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Über den Dächern von Riesa

Der Wettiner Hof wurde jetzt komplett saniert - und gewährt ungewöhnliche Ausblicke.

Terrasse mit Ausblick: Jürgen Gollos vom Wettiner Hof steht über den Dächern von Riesa. Hier können Gäste sitzen, die in der Suite übernachten - oder sie für eine Feier buchen.
Terrasse mit Ausblick: Jürgen Gollos vom Wettiner Hof steht über den Dächern von Riesa. Hier können Gäste sitzen, die in der Suite übernachten - oder sie für eine Feier buchen. © Sebastian Schultz

Riesa. Das ahnt man nicht, wenn man den Wettiner Hof von außen betrachtet: Das Hotel mit den leuchtenden roten Blumen an den Balkons gewährt einen Ausblick, wie man ihn nur von Hochhäusern aus vermutet. Von der Terrasse der Suite aus geht der Blick über die Dächer von Riesa. Die Muskator-Silos erscheinen auf Augenhöhe, dahinter verliert der Blick sich irgendwo im Brandenburgischen.

"In der Suite hat schon Roland Kaiser übernachtet", sagt Hotelbetreiber Jürgen Gollos. Heute werden die Räumlichkeiten dagegen vor allem für Familienfeiern genutzt. Ein gutes Dutzend Gäste passt locker an die lange Tafel, die schräg zwischen Kamin, italienischen Holzmöbeln und Glastür zur Terrasse steht.

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Schmuck wirkt es hier, aber auch ein bisschen Retro: Die heutige Suite hatte sich Gollos' Vorgänger, der Erbauer des Hotels, in den 90ern als eigene Wohnung einbauen lassen. Während hier noch eine behutsame Modernisierung ansteht, sind die Etagen darunter im Wettiner Hof nicht wiederzuerkennen.

Ein Blick in die Suite unterm Dach - wo schon Roland Kaiser genächtigt hat.
Ein Blick in die Suite unterm Dach - wo schon Roland Kaiser genächtigt hat. © Sebastian Schultz

Seit es 2019 einen erheblichen Wasserschaden im Untergeschoss gab, wurde im Wettiner Hof knapp eine Million Euro investiert, sagt der Hotelchef. "Die Überschwemmung war für uns Anlass für einen richtigen Umbau." Als erstes wurde aus dem früheren Weinkeller im Untergeschoss das heutige "Cheers" - ein Raum für Tagungen, Familienfeiern, Klassentreffen. Er zeigt sich nun im modernen schwarz-weiß-Kontrast mit hellen Brauntönen, eigener Bar und modernem Lichtkonzept.

Danach ging es ans Restaurant im Erdgeschoss, das nun mit "Spirit" ebenfalls einen neuen Namen trägt. Hier wurde gerade noch die Terrasse auf der Vorderseite - zur Hohen Straße hin - gestaltet. "Wir haben aufwendig beschichtete Steinplatten verlegt, die man sogar Wischen kann", sagt Gollos - und verweist auch auf die neue Einfriedung aus Holz und Glas, die die Terrasse vom Bürgersteig trennt.

Deutlich aufwendiger war aber das Vorhaben, für das man die Übernachtungs-Beschränkungen durch die Corona-Regeln nutzte: "Wir haben etagenweise alle Zimmer neu gemacht", sagt der Hotelchef. Jede Etage bekam nun ihre eigene Farbe. Die Wände über den Betten erhielten eine stilisierte Riesa-Silhouette. Bad-Ausstattung, Möbel - alles wurde ausgetauscht. Weil über Monate nur Geschäftsreisende übernachten durften, hatten die Handwerker mehr freie Hand, als es bei einem normal belegten Hotel möglich wäre.

