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Vom Wasser abgeschnitten

Eine Riesaer Mieterin möchte die Blumenbeete im Hof des Mehrfamilienhauses pflegen. Doch es gibt ein Problem.

Kein Wasser: Bis vor Kurzem konnte Mieterin Elisabeth Maier* das Beet hinter dem Riesaer Mehrfamilienhaus noch mit Wasser aus dem Keller gießen. Doch nun hängt ein Schloss vor dem Abteil mit dem Wasserhahn – ausgerechnet bei mehr als 30 Grad.
Kein Wasser: Bis vor Kurzem konnte Mieterin Elisabeth Maier* das Beet hinter dem Riesaer Mehrfamilienhaus noch mit Wasser aus dem Keller gießen. Doch nun hängt ein Schloss vor dem Abteil mit dem Wasserhahn – ausgerechnet bei mehr als 30 Grad. © Foto: Lutz Weidler

Riesa. Die Nelken: vertrocknet. Die Kapmargeriten: eingegangen. Selbst die Bodendecker lassen die Blätter hängen. Kein Wunder, bei mehr als 30 Grad im Schatten. Zumal die Sonne an diesem Freitagnachmittag auf den Garten prasselt – und der Boden staubtrocken ist. „Wir haben ein großes Problem“, sagt Elisabeth Maier*. „Wir kommen nicht mehr an den Wasseranschluss.“ Die Mieterin kümmert sich gemeinsam mit ihrem Nachbarn um die Beete hinter dem Reihenhaus. Bis vor kurzem hat das gut geklappt: Wenn der Regen nicht ausreichte, um die Tonnen zu befüllen, wurden die mit Wasser aus dem Trinkwassernetz befüllt – so wie es wohl zahllose andere Riesaer auch halten.

Der Schlauch dafür hängt noch immer unter der Decke der Kellertreppe. „Da hing er schon vor zwölf Jahren, als ich eingezogen bin“, sagt Maiers Nachbar. Und all die Jahre sei das gutgegangen: Man habe den gemeinsam genutzten Wasseranschluss im Keller genutzt, die Beete im Hof zu wässern - der Hausmeisterdienst brauchte deshalb nur ein kleines Stück Wiese zu mähen. Und so entstand mit Billigung der Hausverwaltung eine kleine grüne Oase mitten in Riesa - mit einem Igelhaus, Obstbäumen, Blumen- und Gewürzbeeten. „Es ist ja auch wichtig, für die Tiere was zu schaffen“, sagt der Nachbar. „Auf den anderen Grundstücken wird immer mehr gepflastert.“

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Nun allerdings, ausgerechnet bei einer tagelangen Hitzeperiode, kam ein Vorhängeschloss vor das Kellerabteil, in dem sich der Wasseranschluss befindet. „Die Verwaltung verlangt von den Mietern eine schriftliche Einverständniserklärung. Wenn nicht alle unterzeichnen, gibt es kein Wasser für die Pflanzen“, sagt Elisabeth Maier. Dabei hätten drei der vier Mieter schon unterschrieben. Der Vierte sei aber so selten da, dass man ihn für die Unterschrift nicht erreiche. „Die Bäume und Kleinpflanzen sind fast alle verwelkt und eingegangen.“Sächsische.de fragt bei der betreffenden Hausverwaltung an, ob sich der Sachverhalt so zugetragen habe - und was die Gründe dafür sind. Eine Antwort ist am Freitag aber nicht mehr zu erhalten; der betreffende Mitarbeiter sei zu Außer-Haus-Terminen unterwegs, heißt es.

Mieter kann Zugang beschränken

Der ebenfalls befragte Mieterverein gibt der Hausverwaltung prinzipiell recht: Wenn ein Wasseranschluss für alle Mieter zugänglich ist, könne der Vermieter den Zugang beschränken, falls nicht alle Mieter ihr Einverständnis für eine gemeinsame Nutzung erklären. „Es könnte zu einem Problem werden, wenn ständig jemand unkontrolliert Wasser entnimmt“, sagt Rechtsanwalt Axel Buschmann, der für den Mieterverein Meißen und Umgebung tätig ist. „Es gibt Fälle, da gießen Mieter nicht nur den Garten, sondern füllen sich damit auch noch Bassins im Garten auf.“

Dabei werde deutlich mehr Wasser entnommen, als sich aus der Summe der Mieter-Wasseruhren ergibt. „Wenn die Differenz größer als fünf Prozent ist, wird das zum Problem für den Vermieter.“ Man habe auch schon einen Fall gehabt, da seien 20 Prozent der Wassermenge auf diesem Weg verlorengegangen. Und bei ein paar Kubikmetern könne es schnell um mehr als Centbeträge gehen. „Zumal, wenn man nicht nur die Trinkwasserkosten, sondern auch die für das Abwasser berücksichtigt“, sagt Buschmann. In Riesa werden pro Kubikmeter Trinkwasser 1,80 Euro fällig; für das Abwasser weitere 1,91 Euro.

Die Mieter des Mehrfamilienhauses in der Riesaer Innenstadt beteuern, nie irgendwelche Bassins befüllt zu haben. „Nur die Regentonnen, wenn es nötig ist“, sagt Elisabeth Maier. Sie ärgert sich, dass wegen einer fehlenden Unterschrift einfach der Keller zugesperrt worden sei. „Man hätte uns doch in der Hitzeperiode wenigstens noch einmal die Tonnen füllen lassen können.“ Stattdessen habe es den Hinweis gegeben, mit Wasser aus der eigenen Wohnung zu gießen. Allerdings stehen die beiden Erdgeschosswohnungen leer - und das Schleppen von vollen Gießkannen das Treppenhaus runter gehe auf die Knie. „Ich kann aus Gesundheitsgründen ohnehin nicht so viel tragen“, sagt die Riesaerin. Und mit fünf, sechs Gießkannen könne man bei den Temperaturen die Beete nicht retten. „Das Basilikum war heute früh noch da, jetzt ist es eingegangen. Vom Dill ist nur ein Rest übrig, von den Mittagsgoldblumen leben noch zwei von sechs.“

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Eine grundsätzliche Lösung wäre es in solchen Fällen, an den Keller-Anschluss einen eigenen Zähler dranzuhängen und die Wassergebühren auf den Posten Grünpflege für die Mieter umzulegen, sagt Anwalt Axel Buschmann. Oder der Vermieter beauftrage einen Mieter mit dem Hausmeisterdienst; dann ließe sich das ebenfalls abrechnen. Eine Regelung, dass alle Mieter per Unterschrift ihr Einverständnis erklären - wie von der Hausverwaltung vorgeschlagen - wäre jedenfalls in Ordnung. Die beiden Riesaer Mieter gehen davon aus, dass auch das fehlende Signum ihres Nachbarn noch kommt. Die Frage sei bloß, wie viele Pflanzen bis dahin noch leben. *Name geändert

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