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So läuft's auf Riesas zweitem Wochenmarkt

Seit einem Jahr gibt es die Marktschwärmerei in Gröba, einmalig im Landkreis. Aber wie funktioniert das überhaupt?

Das erste Jahr erfolgreich überstanden: Claudia Pigors und Ronny Krause haben in Riesa-Gröba eine Marktschwärmerei gestartet. Bei dem regionalen Lebensmittel-Markt machen schon 500 Leute mit.
Das erste Jahr erfolgreich überstanden: Claudia Pigors und Ronny Krause haben in Riesa-Gröba eine Marktschwärmerei gestartet. Bei dem regionalen Lebensmittel-Markt machen schon 500 Leute mit. © Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Regionale Erzeuger, kurze Wege, ein wöchentlicher Termin - das steht bei der Riesaer Marktschwärmerei im Mittelpunkt. Über das erste Jahr sprach sächsische.de mit Organisatorin Claudia Pigors.

Frau Pigors, das Wort "Marktschwärmerei" erklärt sich nicht selbst. Können Sie uns in drei Sätzen verraten, wie das funktioniert?

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Ich versuch's! Auf der Onlineplattform marktschwaermer.de können kleine Landwirte oder Gärtner ein Erzeugerkonto anlegen und ihre Produkte einstellen. In den einzelnen Schwärmereien wie in Riesa schließen sich die Erzeuger und die Schwärmer - also Kunden - zusammen. Nach Anmeldung bestellen die Kunden die verfügbaren Produkte online, bezahlen online und holen sie immer donnerstags 17 Uhr im Stadtteilhaus Gröba bei den Erzeugern ab.

Ist Riesa damit einzigartig im Landkreis Meißen?

Bis jetzt ja! Die nächsten Schwärmereien gibt es in Dresden und in Leipzig. Es wäre schön, wenn sich noch mehr finden würden. Schließlich ist das auch eine gute Möglichkeit für Landwirte, in der Region Kunden zu finden.

Vor einem Jahr ging es mit dem Projekt in Riesa los. Läuft's gut?

Ja! Es hat sich gut entwickelt. 500 Schwärmer sind mittlerweile registriert. Aber weil nicht jeder jede Woche was kauft, haben wir aktuell um die 50 Bestellungen pro Woche. Die Herausforderung besteht darin, immer genug Erzeuger zu finden.

Warum?

Unser Ziel wäre, dass man seinen kompletten Lebensmittel-Wocheneinkauf bei uns erledigen kann - von Butter, Käse, Quark über Eier bis zu Wurst und Fleisch. Aber: So sehr viele kleine Landwirte gibt es gar nicht bei uns in der Region. Der Umsatz muss sich für die auch lohnen, dass sie dafür vielleicht 30 Kilometer Fahrweg auf sich nehmen. Wer den ganzen Tag seine Tiere versorgt und jetzt auch noch Heu machen muss, für den ist es eine Herausforderung, sich abends umzuziehen und dann noch für anderthalb Stunden nach Gröba zu fahren.

Was für Erzeuger trifft man beim wöchentlichen Termin im Stadtteilhaus?

Da gibt es etwa einen Imker aus Nünchritz, das Früchte Stüb'l aus Staucha, einen Rinderhalter aus Graditz, das Biohofgut Klappendorf, das Pfarrgut aus Taubenheim. Wichtig ist uns, dass es originale Lebensmittel von hier sind - die hier gesät, gewachsen oder erzeugt wurden.

Rechnet sich das Konzept auch für den Veranstalter?

Es funktioniert, weil wir Gastgeber das in unserer Freizeit machen. Die Marktschwärmerei erhält acht Prozent vom Nettoumsatz. Davon haben wir unlängst ein Zelt für die Erweiterung der Verkaufsfläche finanziert. Außerdem machen wir mit dem Geld Werbung oder finanzieren mal eine Überraschung für die Erzeuger. Am Donnerstag planen wir übrigens ein kleines Fest zum einjährigen Bestehen, zu dem Interessenten auch ohne Anmeldung kommen können.

Wie kann ich mir das vorstellen?

Es wird wegen Corona wirklich nur was ganz Kleines. Geplant ist eine Produktverkostung, was zuletzt nicht möglich war. Es werden Würste auf den Grill kommen und ein paar Kleinigkeiten vorbereitet.

Eine Frage drängt sich auf: Warum gibt es bei Ihnen eigentlich keine Riesanudeln?

Wir haben mit der Pestorado-Nudelmanufaktur aus Weinböhla einen kleinen Erzeuger dabei, der von Hand hergestellte Nudeln anbietet. Eier mit der Hand aufschlagen und die Nudeln durch eine von Hand bediente Presse drücken - so was geht natürlich bei den Teigwaren nicht, da werden ganz andere Größenordnungen hergestellt. Aber ich könnte mir schon sehr gut vorstellen, dass wir als Riesaer mal eine gemeinsame Aktion machen.

Auffällig ist, dass es im Raum Radebeul/Weinböhla eine ganze Menge Lebensmittel-Manufakturen gibt ...

