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Was Camping-Urlauber in Riesa machen

Die Stadt hatte die Stellplatz-Flächen verdoppelt - jetzt war es dort erstmals voll.

Urlaub auf dem Riesaer Elbeparkplatz: Doris Roddewig und Carsten Brühler sind aus dem Harz an die Elbe gereist - von dort aus geht es auf Radtour.
Urlaub auf dem Riesaer Elbeparkplatz: Doris Roddewig und Carsten Brühler sind aus dem Harz an die Elbe gereist - von dort aus geht es auf Radtour. © Christian Kluge

Riesa. Nach Monaten der Ruhe herrscht über Pfingsten reger Betrieb auf den kostenlosen Stellplätzen für Wohnmobile auf dem Elbeparkplatz. Die Besucher kommen aus der Nähe von Bitterfeld, dem Saale-Holzland-Kreis, aus Osterode im Harz, Glauchau, dem Erzgebirge, dem Saale-Orla-Kreis, Magdeburg und der Region Spree/Neiße. Vor allem Fahrräder haben die Gäste dabei, auch Paddelboote für Touren auf der Elbe.

Obwohl die Besucher durchweg die gute Lage und den tollen Ausblick auf die Elbe mit Schloss Promnitz im Hintergrund loben, haben einige ein kleines Problem. So wie das Ehepaar Wittig aus der Nähe von Bad Düben. „Wir sind schon seit Freitag hier und jetzt sind die Akkus von unseren E-Bikes leer“, sagt Frau Wittig, die aufgrund von Knieproblemen lieber mit Elektro-Antrieb radelt. „Nach 90 Kilometern sind die eben alle.“ Und ein Ersatz-Akku geht mit 400 bis 500 Euro schon ordentlich ins Geld.

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Doch davon lassen sich beide den Abstecher nach Riesa nicht vermiesen. „Selbst bei Regen ist der Ausblick hier herrlich.“ Und nicht nur hier, sondern auch bei den Radtouren, die das Pärchen in den vergangenen Tagen absolviert hat. Einmal Meißen und auf der anderen Elbseite zurück, das geht mit E-Bikes locker. Zumal es beim Weingut Jan Ulrich in Diesbar-Seußlitz ein Fläschchen Wein für einen gemütlichen Abend zu kaufen gab. Erst im Januar haben die beiden ihr gebrauchtes Wohnmobil erstanden, nachdem sie zuvor zweimal mit Miet-Mobilen unterwegs waren.

„Das erste Mal waren wir 2019 zum Tag der Sachsen in Riesa. Das hat uns so gut gefallen, dass wir jetzt wiedergekommen sind.“ Seit zwei Jahren haben die Wittigs auch ihre E-Bikes und sind damit schon rund 3.500 Kilometer gefahren. Dass es auf dem Elbeparkplatz keine Entsorgungsmöglichkeiten für Abwasser und WC gibt, stört die beiden nicht. „Drei oder vier Tage geht das schon.“ Und was Frau Wittig bei der Ankunft erst irritiert und dann gefreut hat: „Ich bin dreimal über den Parkplatz zum Automaten gelaufen und dachte, wir müssten was bezahlen. Wir finden es wirklich gut, dass wir hier kostenlos stehen können.“

Die kostenfreien Standflächen für Wohnmobile waren unlängst verdoppelt worden - auf Kosten der freien Pkw-Stellplätze.
Die kostenfreien Standflächen für Wohnmobile waren unlängst verdoppelt worden - auf Kosten der freien Pkw-Stellplätze. © Christian Kluge

Was hilfreich sein könnte, wäre allerdings ein Hinweis, wo man sein WC bei längerem Aufenthalt leeren kann. Das geht beim Abwasserzweckverband an der Kläranlage in Gröba, sagt Riesas Pressesprecher Uwe Päsler. Der Weg bis zur Kirchstraße 29 ist nur vier Kilometer - mit dem Auto in weniger als zehn Minuten zu schaffen. Von Montag bis Freitag ist dort von 7 bis 15.15 Uhr geöffnet, am Sonnabend von 7 bis 11 Uhr.

