merken
PLUS Riesa

Verspäteter Start in den Sommer

Das Nixenbad in Strehla hat endlich wieder geöffnet. Und die Wasserratten strömen ins kühle Nass.

Familie Rokitt aus Ottendorf fühlt sich im Strehlaer Bad sehr wohl.
Familie Rokitt aus Ottendorf fühlt sich im Strehlaer Bad sehr wohl. © Lutz Weidler

Strehla. Kaum geöffnet und schon knallvoll. Bei den hochsommerlichen Temperaturen von weit über 30 Grad war auch das Strehlaer Nixenbad am Wochenende sehr gut besucht. Am Sonnabend fanden die Gäste schon kurz nach zwölf Uhr kaum noch einen Parkplatz und im Bad selbst hallte das Freudengeschrei der Kinder aus jeder Ecke. Endlich wieder baden gehen, die große Rutsche herunter sausen oder ein paar Bahnen im 25-Meter-Becken schwimmen. Von den angesagten Hitzegewittern war bis zum späten Nachmittag nichts zu sehen.

Technische Universität Dresden
TU Dresden News
TU Dresden News

Was passiert an der Exzellenzuniversität TU Dresden? Aktuelle News und Informationen finden Sie in unserer Unternehmenswelt.

Dafür floss der Schweiß bei den Bad-Mitarbeitern in Strömen. Denn Schattenplätze gibt es für die Aufsicht am Beckenrand nicht. Stattdessen ist der beste Platz, um das Badgeschehen und die Besucher im Blick zu behalten, ausgerechnet die lange Metallbrücke, die zwischen Nichtschwimmer- und Schwimmerbecken steht. Sonne von oben, Fußbodenheizung von unten – da lief am Wochenende der Schweiß in Strömen bei Sandra Dorn, der Fachangestellten für Bäderbetriebe, und den beiden Rettungsschwimmerinnen, die am Sonnabendnachmittag zur Unterstützung anrückten.

Der 24-jährige Jakob Hesse, ebenfalls Fachangestellter für Bäderbetriebe und seit drei Jahren Chef im Nixenbad, hatte am Sonnabend mal frei. Genug zu tun also für Sandra Dorn und ihre Helfer, um die Badegäste gut zu betreuen. „Am Freitag hatten wir rund 300 Gäste, aber heute werden es wohl mehr sein“, sagt die 44-jährige Dorn, die stets Becken und Rutsche im Blick haben muss. Am Wochenende hatte das Wasser angenehme 23 Grad und verschaffte den hitzegeplagten Gästen die erhoffte Abkühlung. Die Besucher-Obergrenze liegt aktuell übrigens bei 500 gleichzeitig, aber dann ist es schon sehr sehr voll.

Eigentlich sollte das Nixenbad schon am 1. Juni seine Pforten für Besucher öffnen, doch technische Probleme machten Strehla einen Strich durch die Rechnung. „Wir konnten leider erst am 16. Juni aufmachen“, berichtet Sandra Dorn. Doch lieber etwas später als gar nicht und genau passend zur aktuellen Tropenhitze. Im 25-Meter-Becken sind mit Plastikleinen zwei Bahnen für „richtige“ Schwimmer abgetrennt. Daneben kann auch gerne getobt oder der Sprung vom Startblock geübt werden.

Auf dem Weg Richtung Campingplatz, der ein paar Meter unterhalb der Schwimmbecken liegt, toben die Kinder auch auf dem Spielplatz mit Schaukeln, Klettergerüst und Rutsche, bevor es wieder ins Wasser geht. Am Rand des großen Geländes haben Camper mit Wohnwagen und Wohnmobilen Aufstellung genommen. Einige für immer – sie sind Dauercamper, die Kennzeichen am Gefährt sind ab.

„Wir haben uns den Wohnwagen extra dafür gekauft vor ein paar Jahren“, erzählt ein Pärchen aus Riesa, das jedes Wochenende ins Strehlaer Bad kommt und dort auch den Jahresurlaub 2021 verbringen möchte. „Ein total idyllisches Plätzchen ist das hier“, sagt die Frau, die zu bekannt ist, um ihren Namen auch noch in der SZ lesen zu wollen. Ihr Partner zeigt auf einem kleinen Rundgang, was die Camper in Strehla so alles nutzen können. Einen eigenen Gebäudetrakt mit sauberen Duschen, Toiletten – und sogar eine kleine Küche gibt es für diejenigen, die nicht im Zelt oder ihrem Wohnwagen kochen wollen. Am letzten Wochenende war allerdings eher der eigene Grill im Schatten unter den Bäumen gefragt.

