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Warum braucht Riesaer Baustelle so lange?

Monatelang ist die wichtige Alleestraße dicht. Dabei wird nur ein kleines Stück gemacht.

Kein Durchkommen: An diesen Anblick mussten sich Einwohner von Gröba und Merzdorf an der Alleestraße zwangsweise gewöhnen. Hier ein Eindruck von Anfang Juli.
Kein Durchkommen: An diesen Anblick mussten sich Einwohner von Gröba und Merzdorf an der Alleestraße zwangsweise gewöhnen. Hier ein Eindruck von Anfang Juli. © Sebastian Schultz

Riesa. Die Alleestraße ist nicht irgend eine Straße. Gut zwei Kilometer lang erschließt sie ganze Wohngebiete in Gröba und Merzdorf. Supermärkte, Bäcker, Schulen, Sparkasse finden sich hier. Und seit dreieinhalb Monaten ist diese wichtige Ader auf halber Höhe gekappt: Weil vor der Storchenbrunnen-Schule die Straße gemacht wird, gilt eine Vollsperrung - samt weiträumiger Umleitung.

Das ärgert manchen, etwa Anwohner Klaus Scholze. Wegen „80 bis 100 Meter Straßenerneuerung“ sei die Alleestraße fast ein halbes Jahr komplett gesperrt, schimpft der Riesaer. Früher hätte so was „6 bis 8 Wochen gedauert“ - wenn denn auch einige Bauarbeiter auf der Baustelle wären und ein sinnvoller Bauablauf im Vertrag stünde. "Schließlich ist die Alleestraße kein Gartenweg, sondern eine wichtige innerstädtische Erschließungsstraße.“

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Im Rathaus will man diese Kritik nicht auf sich sitzenlassen: Tatsächlich gehe es dort um etwas mehr, als nur um 80 Meter Straßenbau - sagt Stadt-Sprecher Uwe Päsler. So gehöre zu der Baustelle an der Alleestraße noch einiges mehr: Da werde der Platz am Storchenbrunnen direkt vor der Schule umgestaltet, ein neuer Weg zwischen Alleestraße und Merzdorfer Straße geschaffen, es gäbe Tiefbau für die neue Straßenbeleuchtung und auch die Wasserversorgung sei mit im Boot: Sie verlegt dort neue Wasserleitungen. Und nicht zuletzt entsteht dort eine Fußgängerampel, damit die Grundschulkinder sicher über die Straße kommen.

Die städtischen Arbeiten dort kosten gut eine halbe Million Euro - allerdings winke Riesa Geld aus einem Förderprogramm, das bis zu 80 Prozent der Kosten übernähme. Den Auftrag dafür hatte die regional bekannte Baufirma Steinle Bau aus Oschatz erhalten.

Auch wenn es nicht so aussieht: Der Norma-Supermarkt ist trotz Baustelle noch zu erreichen.
Auch wenn es nicht so aussieht: Der Norma-Supermarkt ist trotz Baustelle noch zu erreichen. © Sebastian Schultz

Ein Ziel der Bauarbeiten sei es, die Sicherheit an der Alleestraße für Grundschüler, aber auch für Radfahrer zu erhöhen: Sie erhalten künftig auf beiden Seiten der Straße einen Schutzstreifen, dem allerdings einige Parkplätze zum Opfer fallen. Auch eine sogenannte "Kiss-and-Ride“-Zone für die „Elterntaxis“ sei geplant, sagt Uwe Päsler. Das erhöhe ebenfalls die Sicherheit - erfordere aber eben auch einen gewissen Bauaufwand.

Kritik hatte es zuletzt aber nicht nur an der Bauzeit für die Alleestraße gegeben - sondern auch über das Vorhaben, die beiden bisherigen Fußgängerüberwege mit Zebrastreifen durch eine einzelne Fußgängerampel zu ersetzen. So hatte ein Dresdner Ingenieur in einem mehrseitigen Schreiben moniert, dass eine Ampel an dieser Stelle die Verkehrssicherheit verringere, anstatt sie zu erhöhen: Viele Fußgänger würden wohl weiter die gewohnten Querungsstellen nutzen - also nicht über die neue Ampel laufen. Und der vergleichsweise geringe Verkehr auf der Alleestraße verführe Fußgänger dazu, nicht auf Grün zu warten - sondern auch bei Rot drüber zu laufen.

Bislang gab es vor der Schule Alleestraße zwei Zebrastreifen, künftig ist eine Ampel geplant. Das gefällt nicht jedem.
Bislang gab es vor der Schule Alleestraße zwei Zebrastreifen, künftig ist eine Ampel geplant. Das gefällt nicht jedem. © Sebastian Schultz

Das zuständige Ingenieurbüro hat sich mit der Kritik, die auch an die Stadträte verteilt worden war, beschäftigt. Demnach sei dort eine Ampel- oder eine Zebrastreifen-Lösung möglich und zulässig gewesen. Die letzte Entscheidung aber habe das zuständige Gremium des Stadtrates treffen müssen: der Bauausschuss. "Dort gab es im Januar 2020 eine intensive Debatte", sagt Stadtsprecher Päsler. "Letztlich haben die dort vertretenen Stadträtinnen und Stadträte die besondere Schutzbedürftigkeit der Grundschüler in den Mittelpunkt der Entscheidung gestellt, weil Kinder in diesem Alter noch nicht realistisch einschätzen können, wie schnell ein Auto herankommt."

Deshalb habe man eine Ampel mit ihren eindeutigen Signalen als sichere Lösung gegenüber einem Zebrastreifen favorisiert. Die Abstimmung war mit sechs Ja-, zwei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen ausgefallen - so wird nun auch gebaut. Voraussichtlich noch bis zum 20. August. Anwohner und Pendler brauchen also weiter Geduld.

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