SZ + Riesa
Merken

Riesas bekanntester Arzt rät zum Wein

Der Mediziner Dr. Dieter Frank verliert auch unter Lockdown-Bedingungen nicht den Mut.

Von Christoph Scharf
 5 Min.
Teilen
Folgen
In seinem Weinkeller empfängt Dr. Dieter Frank sonst gern Freunde auf ein Glas Wein - derzeit geht es dort aber etwas ruhiger zu. Die Muße nutzte der Mediziner, um ein neues Buch zu schreiben.
In seinem Weinkeller empfängt Dr. Dieter Frank sonst gern Freunde auf ein Glas Wein - derzeit geht es dort aber etwas ruhiger zu. Die Muße nutzte der Mediziner, um ein neues Buch zu schreiben. © Sebastian Schultz

Riesa. Mit 81 Jahren gehört Dr. Dieter Frank ganz offiziell zur höchsten Corona-Risikogruppe. Doch der stadtbekannte Mediziner, langjähriger Stahlwerks-Doktor, BSG-Betreuer und Hausarzt, strahlt Entspannung aus. "Mir geht es gut", sagt der Riesaer. Auch wenn er noch keinen Impftermin hat. "Wahrscheinlich habe ich es nicht lange genug versucht", sagt er - und wartet nun darauf, dass seine Tochter als Hausärztin irgendwann Impfstoff für ihre Patienten bekommt. Dann braucht er nur ein paar Treppenstufen hinunter in seine alte Praxis zu gehen.

Bis dahin bleibt er ausgeglichen. "Wer sein Leben lang gesund lebt und Sport gemacht hat, dessen Immunsystem ist vermutlich stabiler als bei jemandem, der es sich dauerhaft vor dem Fernseher bequem macht", sagt der Riesaer. Und ohnehin: Sterben müsse jeder irgendwann, das habe allein Gott in der Hand.

Kraft gäbe ihm zudem, in der Familie und der Heimat verwurzelt zu sein. "Gott sei Dank geht es auch unserer Familie gut", sagt der frühere Stadtrat. Trotz vieler Patientenkontakte habe sich auch die Tochter nicht angesteckt. Und durch den Lockdown lernen Dieter Frank und seine Frau noch was ganz Neues kennen: "Wir haben seit mehr als einem Jahr regelmäßig unsere Enkelin für ihre Schularbeiten im Haus." Die Fünftklässlerin kann dort - mit etwas Sicherheitsabstand zu den Großeltern - beaufsichtigt ihren Online-Unterricht absolvieren. "Schon erstaunlich, was heute alles geht", sagt der Opa. "Als ich 1945 in Riesa in die Schule kam, hatten wir noch Schiefertafeln. Nicht mal Schulbücher gab es damals."

Aber eines gelte damals wie heute: Ohne Fleiß kein Preis, eine Losung, an die er sich noch aus dem damaligen Max-Planck-Gymnasium erinnert, wo sie an den Glasfenstern steht.

111 Seiten umfasst das neue Buch von Dr. Dieter Frank, das Geschichten eines Weinliebhabers erzählt.
111 Seiten umfasst das neue Buch von Dr. Dieter Frank, das Geschichten eines Weinliebhabers erzählt. © Sebastian Schultz

Die Schulzeit allerdings hat Dieter Frank lange hinter sich, genauso wie seine Berufslaufbahn. Aber stillsitzen - das ist seine Sache auch wieder nicht. Was tun? Dieter Frank hat nun zum wiederholten Mal ein Buch geschrieben. "Zum Wohl, Herr Doktor", heißt es und dreht sich um den Wein. "Als ich 2004 'Glück auf, Herr Doktor' zu Papier brachte, ging es um Leute, die in Dreck, Hitze, Schichten arbeiten", erinnert er an sein Werk über die Stahlwerker-Stadt Riesa. "Die Arbeiter dort sehen an den jeweiligen Stationen nur einen Stahlblock vor sich - und nicht, was aus ihrem Produkt später wird."

