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Warum die Stadtwerke Platz brauchen

Zwischen Krankenhaus und Lidl steht ein kleines Heizkraftwerk. Das muss wachsen.

Das Heizkraftwerk Bebelstraße liegt in Sichtweite des Riesaer Krankenhauses. Die Stadtwerke wollen nun die Wiese ringsum kaufen - das hat auch mit dem benachbarten Pflegeheim zu tun.
Das Heizkraftwerk Bebelstraße liegt in Sichtweite des Riesaer Krankenhauses. Die Stadtwerke wollen nun die Wiese ringsum kaufen - das hat auch mit dem benachbarten Pflegeheim zu tun. © Sebastian Schultz

Riesa. Noch ist hier eine kurz gemähte Wiese - schräg von Trampelpfaden durchzogen. Doch das Grundstück zwischen August-Bebel-Straße, Lidl und Krankenhaus-Parkplatz dürfte sich in absehbarer Zeit verändern: Denn die Stadtwerke wollen das gut 2.000 Quadratmeter große Areal der Stadt abkaufen. Rund 185.000 Euro ist dem Unternehmen die städtische Wiesenfläche wert.

Die Wiese gehört zu einem insgesamt gut 6.600 Quadratmeter großen Grundstück, auf dem sich auch der benachbarte Parkplatz an der Külzstraße befindet. Warum die Stadtwerke Interesse an der Grünfläche haben, ist bei einem Blick über den Metallzaun direkt daneben zu erahnen: Denn dort befindet sich das Heizkraftwerk August-Bebel-Straße des städtischen Unternehmens.

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Seit Jahren wird dort Erdgas verbrannt, um daraus Wärme und Strom zu gewinnen. Ein Blockheizkraftwerk war 2009 errichtet und 2015 modernisiert worden, ein zweites kam erst im Jahr 2019 dazu. Aus der in Hellgrau, Beige und Orange gehaltenen Anlage wird das umliegende Stadtgebiet mit Fernwärme versorgt.

Dort war der Bedarf zuletzt deutlich gestiegen - einerseits im Riesaer Krankenhaus, das von den Stadtwerken versorgt wird, andererseits durch den Bau des Azurit-Pflegeheims direkt nebenan, das ebenfalls zu den Kunden gehört. Auch weitere Pflegeeinrichtungen, Ein- und Mehrfamilienhäuser werden vom Standort August-Bebel-Straße beliefert.

Die Stadtwerke können zudem damit werben, dass die Kraft-Wärme-Kopplungs-Technik den für Neuinvestitionen bedeutsamen sogenannten Primärenergiefaktor verbessert. Weil der Gesetzgeber bestimmte Energiearten bevorzugt, kann sich das für Bauherren auszahlen - weil sie so weniger Auflagen für andere Investitionen bekommen.

Allerdings machte die Erweiterung des Kraftwerks-Standorts auch weitere Investitionen nötig - so entstanden an der Bebelstraße eine neue Trafostation, eine Druckhaltung, ein Wärmespeicher. Der Kraftwerksstandort sei dadurch "hinsichtlich der Anlagen-, Trassen- und Leitungsverdichtung und nicht zuletzt auch bei den Zuwegungen im Wartungsfall an deutliche Grenzen gekommen", heißt es in einer Vorlage für die Stadträte.

Die Mitglieder des für den Grundstücksverkauf zuständigen Ausschusses erfuhren auch, dass in naher Zukunft - geplant ist nächstes Jahr - die noch aus dem Jahr 1995 stammende Kesselanlage erneuert werden soll. Das sei nötig, um die Versorgungsqualität langfristig zu sichern.

Neuer Schornstein wird höher

Das wiederum führt direkt zum nächsten Ausbau: Die Stadtwerke werden wohl auch die Abgasanlage erneuern müssen. Schon jetzt stehe der Schornstein in unmittelbarer Nähe zum Nachbargrundstück. Weil direkt nebenan mittlerweile ein Altenpflegeheim entstanden ist, müsse der künftige Schornstein wohl ein Stück höher werden.

Außerdem müsse das Unternehmen an das Thema Lärm denken: Möglicherweise werden durch das benachbarte Heim Schallschutzwände oder den Schall schluckende Sträucher nötig - auch das braucht mehr Platz, den die Stadtwerke auf dem bisherigen Grundstück nicht haben. Zudem würde man auch Flächen für die Wege für Reparaturen und Wartungen benötigen - und wolle deshalb das L-förmige Stück Wiese direkt um den bisherigen Kraftwerks-Standort dazu kaufen.

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Der Bodenrichtwert dort liegt laut Landkreis Meißen bei 85 Euro pro Quadratmeter, das ergibt insgesamt einen Kaufpreis von knapp 185.000 Euro. Der Aufsichtsrat der Stadtwerke Riesa hat den Kauf bereits genehmigt - und nun haben auch die Stadträte im Finanzausschuss zugestimmt. Die Trampelpfade auf der Wiese dürften also bald Geschichte sein.

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