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"Die Kinder wollen in die Schule!"

Die Abschlussklassen dürfen wieder in die Schule. Höchste Zeit, sagt Silke Zscheile vom Städtischen Gymnasium.

Schulleiterin Silke Zscheile in ihrem Büro im Städtischen Gymnasium (Archivfoto).
Schulleiterin Silke Zscheile in ihrem Büro im Städtischen Gymnasium (Archivfoto). © Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Ein kleines Stück Alltag ist wieder eingekehrt am Städtischen Gymnasium in Riesa: Seit wenigen Tagen sind zumindest die Schüler der 11. und 12. Klassen wieder in der Schule und haben Unterricht - jedenfalls in einigen Fächern. Im Interview spricht Schulleiterin Silke Zscheile über Corona-Tests, die Abi-Vorbereitungen und über Kinder, die die Schule vermissen.

Frau Zscheile, für das Städtische Gymnasium begann der Schul-Neustart am Montag mit freiwilligen Corona-Tests. Welches Fazit ziehen Sie? Sind alle Schüler gesund?

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Alle sind gesund. Ich muss sagen, ich war vorher skeptisch. Wäre ein Lehrer positiv getestet worden, hätte es den Stundenplan durcheinander gebracht, bei Schülern wären sicher wieder einige im Umkreis betroffen gewesen. So ist es optimal, aber: Es ist eben nur eine Momentaufnahme.

Wie viele Schüler der 11. und 12. Klasse haben sich denn am Städtischen Gymnasium testen lassen?

53, von insgesamt gut 130. Das DRK war aus der Erfahrung heraus von einem Drittel ausgegangen. Es gab aber auch Schulen, von denen deutlich weniger kamen.

Insgesamt ist ihre Schule bisher ganz gut durch die Pandemie gekommen, oder?

Ja, sowohl bei Schülern als auch bei Lehrern. Wir mussten uns anpassen, aber es hat funktioniert. Was nicht funktioniert hat - aber das liegt nicht in unserer Hand - ist das Arbeiten mit LernSax. Das hat uns schon im Frühjahr teilweise im Stich gelassen - und jetzt erneut. Man stelle sich vor: Wir geben die Aufgaben, die Eltern und Schüler wollen sie herunterladen, und es geht stundenlang nichts. Das schafft Unmut ohne Ende.

Zumindest für die Abschlussklassen ist damit seit Dienstag Schluss. Der Präsenzunterricht läuft wieder, zumindest für die 11. und 12. Klassen. Mit welchem Gefühl haben Sie auf die Nachricht reagiert? Überwogen da eher Sorge oder Erleichterung?

Also, Sorge nicht. Erleichterung, klar. Und Optimismus, dass es so bleibt. Die Kinder müssen in die Schule! Ohne Präsenzunterricht geht es nicht. Und das Verrückte ist: Die Kinder wollen in die Schule! Da gibt es auch eine Episode: Wir haben eine fünfte Klasse, die Schüler mussten wegen eines Corona-Falls alle in Quarantäne. Sie waren nachher froh, dass sie wieder da waren. Nach vier Tagen hatten sie wieder einen Fall. Ich musste in diese Klasse und ihr mitteilen, dass die Schüler wieder in Quarantäne müssen. In dieser Klasse hat keiner Juhu geschrien. Die Kinder waren unglücklich: "Jetzt sehe ich wieder meine Freunde nicht. Jetzt muss ich wieder in meinem Zimmer bleiben. Jetzt sitz ich wieder an dem blöden PC." Die Kinder wollen in die Schule, das ist das Positive an der Zeit.

Das Abitur ist nicht mehr allzu fern. Wie wirkt sich denn die Zwangspause auf die Prüfungsvorbereitung aus?

Uns läuft die Zeit davon. Wir haben die ursprüngliche Planung über Bord geworfen. Wenn alles normal gelaufen wäre, hätten wir vor den Februarferien das Vorabitur geschrieben, hätten 14 Tage Ferien gehabt und es wäre dann weitergegangen. Der neue Plan sieht so aus, dass wir zwei Wochen Unterricht haben. Dann gibt es eine Woche Ferien. In dieser bieten wir Konsultationen für die Zwölfer an. Das nehmen sie gern an. Und nach den Ferien schreiben wir die Vorprüfungen. Selbst das ist schon gewaltig. Aber die Elfer und Zwölfer strukturieren sich gut, die schaffen das.

