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Riesas erster virtueller Bankschalter

In einer Videokabine sollen Volksbank-Kunden künftig ihre Geschäfte abwickeln können. Vorher ist noch etwas Überzeugungsarbeit nötig.

Rita Berndt (vorn) testet die neue Videokabine der Volksbank. Maxima Harsch (hinten) soll Unterstützung geben - und den Kunden vor allem die erste Scheu nehmen.
Rita Berndt (vorn) testet die neue Videokabine der Volksbank. Maxima Harsch (hinten) soll Unterstützung geben - und den Kunden vor allem die erste Scheu nehmen. © Foto: Lutz Weidler

Riesa. Für Rita Berndt ist es eine Premiere. Angeleitet von Maxima Harsch tritt die 73-Jährige in den Glaskasten im Erdgeschoss der Riesaer Volksbank und drückt den "Klingel-Knopf". Es dauert nur einen Augenblick, dann schaltet der Bildschirm um. Vor einem blauen Hintergrund ist Mitarbeiterin Cornelia Mai zu sehen - und fragt, wie sie der Seniorin behilflich sein kann.

Seit knapp drei Wochen steht die Videokabine im Schalterbereich der Volksbank Riesa. Es ist der nächste Schritt der Digitalisierung, die dort Einzug hält. "Momentan sind wir in der Region Riesa die einzige Bank, die das anbietet", sagt Vorstand Markus Ziron. Derzeit sei man in einer Art Testphase. Wer sein Bankgeschäft abwickeln will - eine Überweisung tätigen oder seine Adressdaten ändern, zum Beispiel - der wird derzeit von Maxima Harsch dabei unterstützt.

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Der Tresen hat bald ausgedient

"Das hat mir die Angst genommen", sagt Seniorin Rita Berndt über die persönliche Begleitung. Genau das sei auch das Ziel dieser Übergangsphase, sagt der Volksbank-Vorstand. Später sollen die Kunden die Box selbstständig nutzen können. Der Schalter nebenan hat ausgedient, dort soll dann ein gemütlicher Wartebereich eingerichtet werden. Der klassische Holztresen mit dem Mitarbeiter dahinter habe ausgedient, sagt Markus Ziron. "Das ist auch für uns ein mutiger Schritt. Wir werfen etwas über Bord, das 100 Jahre funktioniert hat." Aber er sei überzeugt: "Den digitalen Wandel werden wir nicht aufhalten können."

Der Kontakt per Video hat dabei noch Vorteile gegenüber Automaten. Notfalls kann die Volksbank-Mitarbeiterin Hilfe leisten. Die Kundenkarte kann auf einer Fläche abgelesen werden, auf der anderen Seite gibt es eine Ablage für weitere Dokumente. Eine hochauflösende Kamera sorgt dafür, dass die Daten auch ankommen. Und: Die Kunden sehen die vertrauten Gesichter, die sie aus früheren Tagen vom Schalter kennen. Es sei sozusagen eine Übergangslösung zum reinen Online-Banking, so Markus Ziron. Man wolle niemanden abhängen, der lieber in die Bank geht, statt alles am Rechner zu erledigen.

Bankmitarbeiterin Cornelia Mai sitzt ein paar Stockwerke weiter oben. Auf dem Bildschirm links laufen die "Anrufe" aus der Videokabine ein.
Bankmitarbeiterin Cornelia Mai sitzt ein paar Stockwerke weiter oben. Auf dem Bildschirm links laufen die "Anrufe" aus der Videokabine ein. © Foto: Lutz Weidler

Die Bankkaufleute sitzen übrigens im gleichen Haus, ein paar Stockwerke weiter oben. Sie kümmern sich nicht nur um die Videokabine, sondern beantworten auch Anfragen per Telefon, Whatsapp-Nachricht oder Video-Anruf. Sechs Plätze befinden sich im "digitalen Kundendialogcenter", zwei davon können mit der Videokabine interagieren. "Es werden immer mehr Kunden, die es annehmen", sagt Cornelia Mai. Sie hat viele Jahre in der Oschatzer Volksbank gearbeitet, nun sitzt sie in Riesa.

Öffnungszeiten verlängert

Das hat auch Kostengründe. Nach wie vor kämpfen die Banken mit Niedrigzinsen - und suchen nach Möglichkeiten, ihre Arbeit effizienter zu gestalten. In Riesa laufen nicht nur die Kundenanfragen aus der Stadt ein, sondern auch aus der zweiten Videokabine in Oschatz. Weil alles an einem Ort gebündelt ist, könne man auch die Servicezeiten wieder verlängern: Die Bank sei nun wieder wochentags von 8 bis 18 Uhr geöffnet. In der Coronakrise waren die Zeiten teils erheblich eingeschränkt gewesen. Die Pandemie habe noch einmal dafür gesorgt, dass deutlich schneller digitalisiert wurde, sagt der Vorstand. Die Nachfrage sei einfach so groß gewesen. Ziron glaubt: Der Trend wird sich fortsetzen. Viele Menschen erwarteten heute 24-Stunden-Service, auch nachts oder sonntags. Gerade sei man dabei, das für Wertpapiergeschäfte zu ermöglichen.

Die Kunden reagierten auf das Angebot der Videokabine größtenteils positiv. "Das ist ja lustig", sagt eine Frau mittleren Alters zu ihrem Begleiter, als sie aus der Kabine tritt. Auch Kundin Rita Berndt sagt, sie finde die neue Möglichkeit super. "Das ist doch Fortschritt!"

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