schild angebracht werden. © Foto: Lutz Weidler

Gleichzeitig weist die Auszeichnung auch darauf hin, dass die Friedhofskultur in ihrer jetzigen Form durchaus bedroht ist. Auch in Riesa merke man, dass sich der Umgang mit dem Tod und die Bestattungen verändern. "Angehörige sagen heute öfter, dass sie lieber eine Urne im Schrank haben oder sich einen Diamanten um den Hals hängen", sagt Pfarrer Martin Scheiter. 

Musik komme heute öfter aus der Konserve als von der Orgel, in anderen Fällen wiederum sei eine intensivere Grabpflege nicht möglich, weil Angehörige weit weg wohnen und die Kosten für ein schönes Grab nicht tragen können oder wollen. 

Das mag zum Teil auch daran liegen, dass die Kosten tatsächlich steigen - zum einen, weil immer weniger Friedhofsfläche belegt ist, zum anderen, weil auch die Betriebskosten sich erhöhen - unter anderem auch durch die Trockenheit der vergangenen Jahre

Andrang auf günstige Gemeinschaftsgräber

So beobachtet der Pfarrer Phänomene wie etwa in Nünchritz: Auf den dortigen Urnengemeinschaftsgräbern werden die Namen der Bestatteten lediglich an einer Stele markiert. Der Andrang, auch von außerhalb der Gemeinde, sei derart groß gewesen, dass eine Beisetzung dort nur noch Nünchritzern vorbehalten bleibt. 

Eine mögliche Ursache für diesen Umgang mit der Bestattungskultur hat Scheiter ebenfalls ausgemacht: Der Tod werde heutzutage weitgehend aus dem Alltag verdrängt. Man versuche, die Gedanken daran "so klein wie möglich zu halten". Darunter leide am Ende eben auch die Trauerkultur. "Aber irgendwann kommt jeder mit dem Thema in Berührung." 

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