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Was tun gegen die Lastwagen?

Stahlwerk und Hafen expandieren - das könnte mehr Verkehr mit sich bringen - und damit Konflikte. In Gröba wurde jetzt nach Lösungen gesucht.

Die Hafenbrücke ist eins der Nadelöhre, über die in der Stadt der Lkw-Verkehr rollt.
Die Hafenbrücke ist eins der Nadelöhre, über die in der Stadt der Lkw-Verkehr rollt. © Archiv/Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Ines Fröhlich gibt sich positiv überrascht. Wenn es um Straßenbau und Verkehr gehe, dann erlebe sie es eigentlich relativ selten, dass sachlich und unaufgeregt über das Thema diskutiert werde, sagt die Staatssekretärin aus dem SPD-geführten sächsischen Wirtschaftsministerium. Die gebürtige Chemnitzerin sitzt in einer Runde mit Vertretern von Politik, Wirtschaft und Anwohnerinitiativen aus Riesa. Das Treffen in der Schlossremise soll offenlegen, welche Probleme es in Bezug, insbesondere auf den Lkw-Verkehr in der Stadt, gibt - und wie diese sich vielleicht lösen lassen. 

Es sei "eine Zusammensetzung, die nicht alltäglich ist", sagt Andreas Näther (SPD). Seine Fraktion Gemeinsam für Riesa hatte mit dem SPD-Ortsverband und der Stadtteilinitiative Wir in Gröba in die Remise geladen. Das Thema Verkehr sei in der Vergangenheit immer wieder in Bürgergesprächen und Stammtischen angesprochen worden, erklärt Näther. In Canitz hatten Anwohner Unterschriften gesammelt, ebenso wie vor fast zwei Jahren Anwohner der Reußner Straße gegen Rübenlaster. Es sind die Schleichwege, die vor allem den Ortsteilen zu schaffen machen. 

Stars im Strampler aus Riesa
Stars im Strampler aus Riesa

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Kurz vor der Gesprächsrunde: Staatssekretärin Ines Fröhlich (SPD) vom Sächsischen WIrtschaftsministerium diskutierte unter anderem mit Andreas Näther (SPD, vorn Mitte) und Riesas OB Marco Müller (CDU, vorn rechts)
Kurz vor der Gesprächsrunde: Staatssekretärin Ines Fröhlich (SPD) vom Sächsischen WIrtschaftsministerium diskutierte unter anderem mit Andreas Näther (SPD, vorn Mitte) und Riesas OB Marco Müller (CDU, vorn rechts) © Foto: Lutz Weidler

Bundesstraße statt Schleichweg

Die Rübenlaster sind mit dem Ende der Zuckerfabrik Brottewitz wohl Geschichte. Sven Wendisch, der die Petition gegen die Schleichwege durch Merzdorf maßgeblich mitinitiiert hatte, sagt aber auch: Nachdem es strengere Auflagen gegeben hatte, hätten sich die Fahrten an der Reußner Straße zur letzten Kampagne merklich reduziert. Das beflügelt - denn es gibt immer noch andere Speditionen, deren Fahrer eben nicht den Weg über die Bundesstraße nehmen, sondern durch die Ortsteile. "Das betrifft auch maßgeblich Feralpi." 

Einig scheinen sich die meisten Beteiligten darin, dass niemand das Wachstum der Riesaer Industrie ausbremsen will. Aber Staatssekretärin Ines Fröhlich hält auch fest: "Auch Wirtschaft hat ihre Verantwortung." Und im Ringen um die besten Köpfe hätten gerade jüngere Leute andere Vorstellungen von der Lebenswirklichkeit und schauten auch, wie sich ihr Arbeitgeber in solchen Fragen verhält. Im Stahlwerk hat man das Problem schon erkannt. Der neue Werksdirektor Christian Dohr erzählt selbst, dass er von der schlechten Anbindung an die Autobahn überrascht gewesen sei. Dass man aus Richtung Potsdam nach Riesa durch die Dörfer fährt, das könne nicht richtig sein. "Ich bin durchaus gesprächsbereit", sagt Dohr. Das dürfte vor allem die Kontrolle und deutliche Hinweise an die Speditionen beinhalten, die größeren Straßen zu nutzen. Ob das ohne einen Ausbau der Bundesstraßen lukrativ bleibt, ist offen. 

