merken
PLUS Riesa

Strafanzeigen im Wochentakt

Der Prozess gegen einen jungen Syrer am Amtsgericht Riesa zieht sich in die Länge. Auch, weil schon wieder neue Tatvorwürfe aufgetaucht sind.

Der Angeklagte im Dezember 2020.
Der Angeklagte im Dezember 2020. © Sebastian Schultz

Riesa. Normalerweise fallen die Entscheidungen am Riesaer Amtsgericht innerhalb kurzer Zeit. Bei kleineren Fällen beraumen die Richter durchaus auch mal nur eine Viertelstunde für die Verhandlung an, länger als einen Tag muss nur selten verhandelt werden. Da ist es schon etwas ungewöhnlich, dass sich der Prozess gegen einen jungen Mann aus Syrien derart zieht.

Das liegt nicht unbedingt am komplexen Verfahren. Dem 21-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft eine Reihe von Körperverletzungsdelikten vor, außerdem soll er einer Zugbegleiterin ins Gesicht gespuckt haben. Seit Mitte Dezember 2020 haben sich die Beteiligten nun bereits viermal getroffen. Beim zweiten Mal kam ein Freund des Angeklagten und wichtiger Entlastungszeuge nicht, beim dritten Anlauf Anfang Januar fehlte dann der Angeklagte selbst. "Ich war krank, hatte Bauchschmerzen", sagt er zu seiner Entschuldigung am vierten Prozesstag.

sz-Reisen
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken

Bei SZ-Reisen findet jeder seine Traumreise. Egal ob Kreuzfahrt, Busreise, Flugreise oder Aktivurlaub - hier bekommen Sie für jedes Reiseangebot kompetente Beratung, besten Service und können direkt buchen.

Bei dem wird es nicht bleiben, denn es sind mittlerweile weitere Vorwürfe gegen den jungen Mann aufgetaucht, die im selben Verfahren mit verhandelt werden sollen. Bei einem Streit vor einem Dönerlokal an der Hauptstraße soll der Angeklagte einen Gast und den Betreiber des Geschäfts verletzt haben. Laut Anklage benutzte er dabei einen Schlüsselbund und später den Mast einer Werbefahne als Waffen. Er sagt, er habe sich nur verteidigen wollen, die Gewalt sei von Gästen und dem Betreiber des Geschäfts ausgegangen.

Polizisten beleidigt

Den zweiten Vorwurf, einen Schlag gegen einen Asylbewerber an der Freitreppe neben dem Rathaus, räumt er zum Teil ein. Allerdings sei der Schlag nicht unvermittelt passiert. Der Mann habe ihn beschuldigt, Drogen an Minderjährige zu verkaufen, lässt der Angeklagte über seinen Anwalt mitteilen. "Das hat meinen Mandanten sehr aufgebracht." Bei der Auseinandersetzung verlor der Geschädigte zwei Schneidezähne. Was die beiden übrigen Fälle angeht, in denen er die Mitarbeiterin einer Spielothek und drei Polizisten übel beschimpft und beleidigt haben soll, spielt er die Bedeutung der Worte herunter. In dem Milieu, in dem sich der junge Mann bewegt, seien solche Ausdrucksformen verbreitet und nicht unbedingt ehrverletzend gemeint.

Der Freund des Angeklagten, der diesmal tatsächlich im Gericht aussagt, bestätigt zumindest, dass sich die beiden auch im Alltag heftige Beleidigungen an den Kopf warfen, ohne die ernst zu meinen. Die Spielothek-Mitarbeiterin und die Polizisten allerdings dürften das weniger spaßig empfunden haben. Da seien schon heftige Worte gefallen, sagt einer der Beamten, die damals dabei waren. Der Angeklagte sei auch sehr aufgebracht gewesen. Kein Wunder: Die Polizisten hatten ihn und einen Komplizen gestoppt, weil sie des Ladendiebstahls verdächtig waren. Während der zweite Täter die Flucht ergriff, stellte die Polizei beim Angeklagten Zigaretten fest, die er im Kaufland in der Elbgalerie gestohlen haben soll. "Nach Feststellung der Personalien auf dem Revier mussten wir ihn sanft zur Tür herausschieben, weil er ohne die Zigaretten nicht gehen wollte", sagt einer der Polizisten.

Weiterführende Artikel

Riesa: Mit 22 Jahren ins Gefängnis

Riesa: Mit 22 Jahren ins Gefängnis

Regelmäßig gerät ein junger Mann aus Syrien mit dem Gesetz in Konflikt. Nun muss er in Haft. Wie konnte es so weit kommen?

Ein anderer Beamte sagt auf die Frage, ob er den jungen Syrer schon von vorherigen Einsätzen kannte, das sei damals noch nicht der Fall gewesen. "Aber erst vor anderthalb Wochen habe ich ihn wieder gesehen, weil er im Kaufland geklaut haben soll." Und von seinen Kollegen wisse er, dass die Polizei zuletzt fast wöchentlich mit ihm zu tun habe.

Ende Januar will das Gericht noch zwei weitere Zeugen hören. Womöglich könnte dann ein Urteil fallen.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Riesa