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Was wird aus dem SC-Gebäude?

Das ehemalige Domizil des Sportvereins an der Freitaler Straße ist leergezogen und soll abgerissen werden. Das sollte sich Riesa gut überlegen, sagt ein Stadtrat.

Friedhelm Preuß vor dem früheren Vereinsgebäude des SC Riesa an der Freitaler Straße. Der CDU-Stadtrat würde das Gebäude gern erhalten, etwa für private Feiern und Veranstaltungen.
Friedhelm Preuß vor dem früheren Vereinsgebäude des SC Riesa an der Freitaler Straße. Der CDU-Stadtrat würde das Gebäude gern erhalten, etwa für private Feiern und Veranstaltungen. © Klaus Dieter Bruehl

Riesa. Der Fassade sieht man an einigen Stellen schon ihr Alter an, sagt Friedhelm Preuß. Der Stadtrat steht an der Freitaler Straße und blickt auf den zweistöckigen Plattenbau. Er zeigt in Richtung einer Stelle, die offenbar in den vergangenen Jahren schon einmal ausgebessert wurde. "Da müsste man etwas machen, wenn man das Gebäude weiter nutzen will."

Bis Ende 2020 war der Sportclub (SC) Riesa in dem Flachbau an der Ecke Pausitzer/Freitaler Straße ansässig. Doch mit dem Umzug von dort ins ehemalige Kaffee Starke am Rathausplatz steht der Bau an der Pausitzer Delle leer. Die Stadt hatte zuletzt auf Nachfrage verkündet, man werde das Gebäude über kurz oder lang abreißen. Friedhelm Preuß glaubt, dass sich das als Fehler erweisen könnte.

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Preuß, der für die CDU im Riesaer Stadtrat sitzt, hatte sich schon dort und Bauausschuss über die Pläne für das frühere SC-Domizil erkundigt. Auch nach der alten Kaufhalle an der Pausitzer Straße hatte er gefragt. "Beides hängt zusammen", erklärt er bei einem Spaziergang durch das Wohngebiet, in dem er selbst seit Jahrzehnten lebt. Die Kaufhalle war bis 2012 von Outlaw als Kinder,- Jugend- und Familienzentrum betrieben worden. Danach blieb noch das SC-Gebäude als Treffpunkt für Anwohner der Delle - auch außerhalb des Sports. Denn im Vereinsgebäude konnten sich auch Privatpersonen einmieten, beispielsweise für Weihnachts- und Geburtstagsfeiern. "Das wurde auch immer gut angenommen", sagt Friedhelm Preuß. Auf Nachfrage bestätigt das auch der SC. Stets ausgebucht gewesen sei man zwar nicht, es habe aber regelmäßige Anfragen gegeben.

Blick auf die Rückseite des Gebäudes. Laut Friedhelm Preuß könnte es schon genügen, einen Teil des Hauses zu erhalten.
Blick auf die Rückseite des Gebäudes. Laut Friedhelm Preuß könnte es schon genügen, einen Teil des Hauses zu erhalten. © Klaus-Dieter Brühl

Nun ist der SC weiter in die Innenstadt gezogen, der von 1988 bis 1992 als Kinderkrippe genutzte Plattenbau steht leer. Einen alternativen Ort, um für wenig Geld privat zu feiern, gibt es in dem Wohngebiet nicht. "Es kann sich nun mal nicht jeder eine Feier in der Gaststätte leisten", sagt Friedhelm Preuß. Er würde sich deshalb wünschen, dass das Angebot in irgendeiner Form erhalten bleibt. "In Pausitz gibt es so etwas auch nicht, das Einzugsgebiet wäre also groß", vermutet er.

Die Stadtverwaltung hatte bereits vor einiger Zeit angekündigt, dass der Plattenbau abgerissen werden soll. Wann das passiert, ist laut Stadtsprecher Uwe Päsler noch nicht absehbar: "Aktuell ist in der mittelfristigen Finanzplanung der Stadt kein Geld für den Rückbau eingeplant." Die Fläche will die Stadt künftig als sogenannte Kiss-and-Ride-Zone für die benachbarte Oberschule Am Sportzentrum nutzen. Friedhelm Preuß hat dafür Verständnis: Derzeit setzen viele Eltern die Kinder direkt an der Pausitzer Straße ab. "Ein Wunder, dass da noch keine Unfälle passiert sind." Die Frage sei aber, ob für das Vorhaben wirklich die gesamte Fläche gebraucht wird. Der frühere Niederlassungsleiter des Planungsbüros Ipro Consult glaubt, dass zumindest ein Teilgebäude stehen bleiben könnte.

Die Energiebilanz bleibt ein Problem

Ohnehin steht und fällt Friedhelm Preuß' Idee aber wohl mit der Frage, ob sich auch jemand für so einen Raum verantwortlich fühlt. Er favorisiert die Gründung eines Vereins, ähnlich wie beispielsweise die Initiative "Wir in Gröba", die bereits seit längerer Zeit Veranstaltungen in der Schlossremise abhalten. "So etwas ist für die innerstädtischen Bereiche meist schwerer hinzubekommen." In den Ortsteilen herrsche eben ein ganz anderer Zusammenhalt.

Ein Verein könnte auch Fördergeld einwerben, so Preuß. "Die Stadt wird die Kraft in der nächsten Zeit nicht aufbringen können. Die hat auch genug zu tun, etwa mit den Schulen, mit Infrastruktur und den Feuerwehren." Was er aber von der Stadt erwarte, sei eine Bestandsaufnahme: Was würde ein Weiterbetrieb kosten, was wäre zu machen? "Dafür haben wir ja in der Stadt ein Immobilienmanagement."

Stattgefunden hat eine solche Prüfung bisher nicht, heißt es aus dem Rathaus. Neben der offenen Betreiberfrage wäre auch noch ein anderes Problem zu klären: die schlechte Energiebilanz des Hauses. "Die Heizung nur sporadisch je nach angemeldeter Familienfeier 'anzuwerfen', ist schwer vorstellbar", so Uwe Päsler.

Auch Friedhelm Preuß glaubt, dass es ganz ohne Investitionen in dem Gebäude nicht gehen wird. Zumindest versuchen sollte man aber, es zu erhalten, sagt er. "Wenn das Gebäude erst mal weggerissen ist, dann ist es zu spät." Eine spontane Idee hat der Stadtrat dann noch beim Rundgang durch das Viertel. Vielleicht könne man ja eine Bürgerversammlung vor Ort abhalten? Dann ließe sich abklopfen, ob es überhaupt Interesse an dem Angebot gibt. Bei einer entsprechenden Anwohnerinitiative wäre er auch selbst mit dabei, sagt er.

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