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Riesaer Gruft kommt ins Museum

Im Haus am Poppitzer Platz plant man "Geschichten über den Tod hinaus" - und hat ein spannendes Jahr hinter sich.

Die Mumien in der Gruft der Riesaer Klosterkirche sind Thema einer Ausstellung, die das Stadtmuseum gemeinsam mit der evangelischen Kirchgemeinde Riesa plant.
Die Mumien in der Gruft der Riesaer Klosterkirche sind Thema einer Ausstellung, die das Stadtmuseum gemeinsam mit der evangelischen Kirchgemeinde Riesa plant. © Sebastian Schultz

Riesa. Corona, Corona, Corona. Das Virus hat im vergangenen Jahr auch das Geschäft des Riesaer Stadtmuseums gezeichnet. Dennoch zählte das Haus insgesamt mehr als 7.600 Besucher - rund 7.000 im Haus selbst, mehrere Hundert bei den 35 Stadt- und Klosterführungen.

„Trotz erheblicher Auflagen fanden 233 Veranstaltungen statt“, sagt John Jaeschke, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft FVG Riesa. „Die Mitarbeiterinnen um Maritta Prätzel haben ein hervorragendes Hygienekonzept erarbeitet." Leider habe man wegen der Vorschriften im Spätherbst das Museum wieder schließen müssen. "Dennoch liefen die Arbeiten im Hintergrund unermüdlich weiter."

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Bei den Sonderausstellungen gab es in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte „Ehrenhain Zeithain“ eine Schau über die nationalsozialistischen Euthanasie-Morde, die von einem Rahmenprogramm samt Theateraufführung begleitet wurde.

Anschließend präsentierten zwei regionale Künstler, Heinz Linder aus Gostewitz und Jochen Rohde aus Lommatzsch, eine Auswahl ihrer Kunstobjekte. Die folgende Amiga-Sonderausstellung fand bereits während der Vorbereitung große öffentliche Aufmerksamkeit und sorgte für viele Leihgaben aus der Riesaer Einwohnerschaft. Allerdings fielen die Eröffnung der Ausstellung sowie einige der geplanten begleitenden Veranstaltungen der Pandemie zum Opfer.

Die Amiga-Schau im Riesaer Museum sorgte 2020 für große Resonanz - und viele private Leihgaben.
Die Amiga-Schau im Riesaer Museum sorgte 2020 für große Resonanz - und viele private Leihgaben. © Sebastian Schultz

Ein ähnliches Schicksal ereilte auch die mit großer Spannung erwartete Wanderausstellung mit dem Titel „Ötzi, der Mann aus dem Eis“: Nach einem hoffnungsvollen Auftakt und einem komplett ausgebuchten Begleitangebot für Schulklassen weit über die Region hinaus, musste das Museum kurz nach Eröffnung auf Grund der Pandemie-Entwicklung wieder schließen.

Immerhin konnte eine Verlängerung der Leihdauer für die Ausstellung vereinbart werden, so dass nach Wiedereröffnung des Museums 2021 noch vier Wochen Zeit für einen Ausstellungsbesuch und das Nachholen der Unterrichtsprojekte eingeräumt werden können.

Auf 2021 verschoben werden mussten zwei Kunstausstellungen mit Malerei von Astrid Grauer aus Strehla (28. November bis 30. Dezember 2021) sowie mit Skulpturen und Malerei von Gisela Engeln Muellges aus Aachen (17. Oktober bis 21. November 2021), außerdem eine Kabinettausstellung zum 30. Jahrestag der deutschen Einheit (Termin noch offen).

„Neben diesen Ausstellungen planen wir zudem gemeinsam mit der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Riesa eine Ausstellung über die Gruft in der Riesaer Klosterkirche“, sagt Museumsleiterin Maritta Prätzel. Diese Ausstellung wird vom 6. Juni bis 10. Oktober 2021 im Haus am Poppitzer Platz zu besichtigen sein.

Zudem thematisiert eine Wanderausstellung der Rosa-Luxemburg-Stiftung „Schicksal Treuhand – Treuhand Schicksale“ vom 25. April bis 23. Mai 2021 das Schicksal der Ost-Betriebe nach der Wiedervereinigung.

Die Ötzi-Ausstellung war durch Corona unterbrochen worden - und konnte nun ins Jahr 2021 verlängert werden.
Die Ötzi-Ausstellung war durch Corona unterbrochen worden - und konnte nun ins Jahr 2021 verlängert werden. © Sebastian Schultz

Das beliebteste museumspädagogische Angebot war auch 2020 die Mondscheinführung unter dem Motto „Stein auf Stein“, die zum 18. Mal stattfand. „Aufgrund der Infektionsschutzverordnung und des dadurch erforderlichen Hygienekonzeptes war die Organisation eine besondere Herausforderung, die allerdings durch große Disziplin, Rücksichtnahme und Verantwortungsbewusstsein aller Teilnehmenden ohne Beanstandungen gemeistert werden konnte“, so Prätzel.

