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Warum Riesa 1.240 Feuerzeuge bekommt

Mehrere Jahrzehnte lang hat der Waldenburger Horst Schäfer seine Sammlung aufgebaut. Jetzt vermacht er sie dem Museum.

Mehr als 1.200 Feuerzeuge hat Horst Schäfer aus Waldenburg im Landkreis Zwickau gesammelt. Jetzt vermacht er sie dem Riesaer Stadtmuseum.
Mehr als 1.200 Feuerzeuge hat Horst Schäfer aus Waldenburg im Landkreis Zwickau gesammelt. Jetzt vermacht er sie dem Riesaer Stadtmuseum. © Sebastian Schultz

Riesa. Wie kommt jemand darauf, Feuerzeuge zu sammeln? Horst Schäfer muss da nicht besonders lange überlegen. "Die ganze Menschheitsentwicklung hängt vom Feuer ab. Man muss sich mal überlegen, wie schwierig es früher gewesen sein muss, Feuer zu erzeugen." 50 Jahre lang hat der Waldenburger seine Sammlung aufgebaut, nun vermacht er sie dem Riesaer Stadtmuseum. 

1.240 Stück sind es, die zusammen wohl rund 11.000 Euro wert sind - so jedenfalls steht es in der Vorlage, mit der der Finanzausschuss der Schenkung kürzlich zustimmen musste. Einige davon sind Replikate, die Horst Schäfer selbst nachgebaut hat, das älteste Original stamme von 1750, sagt er. "Das Fürstenberger Feuerzeug habe ich noch nicht probiert, aber theoretisch könnte man die alle auch zur Funktion bringen", erklärt Horst Schäfer am Telefon. 

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Mehr als 50 Jahre lang sammelte Horst Schäfer aus Waldendorf Feuerzeuge. Jetzt hat der 68-Jährige seine Sammlung ans Riesaer Stadtmuseum vermacht.
Mehr als 50 Jahre lang sammelte Horst Schäfer aus Waldendorf Feuerzeuge. Jetzt hat der 68-Jährige seine Sammlung ans Riesaer Stadtmuseum vermacht. © privat

Das teuerste Feuerzeug kostete 250 Euro

Mit 17 packte ihn so langsam das Sammelfieber. "Als Kind oder Jugendlicher hat man ja alles gesammelt." Aber damals sei er erstmals an ein altes Steinschlossfeuerzeug gekommen - und habe immer weiter gemacht. Erst auf Trödelmärkten, später im Internet. Wobei es dort auch Händler gebe, die horrende Summen verlangen. Da habe er schon recht einfache Zündstein-Feuerzeuge für 400 Euro gesehen. "Ich hab dasselbe Modell für 20 gekriegt." 250 Euro war der höchste Betrag, den er selbst jemals ausgegeben hat. 

Seine Sammlung hat Horst Schäfer über all die Jahre in Vitrinen präsentiert, die er selbst aus alten Schubkästen gebaut hat. "Aber irgendwann wird es zu viel", sagt der pensionierte Polizist. Also suchte er nach jemandem, der die Sammlung übernimmt - und wurde in Riesa fündig. 

Aber warum eigentlich ausgerechnet Riesa? Natürlich hätte er das eine oder andere Einzelstück auch verkaufen können, erzählt der Waldenburger. "Aber ich wollte, dass die Sammlung zusammen bleibt." Deshalb suchte Schäfer nach einem Museum, dem er die guten Stücke anbieten konnte - und stieß nach einigen Versuchen schließlich im Haus am Poppitzer Platz auf offene Ohren. Dort passen die Feuerzeuge auch hin, findet er. Schließlich sei die Stadt für ihre Streichholzherstellung bekannt gewesen. 

