merken
PLUS Riesa

"Die Stadt muss aus dem Knick kommen"

Ideen fürs Rittergut in Riesa-Gröba gibt es längst. Die Macher würden gern loslegen. Doch eine politische Entscheidung steht noch aus.

Jens-Torsten Jacob ist Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Meißen. Für die Gebäude an der Rittergutstraße suchen Handwerk und Kreative gemeinsam Lösungen. Aber die Stadt agiert ihnen zu träge.
Jens-Torsten Jacob ist Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Meißen. Für die Gebäude an der Rittergutstraße suchen Handwerk und Kreative gemeinsam Lösungen. Aber die Stadt agiert ihnen zu träge. © Sebastian Schultz

Riesa. Die Zeit der leisen Töne ist vorbei, mittlerweile findet Jens-Torsten Jacob deutliche Worte, wenn es um die Zukunft des Rittergut-Komplexes in Riesa-Gröba geht. "Die Stadt muss jetzt aus dem Knick kommen", sagt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Anfang Juni.

Einige Tage zuvor hatten Handwerker, Studienakademie und Kreativwirtschaft in die Offene Werkstatt an der Langen Straße eingeladen. Der "Kreativdialog" hatte vor allem ein Ziel: noch einmal für das Vorhaben an der Rittergutstraße werben. Claudia Muntschick vom Kreativen Sachsen stellte dar, welche Förderprogramme sich für den Start anzapfen ließen. Der gebürtige Meißner Martin Fiedler erklärte anschließend, wie er gemeinsam mit weiteren Mitstreitern eine Industriebrache in Dresden nutzbar machte: Im Kraftwerk Mitte sitzen heute Landschaftsarchitekten, Designer und Entwickler zusammen, neben den Coworking-Räumen gibt es auch eine Kneipe. Fiedler machte deutlich: Das sind keine Traumtänzer, die auf staatliche Hilfe aus sind. Mittlerweile trage sich das Konzept.

Anzeige
Die Sachsen-Edition von Mühle Glashütte
Die Sachsen-Edition von Mühle Glashütte

Ab sofort gibt es den sportlich-eleganten Teutonia II Chronographen exklusiv bei DDV Lokal zu erwerben. Die Edition ist auf nur 100 Stück limitiert.

Wer bei vorherigen Treffen zwischen den Beteiligten dabei gewesen ist, der wird nicht allzu viel Neues gehört haben. Ideen für das Haus werden seit mehr als einem Jahr gesammelt. Doch ihm sei es wichtig gewesen, dass auch Entscheider aus der Stadt dabei waren, macht Jens-Torsten Jacob deutlich.

So war nahezu der gesamte Aufsichtsrat der Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR) anwesend. Der städtische Großvermieter müsste die Immobilie an die Stadt abtreten, damit bestimmte Fördertöpfe für das Projekt zugänglich werden. Das Gros der Aufsichtsräte zeigt sich erfreut, dass sich auf der Brache überhaupt etwas tut - wenngleich bei manchem auch der Vorbehalt mitschwingt: Kann etwas in Riesa funktionieren, nur weil es in Dresden klappt? Martin Fiedler hatte auf die Frage entgegnet, natürlich lasse sich ein Konzept nie eins zu eins auf einen anderen Standort stülpen. Trotzdem zeigte er sich zuversichtlich. Vor allem die steigenden Mieten in den Großstädten könnten ein Vorteil für Riesa sein, außerdem die Nähe zur BA.

Jens-Torsten Jacob macht indes klar, was er sich von der Stadt wünscht: Ein klares Bekenntnis - und, dass die nötigen Vorarbeiten gemacht werden. "Wir hätten dann die Möglichkeit, Mieter anzuwerben, mit denen wir planen können."

So schnell, wie es sich der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft wünscht, wird es aber wohl nicht gehen. "Eine mögliche Übertragung des Grundstückes an die Stadt müsste natürlich in jedem Fall vom Stadtrat beschlossen werden", heißt es aus dem Rathaus. "Nach der kommenden Zukunftswerkstatt, die für Mitte Juli geplant ist, wird die Verwaltung eine Berichterstattung an den Stadtrat vorbereiten, die dann in der Sitzung nach der Sommerpause erfolgen soll. Darin wird dann natürlich auch das Thema Fördermittel und eine eventuelle Grundstücksübertragung eine wichtige Rolle spielen." Eine Entscheidung fiele damit erst Mitte September - frühestens.

Ausgebremst durch Entscheidungsträger?

Besonders glücklich sind die Macher mit dem Tempo nicht. Kreishandwerksmeister Peter Liebe sprach in einem Interview auf Riesa-TV kürzlich davon, man sei schon länger an dem Thema dran, bei dem Kreative, Handwerk und Studienakademie mitwirken. Bisher aber, so Liebe, sei man ausgebremst worden. Und das nicht nur durch Corona, sondern "auch durch Entscheidungsträger".

Weiterführende Artikel

Pläne fürs Rittergut schreiten voran

Pläne fürs Rittergut schreiten voran

In eins der Häuser in Riesa-Gröba sollen junge Denkmalschützer ziehen. Zuvor muss das Grundstück noch den Eigentümer wechseln.

Kreative in die Mitte

Kreative in die Mitte

Künstler und Gründer ziehen 2017 ins neue Kulturkraftwerk. Die Häuser werden nur renoviert.

Zumindest in einem Punkt gibt es offenbar Entwarnung: Die Einordnung des Areals als Gewerbegebiet widerspricht laut Stadtsprecher Uwe Päsler den bisher besprochenen Nutzungsarten nicht. Kreativräume, gemeinsam genutzte Arbeitsräume, Bibliotheksnutzung, das alles sei möglich. Sobald es in der Hinsicht konkreter wird, wolle die Verwaltung nochmals "intensiv prüfen, was unter welchen Voraussetzungen konkret machbar ist und ob dafür eventuell auch Änderungen im Flächennutzungsplan notwendig und umsetzbar sind. Wir werden dazu auch einen externen Planer einbeziehen".

Mehr zum Thema Riesa