Kurztransporte über die Hafenbrücke sollen wegfallen

Neben dem Stahlwerk, das derzeit über einen weiteren Ausbau nachdenkt, bringt auch der Riesaer Hafen viel Verkehr nach Gröba. Schleichwege sind, zumindest bei der SBO-eigenen Spedition, kein Thema, sagt Geschäftsführer Heiko Loroff. "Meine Fahrer wissen, wo sie langfahren müssen, da haben wir die Finger drauf." Der geplante Bau des neuen Terminals südlich des Hafenbeckens soll außerdem zunächst die Situation auf der Hafenbrücke entspannen. Derzeit seien täglich 40 bis 50 Ladungen unterwegs, die zwischen den beiden Terminalstandorten verkehren. Steht das neue Terminal, läuft alles nur noch im Süden ab. 

Weil die Straße neben Schiene und Elbe wohl aber ein wichtiger Transportweg bleiben wird, experimentiert der Hafenbetreiber demnächst mit Alternativen zum Diesel-Laster. "Im Herbst legen wir uns testweise den ersten LNG-Lkw zu." Die Fahrzeuge auf Basis von verflüssigtem Erdgas seien günstiger im Verbrauch und wohl auch geräuschärmer. Eine mittlere fünfstellige Summe investiert die SBO aus eigener Tasche. Ob LNG tatsächlich der Weisheit letzter Schluss ist, ist umstritten - im Herbst 2019 hatten Studien Zweifel daran angemeldet, dass die Alternative umweltfreundlicher ist. Heiko Loroff allerdings ist sich zumindest in einem Punkt sicher: Man muss den Schadstoffaustausch pro Lkw senken - sonst kann auch nicht mehr auf die Straße.

Ob künftig auch mehr Schiffe über die Elbe fahren können, die besser an niedrige Wassertiefen angepasst sind, ist offen. Stadtrat und Unternehmer Markus Mütsch hatte schon vor längerer Zeit angeregt, Leichtbauschiffe auf den Fluss zu bringen - nicht ganz ohne Eigennutz: Sein Institut KVB forscht zu Verbundstoffen, die dafür nötig sein könnten. Laut Ines Fröhlich läuft derzeit ein Forschungsprojekt auf Bundesebene zum Thema Leichtbauschiffe. Da sei man aber noch rein auf Forschungsebene, gebaut und getestet werde noch nichts. 

Auch die Stadt ist gefragt

Während die Anbindung der Stahlstadt an die Autobahnen noch dauern wird, wünscht sich Oberbürgermeister Marco Müller (CDU) auch kurzfristige Hilfe. Er würde gern Lkw-Fahrern die Fahrt über manchen Schleichweg verbieten. So leicht sei es aber leider nicht, oft stünden verwaltungsrechtliche Hürden im Weg. Ines Fröhlich ermutigt daraufhin den OB, es zu probieren, eventuell noch mal den Kontakt zum Ministerium zu suchen, damit sich eventuell doch ein Weg finden lässt. Eine Absage erteilt sie dagegen beim Wunsch, die Durchfahrtstiefe an den Drei Brücken anzupassen. Dafür wird es angesichts leerer Fördertöpfe erst einmal kein Geld vom Freistaat geben. 

Gefordert sei die Stadt dagegen in Sachen Verkehrskonzeption. Dieses Konzept werde derzeit erarbeitet, heißt es aus dem Rathaus. Zurzeit läuft noch bis Ende September eine Umfrage zum Verkehr in der Innenstadt. "Die Resultate dieser Umfrage sollen – logischerweise - in das Innenstadt-Verkehrskonzept mit einfließen", so Stadtsprecher Uwe Päsler. Dieses Konzept für die Innenstadt wiederum soll "einen wichtigen Teil des übergreifenden Konzeptes für die gesamte Stadt bilden".

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