Als er vor einiger Zeit auf der Gasthof-Terrasse in Niederlommatzsch saß und mit einem Glas Wein in der Hand auf die Elbe schaute, kam ihm der Gedanke: "Der Winzer ist das glatte Gegenteil des Stahlwerkers: Er arbeitet an freier Luft in der Sonne, sieht, was aus seiner Arbeit wird - und übt eine Tätigkeit aus, die es so schon seit Jahrtausenden gibt."

Das präge den Charakter der Menschen, auch hier im Elbland - mit traditionsreichen Winzerfamilien wie Lehmann, Ulrich, Prinz zur Lippe. Und auch das Leben von Dieter Frank selbst ist vom Wein geprägt - auf den Gedanken kommt man, wenn man seinen Weinkeller betritt und nicht nur die steinernen Weinregale wahrnimmt, sondern auch ganze Körbe voller gesammelter Korken, die am Boden stehen. "Ich bin kein Weinexperte, sondern ein Weinliebhaber", schränkt der Mediziner ein: Da geht es weniger um Trinktipps, sondern um gesammelte Lebenserfahrungen.

"Der Wein ist ja ein Medium, das die Menschen zusammenführt. Wie Musik etwa, oder Malerei." Den Gruß "Zum Wohl" kenne man in allen Sprachen, in Ungarn etwa als Egészségére. Am Schwarzen Meer war Frank zu DDR-Zeiten im Urlaub, die Arbeit im Stahlwerk brachte auch solche Vorteile mit sich. Und heute könne man dankbar sein, in Weinländer wie Österreich, Frankreich, Italien fahren zu dürfen.

Kein Freund von Traurigkeit: Im Weinkeller des Autors haben sich so einige Erinnerungen angesammelt.
Kein Freund von Traurigkeit: Im Weinkeller des Autors haben sich so einige Erinnerungen angesammelt. © Sebastian Schultz

Und liegt die Wahrheit im Wein, wie der Spruch "In vino veritas" nahe legt? Auch mit dieser Frage beschäftigt sich Dieter Frank in seinem Buch über mehrere Seiten hinweg - mit Ausflügen in die Riesaer Lokal- und die Berliner Bundespolitik. Sein Fazit: Man sollte sich die Fähigkeit bewahren, angebliche Wahrheiten in Zweifel zu ziehen - so wie man schon als DDR-Bürger lernte, zwischen den Zeilen zu lesen. Der Riesaer hält es da mit dem französischen Literatur-Nobelpreisträger André Gide: "Vertrauen Sie denen, die nach der Wahrheit suchen - und misstrauen Sie denen, die sie gefunden haben."

Seine Skepsis bewahrt sich Dieter Frank auch heute bei der Corona-Politik. Den Abschnitt, den er dazu geschrieben hat, hat er kurz vor Drucklegung seines Manuskripts aber komplett wieder rausgestrichen. Seine Erfahrung: Was auch immer man zu dem Thema sagt, bringt einem nur Ärger ein, selbst im Bekanntenkreis.

Jedenfalls verhindern die Corona-Schutzverordnungen, dass er sein neues Buch wieder im Rahmen einer öffentlichen Lesung vorstellen kann. Bei seinem Erstling "Glück auf, Herr Doktor" kamen 2004 rund 180 Leute in die Kirche von Jahnishausen, ein Streichquartett spielte, den Erlös spendete er für den Erhalt der Kirche. "Das würde ich eigentlich sehr gern machen, man kommt dabei mit den Leuten ins Gespräch", sagt der 81-Jährige. Bis so etwas wieder möglich sein wird, greift er im kleinen Kreis zum Wein. Zum Wohl!

Das Buch "Zum Wohl, Herr Doktor" von Dr. Dieter Frank ist jetzt für 15 Euro in der Riesaer Thalia-Buchhandlung an der Hauptstraße und in der Riesa-Information erhältlich, Telefon 03525 529420 , [email protected] (per "Click and Collect" oder im Versand).

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.