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Was die Pandemie für Geburten bedeutet

In Riesa und Meißen kamen deutlich weniger Kinder zur Welt. Ein Gespräch mit den Chefärzten über Regeln, Trends und Corona-positive Mütter.

Die Chefärzte der beiden Geburtskliniken in den Häusern des Elblandklinikums: Dr. Marlies Leibner (Meißen) und Dr. Jörg Kotsch (Riesa).
Die Chefärzte der beiden Geburtskliniken in den Häusern des Elblandklinikums: Dr. Marlies Leibner (Meißen) und Dr. Jörg Kotsch (Riesa). © Kristin Richter

Riesa. 550 Geburten in Meißen, 442 in Riesa - die Geburtenzahlen in den beiden Häusern der Elblandkliniken sind im vergangenen Jahr recht deutlich zurückgegangen. Die SZ sprach mit Chefärztin Dr. Marlies Leibner (Meißen) und Dr. Jörg Kotsch (Riesa) über die Situation an den beiden Geburtskliniken im Landkreis - auch unter Lockdown-Bedingungen.

Frau Dr. Leibner, Herr Dr. Kotsch: Die Geburtenzahlen sind sowohl in Riesa, als auch in Meißen im Vergleich zum Vorjahr recht deutlich gesunken. Woran liegt das: Kriegen die Frauen im Elbland weniger Kinder? Oder gibt es einfach weniger junge Frauen?

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Kotsch: Ein Grund ist die Demografie: Nach der Wende wurden hier deutlich weniger Kinder geboren. Und die Mädchen von damals sind jetzt in dem Alter, in dem sie selbst Mutter werden. Das dürfte ein Thema überall im Osten sein. Ein zweiter Trend ist die Zentralisierung: Ärzte empfehlen Schwangeren häufiger als früher, sich etwa an eine Uniklinik zu wenden, wenn sich mögliche Besonderheiten bei einer Geburt abzeichnen. Dabei sind wir auch für Zwillingsgeburten oder beispielsweise Fälle von Schwangerschaftsdiabetes gut ausgestattet; in Meißen gibt es sogar eine Kinder-Diabetologin. Als dritter Grund kamen bei uns in Riesa die Bauarbeiten auf der Station dazu. Auch die von Klinik zu Klinik unterschiedlichen Corona-Regeln dürften eine Rolle gespielt haben.

Gelten denn in den Häusern Riesa und Meißen nicht dieselben Regeln?

Leibner: Doch, bei den Elblandkliniken schon. Aber der Standort Meißen hat die Besonderheit, für die Corona-Fälle bei den Elblandkliniken zuständig zu sein. Das Pflegepersonal der Frauenklinik half ab Oktober in der Corona-Station aus und die Räumlichkeiten für die Wöchnerinnen wurden eine Zeitlang mit der Kinderstation zusammengelegt. Dort konnte es mit den Entbindungen weitergehen - auch für Corona-kranke Mütter mit entsprechend separaten Räumen.

Wie sind denn aktuell die Corona-Regeln?

Leibner: Wie die gesamte Zeit schon darf eine Begleitperson komplett bei der Geburt dabei sein - wenn sie vorher ein negatives Schnelltest-Ergebnis hatte. Seit Donnerstag sind nun auch die Familienzimmer wieder nutzbar. Damit darf auch der Vater wieder die ganze Zeit von der Aufnahme bis zur Entlassung der Mutter dabei sein. Dafür ist zuvor aber auch ein negativer PCR-Test nötig. Mittlerweile sind auch wieder eingeschränkte Besuche eines festen Angehörigen bei den Wöchnerinnen möglich. Ansonsten gilt der Besuchsstopp in den Elblandkliniken weiter, außer bei Kindern und sterbenskranken Patienten.

Haben sich die Corona-Vorschriften auch auf Ihre Abläufe ausgewirkt?

Kotsch: Die üblichen Tests, Desinfektionen, Schutzmaßnahmen kamen natürlich dazu, sonst blieb bei uns in Riesa das im Wesentlichen gleich.

Leibner: Wir haben in Meißen einen Isolier-Kreißsaal eingerichtet für die Geburten von Corona-positiven Müttern. Die finden komplett getrennt von den anderen Geburten statt. Deshalb müssen wir auch Tag und Nacht eine separate Hebamme für solche Fälle in Bereitschaft halten. Bei etwa zehn Frauen war dies bisher der Fall. Das Neugeborene ist während dieser Phase die ganze Zeit bei der Mutter untergebracht, Hebammen und Schwestern betreuen sie dabei unter Vollschutz.

Hat das bisher gut funktioniert?

Leibner: Ja! Wir hatten bislang keine Corona-Infektion bei Hebammen oder medizinischem Personal.