50 Jahre lang hat Horst Schäfer Feuerzeuge gesammelt. Aus alten Schubläden bastelte der mittlerweile pensionierte Polizist Vitrinenschränke. 
50 Jahre lang hat Horst Schäfer Feuerzeuge gesammelt. Aus alten Schubläden bastelte der mittlerweile pensionierte Polizist Vitrinenschränke.  © Sebastian Schultz
Die mehr als 1.200 Stücke sind enorm vielfältig. Es gibt historische Originale und Replikate ...
Die mehr als 1.200 Stücke sind enorm vielfältig. Es gibt historische Originale und Replikate ... © Sebastian Schultz
... ebenso wie verspielte Objekte. Von der Waffe ... 
... ebenso wie verspielte Objekte. Von der Waffe ...  © Sebastian Schultz
... über den Düsenjet ...
... über den Düsenjet ... © Sebastian Schultz
... bis hin zum Fahrrad. 
... bis hin zum Fahrrad.  © Sebastian Schultz
Nicht jedes dieser Gimmick-Feuerzeuge ist wirklich erst in den vergangenen Jahren gebaut worden, sagt Horst Schäfer. 
Nicht jedes dieser Gimmick-Feuerzeuge ist wirklich erst in den vergangenen Jahren gebaut worden, sagt Horst Schäfer.  © Sebastian Schultz
"Schon um 1900 war es so, dass einige Feuerzeuge in Richtung Kitsch gingen." 
"Schon um 1900 war es so, dass einige Feuerzeuge in Richtung Kitsch gingen."  © Sebastian Schultz
Der Sammler stört sich nicht daran. "Solange es gefällt, ist es doch in Ordnung." Am Ende sei es ein "Modell mit Gebrauchswert". 
Der Sammler stört sich nicht daran. "Solange es gefällt, ist es doch in Ordnung." Am Ende sei es ein "Modell mit Gebrauchswert".  © Sebastian Schultz
Gerade die historischen Feuerzeuge haben mit den Heutigen auf den ersten Blick nichts gemein. 
Gerade die historischen Feuerzeuge haben mit den Heutigen auf den ersten Blick nichts gemein.  © Sebastian Schultz
"Dieses Feuerzeug ist ein Replikat eines Reisefeuerzeugs von Döbereiner", erklärt Horst Schäfer. "Bisher habe ich noch kein Original davon gesehen, auch nicht in der Fachliteratur. Der Nachbau erfolgte aufgrund einer Zeichnung. Die Funktion ist die gleiche wie bei anderen Döbereinerfeuerzeugen, also mit Zink und Schwefelsäure." 
"Dieses Feuerzeug ist ein Replikat eines Reisefeuerzeugs von Döbereiner", erklärt Horst Schäfer. "Bisher habe ich noch kein Original davon gesehen, auch nicht in der Fachliteratur. Der Nachbau erfolgte aufgrund einer Zeichnung. Die Funktion ist die gleiche wie bei anderen Döbereinerfeuerzeugen, also mit Zink und Schwefelsäure."  © Sebastian Schultz
Eine Ausstellung dazu könne die Besucher anregen, sich mit diesem Umstand auseinanderzusetzen, sagt er. 
Eine Ausstellung dazu könne die Besucher anregen, sich mit diesem Umstand auseinanderzusetzen, sagt er.  © Sebastian Schultz

Auch im Riesaer Stadtmuseum sieht man das so. "Das Feuer spielt bei uns im Haus ja schon eine besondere Rolle", sagt Museumsleiterin Maritta Prätzel. Schon im Treppenhaus wird die geschichtliche Verbindung zwischen Mensch und Feuer dargestellt. Da passe die Sammlung gut hinein. Schenkungen dieser Art sind relativ selten. Es komme zwar vor, dass Einzelstücke angeboten werden. "Aber da sind wir sehr wählerisch", betont die Museums-Chefin. "Es muss ja irgendwie auch verwendbar sein." 

So wie die Feuerzeuge aus dem Landkreis Zwickau. Das war auch eine Bedingung des Spenders: dass sie nicht einfach eingelagert, sondern ausgestellt und ordentlich präsentiert werden. Zu sehen sein werden die Stücke aber sicher erst im kommenden Jahr, sagt Museumsleiterin Maritta Prätzel. "Wir müssen erst einmal die baulichen Voraussetzungen schaffen." Schließlich will so eine Sammlung auch ordentlich präsentiert sein.

Horst Schäfer hat bereits angeboten, mit Rat zur Seite zu stehen, sagt er -  und fügt noch hinzu: "Eigentlich müsste die Stadt mehr aus ihrer Geschichte als Standort der Zündholzindustrie machen." Der Sportstadt-Ruf habe sich aus seiner Sicht abgenutzt, also warum nicht "Stadt mit Feuer"? "Das kann man ja noch weitertreiben: Mit einer ewigen Flamme, die an der Elbe brennt, oder einer als Streichholzschachtel gestalteten Hausfassade." Zumal Riesa nun über die einzige Feuerzeugausstellung Sachsens verfügt, sagt Horst Schäfer. 

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