Zuvor waren besondere Riesaer Bauvorhaben erforscht worden: das Volkshaus, die Militärkaserne an der Kirchbachstraße (heute Lommatzscher Straße), die Wohnhäuser an der Kolonie, der „Bürgergarten“, das Ernst-Grube-Stadion, die Kegelhalle, die Mitropa, das königliche Post- und Telegraphenamt sowie das Klubhaus „Joliot Curie“. Die nächste Auflage des Projektes ist für den 25. und 26. Juni 2021 geplant.

Auch für alle anderen Veranstaltungen brachte die Pandemie massive Einschränkungen mit sich. Der Kindermuseumsclub sowie die Reihen Kaffeeklatsch und Vortrag am Dienstag fanden stark reduziert statt, die Kindermuseumsnacht (nächster Termin 8. Oktober 2021), die Expertensprechstunde „Kitsch oder Kunst“ (16. Mai), das Weihnachtskonzert und die Traditionsveranstaltung Warten auf den Weihnachtsmann (24. Dezember) mussten ganz ausfallen.

Das Hausspektakel zum Ferienauftakt, das gemeinsam mit der Kinder- und Jugendbibliothek organisiert wird, findet am 26. Juli 2021 statt.

„Wir freuen uns schon sehr auf den 5. November“, sagt Maritta Prätzel. „Für diesen Tag planen wir eine Festveranstaltung anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Riesaer Museumsvereins.“

In der Reihe „Vortrag am Dienstag“ wird am 27. April 2021 Riesas Nachbarstadt Großenhain aus der Sicht des Stadtgeschichtsschreibers vorgestellt. Weitere Themen sind u.a. die Kulturgeschichte des Friedhofs (29. Juni), das Lustlager Zeithain (27. Juli), der Umgang mit neuzeitlichen Grüften (31. August) und ein Reise-Bericht Neuseeland (30. November).

Das Stadtmuseum teilt sich das Haus am Poppitzer Platz mit der Stadtbibliothek.
Das Stadtmuseum teilt sich das Haus am Poppitzer Platz mit der Stadtbibliothek. © Sebastian Schultz

Das Angebot der Stadt- und Klosterführungen wurde im vergangenen Jahr sehr wenig genutzt. Besonders rückläufig waren pandemiebedingt die individuellen Führungen der Museumsmitarbeiter. „Besser liefen die saisonalen Rundgänge, die ehrenamtlich tätige Vereinsmitglieder jährlich von Mai bis Oktober jeweils donnerstags, sonnabends und sonntags anbieten. Bei den Führungen durch das ehemalige Klostergelände steht in diesem Jahr aufgrund der aktuellen Sonderausstellungen das Rittergut mit seinen Bewohnern im Mittelpunkt“, so Prätzel.

Ein besonderer Höhepunkt im März 2020 war die Premiere des Theaterstückes „Der eingebildete Patient“. Erstmals hatte sich die Theatergruppe des Museumsvereins an ein abendfüllendes klassisches Programm gewagt und sehr aufwendig vorbereitet. Die erste Aufführung wurde begeistert aufgenommen. Die weiteren, bereits ausverkauften Vorstellungen fielen einschließlich der Nachholtermine der Pandemie zum Opfer und sind nun aktuell für den 7. und 8. Mai 2021 im Veranstaltungskalender vermerkt. „Allerdings bitten wir unsere Gäste, sich tagesaktuell zu informieren, ob die Veranstaltungen aufgrund der Pandemieentwicklung stattfinden können“, so die Museumsleiterin.

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Ein Besuch im Haus am Poppitzer Platz ist derzeit nicht möglich. Wer möchte, kann aber in die Stadtgeschichte reinhören.

„Inhaltlich beschäftigt sich unsere Forschungsarbeit in den kommenden Monaten vor allem mit den Vorbereitungen für die Mondscheinführung sowie Recherchen für regionale Bezüge zur ‚Treuhand‘- Ausstellung, zum Thema Wiedervereinigung, zur Klostergruft sowie der Ausstellung im Januar 2022 zum Thema ‚Jugend im Gleichschritt - die Hitlerjugend zwischen Anspruch und Wirklichkeit‘“, erklärt Maritta Prätzel. „Zudem erarbeiten unsere Mitarbeiter eine Publikation zur Sonderausstellung ‚Geschichten über den Tod hinaus‘“, so Prätzel. (SZ)

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