Man habe sehr viele regionale Unternehmen beauftragt, betont Jürgen Gollos. Belohnt wurde das Hotel nun mit einer neuen Sterne-Einstufung von der Dehoga: Statt drei Sterne kommt der Wettiner Hof nun quasi auf dreieinhalb - offiziell heißt das "Drei Sterne Superior". "Eigentlich reichen unsere Punkte schon für Vier Sterne - aber die Zimmergröße passt nicht ganz", sagt Gollos. So aber unterstreiche man den Anspruch, das "beste Drei-Sterne-Hotel am Platz" zu sein.

Ein Blick ins "Spirit" - so heißt jetzt das Restaurant im Wettiner Hof.
Ein Blick ins "Spirit" - so heißt jetzt das Restaurant im Wettiner Hof. © Sebastian Schultz
Alle mehr als 40 Zimmer wurden neu gestaltet. Dazu gehört auch eine Riesa-Silhouette über dem Bett.
Alle mehr als 40 Zimmer wurden neu gestaltet. Dazu gehört auch eine Riesa-Silhouette über dem Bett. © Sebastian Schultz
Im Untergeschoss findet sich nun das "Cheers" - ein Raum für Tagungen und Feiern.
Im Untergeschoss findet sich nun das "Cheers" - ein Raum für Tagungen und Feiern. © Sebastian Schultz

Nun sollte sich das Geschäft allerdings bald wieder normalisieren: Es gibt zwar jetzt wieder mehr Übernachtungen von Gewerbekunden, auch Radtouristen sind wieder da. "Aber es wäre schön, wenn in der Arena wieder Veranstaltungen stattfinden könnten", hofft der Hotelchef. Für die dort geplante Pferdeshow Cavalluna und Let's Dance im Herbst hätte man bereits jetzt Anfragen.

Ein Thema, wie in der ganzen Branche, bleibt das Personal: Da geht der Wettiner Hof neue Wege. Seit einem Jahr arbeitet er als Praxispartner mit der BA zusammen und beschäftigt einen BWL-Studenten in der Studienrichtung Eventmanagement. "Das ist ein echter Glücksgriff für uns", sagt der 46-Jährige. Der neue Kollege bearbeitet als Projekt die Digitalisierung des Hauses - vom Kassen- und Buchungssystem über Gäste-Zufriedenheits-Befragungen bis hin zu Auftritten in den Sozialen Medien.

Dennoch merkt man auch im Hotel an der Hohen Straße, dass es die Gastro-Branche beim Punkt Personal seit Corona noch ein Stück schwerer hat. Und so gelten seit der Wiedereröffnung nach Corona nun neue Öffnungszeiten: Statt sieben Tage die Woche ist bloß noch Mittwoch bis Sonntag geöffnet. "Wenn jemand eine größere Veranstaltung machen will, öffnen wir natürlich auch außerhalb dieser Zeit." Die Öffnungszeiten seien ein Kompromiss, stets für den Gast da sein zu wollen - und auf die insgesamt 15 Mitarbeiter Rücksicht zu nehmen.

Neu gemacht: Jürgen Gollos zeigt den Außen-Sitzbereich an der Hohen Straße.
Neu gemacht: Jürgen Gollos zeigt den Außen-Sitzbereich an der Hohen Straße. © Sebastian Schultz

Gollos setzt auch darauf, dass die gehobene Küche attraktiv für Köche sein dürfte, die sich verwirklichen wollen: Im Wettiner Hof gibt es nicht nur Kotelett und Kartoffeln - bei den Feinschmeckerabenden stehen auch mal Sashimi vom Gelbflossen-Thunfisch auf der Karte, Sushi oder Rinderfilet mit Trüffelschaum Steinpilz-Gnocchis.

Die nächsten Termine dafür sind schon geplant. Bleibt die Hoffnung, dass die Sachsenarena bald wieder öffnet. Wenn der Veranstaltungsbetrieb sich normalisiere, könnten davon auch die Hotels in Riesa leben - denn als klassische Urlaubsregion sei Riesa ja eher nicht bekannt. "Wir schauen nach vorn", sagt der Hotelchef.

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