Aschenbecher für die Liegewiese

Viel Freude im Nixenbad bei sommerlichen Temperaturen.
Viel Freude im Nixenbad bei sommerlichen Temperaturen. © Lutz Weidler

Nicht zu vergessen ist dabei allerdings der Imbiss im vorderen Badbereich, der vor einer Weile von Asiaten übernommen wurde. Das Essen dort hat Sandra Dorn schon überzeugt: „Schmeckt sehr gut“, sagt die 44-Jährige und ist damit einer Meinung mit den Campern, die ihr Mittagessen auch gern dort holen. „Die haben ein gutes Angebot“, findet die Riesaer Dauercamperin, die beruflich mit einem größeren Fahrzeug in der Umgebung der Elbestadt unterwegs ist und ab und an auch am Wochenende arbeiten muss.

Und im Imbiss ist es nicht einmal teuer. Mit 6,90 Euro sind die gebratenen Nudeln mit knuspriger Ente das Gericht, für das am meisten gezahlt werden muss. Acht Mini-Frühlingsrollen kosten gerade mal 2,50 Euro und Pommes mit Currywurst 5,50 Euro. Um die Mittagszeit sind die Tische am Sonnabend alle voll belegt. Schattig ist es dort schließlich auch.

Erbaut wurde das Nixenbad übrigens vor 53 Jahren, woran eine Gedenktafel im Eingangsbereich erinnert. Dort heißt es: „Errichtet als sozialistisches Aufbauwerk von den Pionieren, FDJ u. GST Mitgliedern und Bürger der Stadt Strehla im Jahr 1968.“ Sicher nicht die schlechteste Idee zu DDR-Zeiten.

Und noch eine gute Idee findet sich nur wenige Meter hinter dem Eingang zum Nixenbad. Dort steht ein 1,50 Meter hoher Holzpfosten mit lauter bunten Metalldosen dran. Auf dem Hinweisschild steht: „Aschenbecher für die Liegewiese. Bitte bring mich wieder zurück.“ Ein frommer Wunsch, den die Besucher hoffentlich verinnerlichen, damit die Grünflächen den Sommer über nicht mit Zigarettenkippen übersäht sind. Und was kann man noch tun im Nixenbad außer schwimmen, essen und campen? Beachvolleyball spielen. Das Feld ist aufgebaut – nur die Temperaturen locken nicht so viele Gäste an. Besser ab ins Wasser.

Bleibt noch die Frage nach den aktuellen Preisen. Für Dauercamper werden pro Stellplatz 550 Euro pro Jahr fällig. Dazu kommen noch die 62 Euro für einen Erwachsenen für die Jahreskarte im Nixenbad, denn das Schwimmvergnügen muss extra bezahlt werden. Doch wer dort seinen Sommerurlaub im Wohnwagen verbringen möchte, ist bei zwei Erwachsenen mit 674 Euro pro Jahr sicher sehr gut bedient. Dafür können die Dauercamper auch sechs Wochen bleiben – klingt nach einem Schnäppchen! Und die gute Nachricht: Es gibt noch freie Plätze.

Weiterführende Artikel

Strehlaer Nixenbad öffnet endlich

Strehlaer Nixenbad öffnet endlich

Arbeiten an der Technik hatten sich verzögert. Dafür passt jetzt das Wetter.

„Wir wollen 2019 ins Nixenbad investieren“

„Wir wollen 2019 ins Nixenbad investieren“

Die SZ hat mit Strehlas Bürgermeister Jörg Jeromin über Pläne für das Bad, die Neuerungen bei den Sozialen Diensten und die Rolle der Stadt als Schlossretter gesprochen.

Wer bloß mal kurz eine Runde schwimmen möchte in Strehla, hier die aktuellen Preise: Die Tageskarte kostet für Erwachsene 3,50 Euro, für Kinder zwei Euro. Es gibt auch Zehnerkarten und natürlich Jahreskarten für 30 beziehungsweise 62 Euro (Erwachsene). Aber bitte nicht vergessen: Das Parken ist am Nixenbad nicht kostenlos. Die Tageskarte für 1,50 Euro muss am Einlass bezahlt und ins Auto gelegt werden. Für Dauerbesucher gibt es Saisonkarten für 40 Euro. Rechnet sich also bei mehr als 26 Badetagen im Nixenbad.

Mehr zum Thema Riesa