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Schneeschippen auf eigene Gefahr

An der 3. Grundschule behindern Schneereste die Elterntaxis. Eine Mutter bietet an, selbst aktiv zu werden - und bekommt eine Absage von der Stadt.

Vor der 3. Grundschule sorgten Anfang der Woche die Schneereste am Straßenrand für Ärger.
Vor der 3. Grundschule sorgten Anfang der Woche die Schneereste am Straßenrand für Ärger. © Klaus Dieter Bruehl

Riesa. Ines Siegel versteht die Welt nicht mehr, sagt sie. Wie manch anderer Riesaer auch, ärgert sie sich über die Schneereste, die sich derzeit im Stadtgebiet entlang der Straße türmen. An der 3. Grundschule in Weida behindere der Schnee derzeit die Elterntaxis, es fehle schlicht der Platz, um zu parken und das Kind in der Schule abzugeben.

Was sie aber so ratlos macht, seien die Antworten, die sie von der Stadtverwaltung bekommen hatte, sagt Siegel. "Ich rief im Rathaus an und fragte, ob denn die Stadt die Parkplätze nicht frei räumen kann." Die Kapazitäten dafür allerdings hatte die städtische AGV zuletzt nicht, heißt es aus der Stadtverwaltung. Daraufhin bot Ines Siegel an, gemeinsam mit einigen Eltern selbst zum Schneeschieber zu greifen - und mehr oder minder eine Absage erhalten. "Offenbar waren der Stadt da Versicherungsfragen wichtiger als ordentliches Parken. Lieber kann ich mit meinem Kind auf die Gusche fliegen", sagt sie.

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Stadt sorgt sich um Schäden beim Schieben

Stadtsprecher Uwe Päsler relativiert die Aussagen der Mutter auf Nachfrage. Beim Anruf habe die Bürgerin gefordert, "dass sie es selber machen will, aber die Stadt sie gleichzeitig pauschal von allen Schäden entlastet, die beim Schneeräumen gegebenenfalls entstehen". Einen solchen "Persilschein" könne die Stadt nicht ausstellen. Päsler bekräftigt aber, das Angebot der Eltern sei eigentlich gutzuheißen. "Es ist keinesfalls unsere Absicht, private Initiative zu unterbinden, im Gegenteil, die Idee an sich ist sehr gut und kann durchaus hilfreich sein. Aber die Stadt kann eben keine Pauschalhaftung übernehmen, falls doch mal was passiert."

Päsler verweist auf die Winterdienst-Satzung, die das einfach nicht hergebe. "Sie verpflichtet bekanntlich die Grundstückseigentümer zum Schneeräumen, aber sie müssen eventuell verursachte Schäden selbst verantworten." Welche das sein könnten, sagt er auf Nachfrage. "Gegebenenfalls trifft man ein daneben stehendes Auto. Es gibt auch Enthusiasten, die wild auf dem Fußweg rumpickern, um das letzte Krümchen wegzukriegen, und den Beton beschädigen. Letzteres wäre hier jetzt sicher unwahrscheinlich, aber es ist wie bei jeder Haftpflicht – 999-mal passiert nichts, aber der tausendste Fall ..."

Ines Siegel hat für diese Begründungen aus der Stadt wenig Verständnis. Sie finde es schade, wenn Engagement so ausgebremst wird. Immerhin: Am Ende hat der Anruf der Mutter wohl doch noch etwas bewirkt. „Wir werden von uns aus noch mal mit der Schule reden, was eigentlich im Detail geschehen ist und ob da noch Klärungsbedarf besteht“, so der Stadtsprecher am Nachmittag. Ein paar Stunden später ergänzt er: „Der OB hat mit der AGV gesprochen. Sie wird morgen früh dort noch mal aktiv werden.“

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