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Riesas größte Küche zieht um

Der Gastroservice Selle verlegt seinen Sitz. Und einen neuen Namen bekommt das Unternehmen auch.

Essen im Grünen: Das möchte Holger Selle seiner Kantinen-Kundschaft künftig an der Riesaer BA schmackhaft machen. Denn aus dem gewohnten Stahlwerks-Areal muss Gastro-Selle bis Ende August ausziehen.
Essen im Grünen: Das möchte Holger Selle seiner Kantinen-Kundschaft künftig an der Riesaer BA schmackhaft machen. Denn aus dem gewohnten Stahlwerks-Areal muss Gastro-Selle bis Ende August ausziehen. © Sebastian Schultz

Riesa. Jahrzehntelang haben Gastro-Selle und das Stahlwerk zusammengehört: Das Unternehmen, das Schulen, Unternehmen und Privatleute mit Essen beliefert, war aus der einstigen Stahlwerksküche entstanden. Doch nun stehen Veränderungen an: Feralpi hat den bisherigen Firmensitz mitten im Stahlwerksgelände gekauft, um sich erweitern zu können. Bis Ende August muss Riesas größte Küche umziehen.

"Unsere Imbissgäste würden wir dann gern in der Kantine der Berufsakademie wieder begrüßen", sagt Holger Selle. Die betreibt sein Unternehmen ohnehin schon - und da wäre auch Platz für zusätzliche Mittagsgäste. Das Areal ist Luftlinie keinen Kilometer entfernt. Und tatsächlich geht es dort ruhiger zu als neben der zentralen Einfahrt zum Feralpi-Werksgelände. Die Frage ist, ob die vielen Handwerker den Weg in ihrer Mittagspause auf sich nehmen - Holger Selle hofft es.

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Noch ist der Gastroservice Selle am Traditionsstandort am Riesaer Stahlwerk zu finden - aber nur noch bis Ende August.
Noch ist der Gastroservice Selle am Traditionsstandort am Riesaer Stahlwerk zu finden - aber nur noch bis Ende August. © Sebastian Schultz

Der Umzug jedenfalls ist beschlossene Sache. Auch die Küche selbst muss am Stahlwerk ausziehen. Hier befindet sich Holger Selle noch in Verhandlungen über den künftigen Standort. "Die Küche wird aber in der Region Riesa bleiben", sagt der Geschäftsführer. Darauf bestehe man: Schließlich kommen auch die meisten Kunden des Unternehmens aus Riesa.

Sie müssen sich jetzt allerdings an einen neuen Namen gewöhnen. Seit Anfang des Monates heißt der Gastroservice Selle nun Saxonia-Catering Elbland GmbH: Der Leipziger Falk Johne, Geschäftsführer der Saxonia-Catering GmbH & Co. KG, ist bei Selle als Gesellschafter mit eingestiegen. "Wir haben jetzt beide 50 Prozent der Anteile, ich bleibe Geschäftsführer", sagt Holger Selle. Corona und die Auswirkungen - vor allem Schulschließungen und Kurzarbeit - hätten die ganze Branche unter Druck gesetzt. Da sei es ein Glücksgriff, mit dem Leipziger Unternehmen einen Partner gefunden zu haben.

Bei einem Punkt ist der nämlich schon ein ganzes Stück weiter als die Riesaer: der Digitalisierung. Während Riesaer Schüler bislang noch mit Essensmarken hantierten, nutzen Schüler in Leipzig schon einen Chip, um ihr Schulessen zu bezahlen. Eine reine Formalie, könnte man meinen. Tatsächlich steckt mehr dahinter. "Bislang war es ein ziemlicher Aufwand für die Eltern, ihr Kind morgens telefonisch vom Essen abzumelden", sagt Holger Selle. Bei Krankheitsfällen etwa, bei Klassenfahrten - oder auch bei Schulschließungen wie jetzt in der Corona-Zeit. Da gingen bei Selle pro Schultag schon mal 50, 100 oder 200 Anrufe von Eltern ein - lange Wartezeiten am Telefon und Frust inklusive.

Das soll mit dem Einstieg des Leipziger Unternehmens der Vergangenheit angehören. Die Eltern wurden schon darüber informiert, dass sie Essensbestellungen und Abbestellungen jetzt über ein Online-Formular erledigen können. Das gilt auch für Firmenkunden oder Senioren, die Essen auf Rädern beziehen. "Für die bleibt es aber auch möglich, telefonisch zu bestellen", sagt Selle. Schließlich sei nicht jeder Senior fit mit dem Internet. Allerdings wundert es ihn, dass auch einzelne Eltern partout nicht mit dem neuen System arbeiten wollen - das sei doch heute Standard. "Und es ist einfacher und komfortabler." Der Speiseplan für August wird bald online eingestellt. Und bis zum neuen Schuljahr will das Unternehmen die Schulen dann auch mit Tablets ausstatten, die den Essens-Chip der Schüler auslesen können. "Das ist ein großer Schritt nach vorn."

Zumal dann auch eine einfache Rückmeldung an die Eltern möglich ist, sollte es mal wieder Schulschließungen geben. Da habe es in der Coronazeit große Probleme gegeben: Wenn eine Schule kurzfristig schließen musste, hätten Eltern nicht gleich als Allererstes daran gedacht, ihr Kind vom Essen abzumelden.

An den Essenspreisen ändere sich durch die Umfirmierung nichts. Die Zahl der verfügbaren Gerichte ist infolge der Corona-Schließungen noch eingeschränkt, soll aber mit dem neuen Schuljahr wieder auf die gewohnten drei Essen ausgebaut werden. Der Essenspreis werde sich aber wohl nächstes Jahr wieder nach oben entwickeln. "Im Januar und im Juli 2022 stehen wieder Erhöhungen des Mindestlohns an. Das werden wir einpreisen müssen", sagt Selle. Die jüngste Erhöhung jetzt in diesem Monat habe man noch so abfangen können.

Und wie wirkt sich der Einstieg des neuen Gesellschafters auf die Mitarbeiterzahl aus? "Wir haben uns von unserer hauseigenen Fleischerei getrennt", sagt Holger Selle. Das habe einzelne Kündigungen bedeutet - Massenentlassungen aber habe man vermeiden können. Zumal sich der eine oder andere Mitarbeiter infolge der ständigen Lockdowns und Kurzarbeit-Phasen ohnehin aus der Gastro-Branche verabschieden wollte. Rund 75 Mitarbeiter zähle das Unternehmen künftig.

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Auch wenn noch nicht völlig feststeht, wo die Küche einzieht, habe man für den Firmensitz des Unternehmens schon eine Entscheidung getroffen: Der kommt in die Innenstadt, an die Friedrich-Engels-Straße 19. Riesaer kennen das Haus als Sitz von "Antje's Partyservice". Den hatte Selle bereits früher aufgekauft - und wird das Gebäude nun als Zentrale des Unternehmens nutzen. "Wir wollen vor Ort ansprechbar bleiben", sagt der Riesaer. Und eine Kantine für Frühstück und Mittagessen soll es dort auch geben - nicht nur an der BA im Stadtteil Gröba.

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