Ja, dort gibt es mehr Leute, die bereit sind, etwas mehr Geld für frische Lebensmittel auszugeben – so dass sich dort auch eigene Läden für lokale Produkte lohnen. Das würde in Riesa so wohl nicht funktionieren. Aber dafür haben wir ja die Marktschwärmerei. Übrigens suchen wir noch Unterstützer - zum Beispiel Studenten, die einen Nebenjob brauchen. Die können sich gern bei uns melden.

Marktschwärmerei Riesa, marktschwaermer.de, Abholung immer donnerstags, 17-18.30 Uhr im Stadtteilhaus Gröba. Kontakt: [email protected]

Das sagen drei Erzeuger zum Riesaer Markt

Ulrike Wick kommt mit Kräutern nach Riesa.
Ulrike Wick kommt mit Kräutern nach Riesa. © Foto: Lutz Weidler

Ulrike Wick (57), Adams Gärtnerei in Dresden-Moschatz

"Unsere Gärtnerei nimmt seit März an dem hiesigen Wochenmarkt teil. Mein Chef hat in Dresden davon erfahren. Und da ich in Seerhausen wohne, ist es für mich kein großer Umweg, hierher zu kommen. Wir sind eine reine Kräutergärtnerei mit nur zwei Angestellten, meinem Chef und mir. Wir bieten zurzeit über 200 verschiedene Kräuter an. Es gibt bei uns alles vom Ananas-Salbei bis zur Zitronenverbene. Es wird von den Riesaern sehr gut angenommen. Eine Kräutergärtnerei hebt sich schon etwas ab von herkömmlichen Gärtnereien, die alles für Beet und Balkon anbieten. Und wir haben eben ausschließlich Kräuter und essbare Blüten. Ich bin gern Gärtnerin und arbeite seit 22 Jahren in Dresden. Das ist eine sehr abwechslungsreiche Arbeit, auch was die Pflege betrifft. Denn die eine Kräuterpflanze braucht viel Wasser, die andere nicht. Wir sind meistens auf den Märkten in und um Dresden zu finden. Aber natürlich nutzen wir auch die Gelegenheiten, weiträumiger im Umland präsent zu sein."

Bodo Schmidt hat Spezialitäten vom Rind im Gepäck.
Bodo Schmidt hat Spezialitäten vom Rind im Gepäck. © Foto: Lutz Weidler

Bodo Schmidt (66), Landgut Neue Elbe in Pülswerda

"Wir sind seit Anfang des Jahres jede Woche mit von der Partie. Ich komme gern nach Riesa. Es ist eine schöne Atmosphäre hier. Vor allem die Kundschaft ist sehr nett. Unser Landgut Neue Elbe bietet Wurst und Fleisch vom Hereford-Rind an. Das ist ein englische Züchtung, die sich mein Chef Matthias Schneider vor vier Jahren angeschafft hat. Bis dahin war er IT-Fachmann. Aber mit 50 hat er sich besonnen, dass er mal Landwirt gelernt hat - und gründete das Landgut. Dessen 60 Rinder weiden auf den Elbwiesen bei Torgau. Dort haben sie wenig Stress. Das merkt man bis in die Pfanne bzw. zu den Zähnen. Ich weiß wovon ich rede, denn ich war früher selbst Landwirt. Je weniger Stress die Tiere haben, umso besser ist die Qualität des Fleisches. Das wird auch von den Riesaern sehr gut angenommen. Mit steigender Tendenz. Es ist ja klar, man muss hier erst noch bekannt werden. In der Region Torgau und in Leipzig sind wir es schon."

Josephine Moog hat beispielsweise frische Kartoffeln dabei - und bald auch noch Öl dazu.
Josephine Moog hat beispielsweise frische Kartoffeln dabei - und bald auch noch Öl dazu. © Foto: Lutz Weidler

Josephine Moog (25), Biohofhut in Klappendorf

"Unser Landgut ist seit einem dreiviertel Jahr hier mit dabei. Wir bieten neben Vollkorn- und Weizenmehl u. a. auch verschiedene Kartoffelsorten an. Auch rote, blaue und lila sind dabei. Sie sind schon etwas Besonderes. Kartoffel ist nicht gleich Kartoffel. Das merkt man schon, wenn man die verschiedenen Sorten kocht und nacheinander probiert. Die roten schmecken zum Beispiel sehr butterig. Wir haben auch schon mal überlegt, hier eine kleine Verkostung zu machen. Jetzt, nachdem sich Corona etwas beruhigt hat, sollte das möglich sein. Ich selbst habe keine Lieblingskartoffel. Denn es kommt immer darauf an, was man zubereiten will. Wenn ich Bratkartoffeln mache, bevorzuge ich feste Kartoffeln. Für Kartoffelbrei können es auch sehr gern die mehligen Sorten sein. Die lila Kartoffeln bieten sich zum Kartoffelsalat an, aber ich habe sie auch schon für Brei benutzt. Wir wollen in Zukunft auch unser Sortiment beim hiesigen Wochenmarkt erweitern und die heimischen Speiseöle der Ölmühle Moog anbieten."

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