„Investitionen zur Errichtung von Ver- und Entsorgungsanschlüssen direkt am Parkplatz sind aus unserer Sicht nicht notwendig und auch nicht beabsichtigt“, erklärte Päsler. Grund: „Es besteht eine Regelung mit dem nahegelegenen Bootshaus des Wassersportvereins, nach der die Wohnmobilisten die dortigen Einrichtungen nutzen können. Sie können – natürlich gegen eine geringe Gebühr – Duschen und Sanitäreinrichtungen nutzen sowie sich mit Frischwasser versorgen.“

Doris Roddewig und Carsten Brühler verzichten auf diese Möglichkeit. Beide sind am Freitag vor Pfingsten aus Herzberg am Harz angereist. „Wir haben eine Freundin besucht und Radtouren gemacht“, sagt Roddewig. „Das mit den Stellplätzen an der Elbe ist eine super Möglichkeit.“ Pfingstsonntag geht es dann schon zurück nach Hause.

Auch Hans-Ulrich Feit und seine Frau Luise waren hocherfreut, als sie bei der Ankunft in Riesa am Sonntag keine Gebühren für ihren Stellplatz bezahlen mussten. Sie sind aus dem 130 Kilometer entfernten Crossen im Saale-Holzland-Kreis angereist. In welche Richtung ihre erste Radtour gehen würde, steht zur Mittagszeit noch nicht fest. „Vielleicht gehen wir auch nur spazieren“, meinen beide beim Blick auf den Himmel.

Beide haben noch viel vor mit ihrem Wohnmobil. „Rhein, Tangermünde, die Berliner Seen – da möchten wir auch noch mal hin.“ Beide hatten schon zu DDR-Zeiten ein Wohnmobil, ihr jetziges haben sie allerdings erst Anfang 2021 in Döbeln gekauft.

Frau Wittig ist mit ihrem Ehemann aus der Nähe von Bad Düben nach Riesa gekommen. Im Hintergrund: die Elbe und Schloss Promnitz.
Frau Wittig ist mit ihrem Ehemann aus der Nähe von Bad Düben nach Riesa gekommen. Im Hintergrund: die Elbe und Schloss Promnitz. © Christian Kluge

Apropos Kaufen und Mieten von Wohnmobilen. Heike Nicklisch, Geschäftsführerin des gleichnamigen Autohauses im Riesaer Ortsteil Weida: „Wir haben seit 2019 15 Fahrzeuge in der Vermietung und für die nächsten Monate sind fast alle Termine schon weg. Und wer sich 2022 ein Wohnmobil kaufen möchte, der muss das jetzt schon bestellen.“ Die Mietdauer bei Reisemobile Nicklisch geht von sieben Tagen bis „open End“, wie die Geschäftsführerin erklärt. Los geht es bei Tagesmietpreisen von 69 bis über 100 Euro – je nach Größe und Ausstattung des Gefährts. Eine Mietdauer von sechs Wochen ist nicht ungewöhnlich.

Wohnmobile sind im Trend: 2020 stieg der Umsatz mit gebrauchten Freizeitfahrzeugen laut ADAC um 18,2 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Zudem wurden im vergangenen Jahr 33 Prozent mehr Campingfahrzeuge als im bisherigen Rekordjahr 2019 zugelassen – mehr als 107.000 Stück. Bei Neupreisen für Wohnmobile von 70.000 Euro und mehr beachtlich. Immer mehr Winzer, Landwirte und Privatleute würden Flächen auf ihrem Grund für Campingreisende anbieten, heißt es vom ADAC.

Denn trotz der Corona-Pandemie sind viele Campingplätze in Deutschland für die Sommersaison schon ziemlich ausgebucht. Obwohl die durchschnittlichen Stellplatzpreise mit 35,43 Euro beim Spitzenreiter in Hamburg und 20,63 Euro beim deutschen Schlusslicht in Thüringen auch nicht ganz ohne sind.

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