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Riesas Elbfähre auf der Streichliste?

Nichtöffentlich wird über Kosten und Nutzen der Riepro debattiert. Dann bahnt sich plötzlich eine Lösung an.

Die Fähre Riepro setzt von Riesa nach Promnitz (im Hintergrund) über die Elbe. Nun kam plötzlich eine Debatte auf, ob man sie nicht einsparen könne.
Die Fähre Riepro setzt von Riesa nach Promnitz (im Hintergrund) über die Elbe. Nun kam plötzlich eine Debatte auf, ob man sie nicht einsparen könne. © Sebastian Schultz

Riesa. Riesa hat beides: Brücke und Elbfähre. Das unterscheidet die Stadt von Strehla, Niederlommatzsch und Gauernitz, wo es zur jeweiligen Fähre keine fußläufige Alternative gibt. Ob das einer der Gründe ist, warum die Zukunft des Schiffs Riepro plötzlich zur Debatte stand?

Wie Stadträte mehrerer Fraktionen bestätigen, sei man in nichtöffentlicher Sitzung mit einem angeblich hohem Sanierungsbedarf konfrontiert worden, einer angeblichen Personalknappheit an Fährleuten, einem stetigen finanziellen Defizit des Fährbetriebs. 

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Strittig ist hingegen, wer das Thema unerwartet auf die Tagesordnung gesetzt hat. Von der AfD heißt es, OB Marco Müller (CDU) selbst habe das Thema aufgebracht. Ein CDU-Stadtrat sagt, nicht der OB, sondern die Stadtwerke-Tochter Esam als Fährbetreiber habe den Punkt auf die Tagesordnung gesetzt.

Der Landtagsabgeordnete Carsten Hütter (AfD) machte sich das Thema jedenfalls umgehend zu eigen, als er davon erfuhr. "Weil die Rede von angeblich 60.000 Euro Sanierungsbedarf für die Fähre war, schaute ich mir die Riepro selbst an."

 Hütter, selbst Kfz-Mechanikermeister, ließ sich auch den Motor zeigen. "Antriebswelle, Lager, Gleitschiene waren neu." Und so ein Mittelmotor mit viel Hubraum sei robust. "Der Motor wird uns alle überleben." Die größte Investition, die in den vergangenen Jahren fällig gewesen sei, sei das Umlackieren der Riepro auf die aktuellen Farben der Stadtwerke Riesa gewesen.

Ein zweites Thema war eine mögliche Personalknappheit: Der derzeitige Fährmann ist Ende 50, da ist der Renteneintritt immerhin absehbar. Allerdings, so dessen Hinweis, lasse die Stadt Strehla für ihre eigene Fähre Busfahrer der Verkehrsgesellschaft VGM zu Fährleuten ausbilden. Die könne man, nach einer vorherigen Einweisung auf der Riepro, auch in Riesa fahren lassen.

Ein Defizit von 60.000 Euro

Auf SZ-Anfrage bestätigt die Stadtverwaltung, dass sich der Stadtrat mit der Fähre auseinandergesetzt habe - auf Wunsch des Fährbetreibers Esam. Dabei sei es auch um zu erwartende Investitionskosten und die Personalsituation gegangen, sagt Referentin Manuela Langer. 

"Im Ergebnis hat  der Stadtrat sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, die Fährverbindung nicht einzustellen", sagt die Rathaus-Mitarbeiterin. "Auch der Oberbürgermeister hatte sich dafür stark gemacht, diesen wichtigen Baustein für Riesa als Stadt an der Elbe zu erhalten und insbesondere dem Fährpersonal schnell entsprechende Planungssicherheit zu geben." Denn zwischenzeitlich hatte der Fährmann befürchtet, dass sein Arbeitsvertrag aufgehoben wird.

Mit hohen Investkosten und Personalknappheit habe die Stadtverwaltung allerdings nicht argumentiert, heißt es aus dem Rathaus. Tatsächlich hätten einzelne Stadträte aus den Fraktionen "Gemeinsam für Riesa" und "Linke" die Diskussion angeschoben, den Fährbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen einzustellen. Tatsächlich fährt die Riepro Jahr für Jahr rote Zahlen ein - das Schicksal dürfte sie allerdings mit allen anderen Elbfähren teilen. 

Laut Stadtverwaltung habe das Defizit zuletzt 60.000 Euro betragen. "Das Jahresergebnis ist sehr unterschiedlich, da es auf der Einnahmenseite stark von Witterung und Wasserstand abhängig ist  und zum anderen der Reparatur- und Instandhaltungsaufwand schwankt", sagt Manuela Langer.

Eine Fähre ist nun mal ein Zuschussgeschäft, sagt Landtagspolitiker Hütter. "Aber wenn die Stadt ihr Muskator-Konzept umsetzt, wird auf beiden Seiten der Elberadweg durchgängig sein. Dann wird die Fähre wieder spannend!" Außerdem ließen sich die Nutzerzahlen steigern, wenn der Fährmann auch mal Schülergruppen die Elbe hoch und runter transportiere.

Dieses Jahr sind bislang (mit Stand 20. August 2020) 11.523 Beförderungen verzeichnet worden. "Bislang sind das zu wenig", sagt Stadtrat Markus Mütsch (Gemeinsam für Riesa). "Eine Fähre macht nur Sinn, wenn auch jemand mitfährt." Er wünscht sich Angebote wie Hafenrundfahrten oder Ausflüge nach Meißen oder Strehla. "Für nur fünf Radler am Wochenende ist das Geld für die Fähre zu schade." Auch er wünscht sich, dass die Fähre nicht nur quer über den Fluss setzt, sondern auch mal längs unterwegs ist.

Betreiber der Fähre wechselt

Für Linken-Fraktionschefin Uta Knebel ist die Fähre eine Riesaer Tradition, der sich die Stadt stellen sollte. Momentan sieht es ganz so aus, als ob das für die nächsten Jahre gesichert sei: Der Fährmann hat kurzfristig einen neuen Arbeitsvertrag bekommen und ist künftig nicht mehr bei der Esam, sondern bei der Magnet angestellt, ebenfalls einer Tochtergesellschaft der Stadtwerke. Wie die Stadtverwaltung bestätigt, ende der Fähr-Betreibervertrag mit der Esam zum Jahresende 2020 - werde aber mit der Magnet zum Neujahrstag 2021 nahtlos fortgesetzt.

Die Fähre leiste schon viele Jahre gute Dienste, sei gut gewartet, aber aufgrund des Alters naturgemäß reparaturanfällig. "Diejenigen, die tagtäglich auf der Fähre arbeiten bzw. diese pflegen und instand halten, gehen davon aus, dass die Fähre weiterhin gute Dienste leisten kann", sagt Manuela Langer. Auch der letzte Werftbesuch und der Tüv-Bericht würden diese Einschätzung unterstreichen.

OB Müller sei in Gesprächen mit VGM und Landkreis, wie man die Fährstandorte im Landkreis für Einwohner und Touristen attraktiver machen könne. Man werde jedenfalls gemeinsam "ein starkes Augenmerk" auf die Ausbildung von Fährleuten legen.

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