Im Elblandklinikum Meißen wurden 2020 insgesamt 550 Kinder geboren; im Jahr davor waren es noch 607.
Im Elblandklinikum Meißen wurden 2020 insgesamt 550 Kinder geboren; im Jahr davor waren es noch 607. © Claudia Hübschmann

Wie reagieren die werdenden Eltern auf solche Vorschriften: verständnisvoll - oder eher nicht?

Leibner: Wer bislang nichts von Corona gewusst hat und plötzlich ein positives Ergebnis hat, ist natürlich geschockt. Und dann kommt in Ausnahmefällen einige Stunden später vielleicht doch ein negatives PCR-Ergebnis. Da können wir nur um Verständnis bitten. Anders geht es eben nicht.

Kotsch: Die Reaktionen sind genauso wie im Alltag außerhalb des Krankenhauses: Da gibt es einige Leute, die keine Maske tragen wollen. Die meisten aber haben Verständnis. Zu uns kommt eben ein Querschnitt der Bevölkerung.

Leibner: Man merkt in Meißen, dass die Aufenthalte auf der Wochenstation kürzer geworden sind. Und der Anteil der ambulanten Geburten hat zugenommen. Da gehen die Mütter schon nach wenigen Stunden wieder nach Hause und müssen sich dann selbst um die üblichen Nachuntersuchungen - etwa Hüft- oder Nieren-Ultraschall - kümmern.

Wie häufig kommen denn ambulante Geburten vor?

Kotsch: Das macht bei uns in Riesa etwa fünf Prozent aus.

In Großenhain und Radebeul gibt es keine Geburtenstationen. Wie groß ist denn das Einzugsgebiet von Riesa und Meißen?

Kotsch: Bei uns reicht das bis nach Südbrandenburg, die Dahlener Heide und Oschatz.

Leibner: Zu uns kommen auch Frauen aus Freiberg, Hainichen und Bad Liebenwerda. Die Großenhainer verteilen sich auf Riesa und Meißen, manche fahren über die Autobahn aber auch nach Dresden-Neustadt. Die Radebeuler orientieren sich ohnehin stark nach Dresden.

Im Nachbarlandkreis Mittelsachsen hatte jüngst die Schließung der Geburtenklinik in Leisnig für Aufregung gesorgt. Mit welchen Argumenten würden Sie werdenden Eltern von dort die Geburtenstationen in Meißen oder Riesa empfehlen?

Kotsch: Wir haben in Riesa eine gute Ausstattung, eine Kinderklinik und Ärzte, die sich mit Erkrankungen von Neugeborenen auskennen.

Leibner: Wir haben die Kapazität für noch mehr Geburten, vor allem auch genug angestellte Hebammen. In der Regel können wir eine 1:1-Betreuung bieten. Wir sind stolz, so ein stabiles Team zu haben.

Im Elblandklinikum Riesa kamen 2020 genau 450 Mädchen und Jungen zur Welt - im Jahr davor waren es noch 584.
Im Elblandklinikum Riesa kamen 2020 genau 450 Mädchen und Jungen zur Welt - im Jahr davor waren es noch 584. © Sebastian Schultz

In Riesa war im Haus 5, wo die jungen Mütter untergebracht werden, gerade gebaut worden. Stehen dieses Jahr weitere Bauarbeiten an, von denen werdende Eltern etwas mitbekommen?

Kotsch: Die Bauarbeiten dort waren schon ziemlich laut, sind aber jetzt im Wesentlichen durch. Dieses Jahr steht bei uns der Umbau des Kreißsaales an, so dass wir zeitweise mit einer Interimslösung arbeiten. Dafür bekommen wir im Anschluss einen eigenen OP-Saal Wand an Wand zum Kreißsaal, so dass wir auch gute Möglichkeiten für Not-Kaiserschnitte haben. Auch die Kinder-Intensiv-Station ist dann räumlich direkt angebunden. Das ist dann wirklich eine optimale Ausstattung.

Und wie ist die bauliche Situation in Meißen?

Leibner: Unser Kreißsaal ist erst vor zehn Jahren umgebaut worden, da haben wir gute Bedingungen für alle Beteiligten. Wir haben die Zeit der Schließung genutzt, die Station noch mal zu renovieren. Da sind jetzt keine weiteren Baumaßnahmen nötig. Schön bei uns ist der Park direkt nebenan und der Ausblick darauf.

Letzte Frage: Gibt es Nachfragen nach alternativen Arten von Geburten - etwa Wassergeburten?

Leibner: Ja, Wassergeburten sind schon häufiger nachgefragt - auch wenn dann nicht alle Mütter das auch wirklich umsetzen.

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Kotsch: Bei uns spielt auch das Thema Akupunktur eine Rolle: Da haben wir eine ausgebildete Hebamme, die für Schwangere Termine anbietet. Das wird in Riesa sehr gut angenommen.

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