Wie wird denn dieser Extra-Unterricht angenommen?

Ich biete selbst Konsultationen an. Auf die Frage, wer das Angebot annehmen möchte, gingen alle Hände hoch. Die Schüler wollen unterrichtet werden. Sie haben Bedenken bezüglich der Abiturinhalte und nutzen alle Möglichkeiten, sich gut vorzubereiten.

Eins der beiden Schulgebäude des Städtischen Gymnasiums.
Eins der beiden Schulgebäude des Städtischen Gymnasiums. © Sebastian Schultz

Bei den 11. und 12. Klassen ist sicher auch der Druck hoch.

Dort brennt es. Deswegen sagen wir auch: Die Elfer und Zwölfer müssen wir aufs Abitur vorbereiten. Sie kommen auch nur in den Prüfungsfächern: Die Elfer in ihren beiden Leistungskursen plus Mathe oder Deutsch, die Zwölfer lernen zusätzlich noch in den beiden mündlichen Prüfungsfächern. Die anderen Fächer bleiben in Lernzeit zu Hause. Wenn wir sonst in die Abiturphase gegangen sind, haben wir bis zu den schriftlichen Prüfungen aktiv in der Schule arbeiten können. Dann fanden die schriftlichen Prüfungen statt, die Schüler sind aber nicht mehr in die Schule gekommen. Anschließend folgten die mündlichen Prüfungen, und dann war für die meisten Schüler die Schulzeit beendet. Jetzt ist es so, dass sie nach den mündlichen Prüfungen wieder in die Schule kommen müssen. Sie werden dann in den Fächern unterrichtet, in denen sie keine Prüfungen hatten. Das hat es so noch nie gegeben! Dadurch kommt es zu der Situation, dass die Abiturienten nach dem 17. Juli noch zusätzliche mündliche Prüfungen haben. An diesem Tag sollte ursprünglich unser Abiturball stattfinden. Aufgrund dieser neuen Terminkette bleiben damit nur der 23. und 24. Juli für die Übergabe der Reifezeugnisse.

Ein langes Schuljahr also.

Wie gesagt, so hat es das noch nie gegeben. Wir haben schon 2020 einen Abiball unter besonderen Umständen organisiert. Unsere Abiturienten haben in der Stadthalle Stern in feierlichem Ambiente ihre Reifezeugnisse erhalten. Leider konnten die ursprünglich im Anschluss geplanten Feierlichkeiten nicht stattfinden. Jetzt stehen wir wieder vor dem Problem. Der Abiball ist nun einmal der Höhepunkt für jede Abschlussklasse.

Corona und die Folgen beschäftigen die Schulen nun schon fast ein Jahr. Kann man das denn einfach so ausbügeln mit einer zusätzlichen Vorbereitungswoche in den Ferien?

Das fängt man nicht einfach so auf. Man versucht zu glätten, mehr ist das nicht. Es gibt auch Lehrer, die Zusatzangebote anbieten, die gibt es immer. Zentral wurden bereits bestimmte Themengebiete aus den Prüfungen herausgenommen, die Schüler erhalten mehr Arbeitszeit. Also: Unsere Lehrer versuchen, den Stoff optimal zu vermitteln. Aber der Umgang mit unseren Schülern ist unter diesen aktuellen Umständen einfach ein anderer.

Herrscht denn auch bei den Lehrern diese Vorfreude? Auch am Montag hat ja mancher auf die noch recht hohen Inzidenzen verwiesen. Und die Gewerkschaft GEW hatte sich sehr kritisch zur Schulöffnung geäußert.

Bedenken gab es auch. Nicht bei allen, aber hier muss man natürlich auch den Lehrer sehen, der älter ist oder gesundheitliche Probleme hat. Der macht sich Sorgen, das muss man akzeptieren.

Gibt es denn eigentlich die eine oder andere Stellschraube, an der noch gedreht werden kann, um die Situation für die Schulen etwas erträglicher zu gestalten?

Die technische Ausstattung sowohl der Schule als auch der Schüler ist das eine Problem. Als Schulleiterin würde ich mir außerdem wünschen, dass die Informationen zu neuen Regelungen mit mehr Vorlauf kommen und eindeutiger formuliert sind. Aber im Kultusministerium arbeiten auch nur Menschen - und die sind nicht nur für die Gymnasien, sondern für alle Schularten zuständig.

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