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Riesaer Radler tickt bei Alkoholkontrolle aus

Ein 36-Jähriger fährt hartnäckig betrunken Fahrrad und macht die Sache erst richtig schlimm, indem er Polizeibeamte beleidigt.

Was Schimpfworte angeht, ist ein 36-jähriger Riesaer ziemlich bewandert. Umgangsformen allerdings sind seine Sache nicht - weshalb er jetzt vor Gericht stand.
Was Schimpfworte angeht, ist ein 36-jähriger Riesaer ziemlich bewandert. Umgangsformen allerdings sind seine Sache nicht - weshalb er jetzt vor Gericht stand. © Sebastian Schultz

Riesa. Die Anklageschrift enthält eine stattliche Liste an Beleidigungen: „Missgeburten“, „Wichser“, „Arschloch“, „Schwuchtel“, „Schlampe“. All das mussten sich die Polizisten anhören, die den Riesaer Michael S. in einer Februarnacht mit zwei Promille beim Radfahren erwischten. Das Ganze gipfelte in der Bemerkung „Hitler hätte euch alle vergast!“ Und damit nicht genug. Der 36-Jährige bedrohte die Beamten auch noch. „Du hast gleich meinen Schuhabdruck in deiner dreckigen Fresse“, soll er gebrüllt haben. Als S. mit dem Polizeiauto zur Blutprobe gebracht wird, wehrt er sich nach Kräften. Er spuckt um sich, verteilt Kopfstöße und Tritte. Deshalb sind die ihm vorm Riesaer Amtsgericht vorgeworfenen Verfehlungen ebenso zahlreich wie die Kraftausdrücke. Trunkenheit im Verkehr, Beleidigung, Bedrohung, Widerstand und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte.

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Michael S. hat bereits einen Verhandlungstermin geschwänzt, weshalb er diesmal von Polizisten in den Gerichtssaal eskortiert wird. Und die Beamten bleiben auch, denn sie kennen den Delinquenten ziemlich gut. Sie haben ihn schon des Öfteren alkoholisiert auf dem Fahrrad angetroffen und auch schon die Litanei seiner Beschimpfungen über sich ergehen lassen müssen. Richterin Ingeborg Schäfer kennt den Mann ebenfalls. Erst vor einem Dreivierteljahr hat sie den Riesaer wegen eines nahezu identischen Vorfalls zu einer Geldstrafe verurteilt. Es scheint so, als ob S. unter Alkoholeinfluss völlig die Kontrolle über sich verliert.

Auf der Anklagebank macht der Mittdreißiger eigentlich einen recht vernünftigen Eindruck. Es könne schon sein, dass er gegenüber den Polizisten die beleidigenden Ausdrücke benutzt habe, räumt er ein. Er sei eben in solchen Situationen leicht genervt. Zumal die Riesaer Polizei ihn offenbar auf dem Kieker habe. Mit dieser Äußerung kommt der Delinquent aber bei der Richterin schlecht an. Das sei das Standard-Argument fast aller, die betrunken oder ohne Führerschein unterwegs sind. Man könne den Polizisten ja schlecht vorwerfen, dass sie ihre Pappenheimer kennen und deshalb öfter kontrollieren. Zumal sie S. zuvor an einer Tankstelle getroffen und ermahnt hatten, in diesem Zustand nicht aufs Rad zu steigen. Kurze Zeit später sahen sie ihn dann über die Riesaer B-169-Fußgängerbrücke radeln.

Ja, gesteht Michael S. treuherzig ein, er entscheide immer von Fall zu Fall, ob er zu betrunken zum Radfahren sei oder nicht. Den Gedanken, dass er vielleicht ein Alkoholproblem hat, weist der Angeklagte weit von sich. Aber die schiere Zahl seiner Straftaten, bei denen fast immer Alkohol eine Rolle spielte, spricht eine andere Sprache. Und auch der Lebenswandel des jungen Mannes entspricht nicht gerade dem bürgerlichen Standard. Schule abgebrochen, Ausbildung abgebrochen und seitdem gab es eigentlich nie einen festen Job. Michael S. hält sich mit Aushilfsarbeiten bei Bekannten und Hartz IV über Wasser und scheint damit ganz zufrieden zu sein.

Angesichts der langen Liste vorangegangener Delikte erscheint dem Gericht eine weitere Geldstrafe verfehlt. Michael S. wird zu vier Monaten Freiheitsentzug verurteilt – ausgesetzt zur Bewährung. Falls er noch einmal betrunken mit dem Rad unterwegs ist, droht ihm nun der Knast. Richterin Schäfer kann sich bei der Urteilsbegründung die Bemerkung nicht verkneifen, dass es ziemlich doof sei, mehrfach denselben Unsinn anzustellen. Überdies wird der Delinquent verpflichtet, mehrere Termine bei der Suchtberatungsstelle wahrzunehmen.

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