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Wenn Licht krank macht

Der Riesaer Sven Schöne will mit den "Paten der Nacht" auf Folgen von Lichtverschmutzung aufmerksam machen. Ohne den erhobenen Zeigefinger, sagt er.

Der Lichtkasten zeigt den Unterschied: Je wärmer das Licht, desto geringer die Auswirkungen auf die Umwelt, sagt Sven Schöne. Die Lampen vorn zeigen verschiedene Möglichkeiten, Lichtstreuung zu reduzieren.
Der Lichtkasten zeigt den Unterschied: Je wärmer das Licht, desto geringer die Auswirkungen auf die Umwelt, sagt Sven Schöne. Die Lampen vorn zeigen verschiedene Möglichkeiten, Lichtstreuung zu reduzieren. © Klaus Dieter Bruehl

Riesa. Ein Druck auf den Schalter, schon fangen die auf dem Holzkasten verschraubten Lampen zu leuchten an. Zehn Stück sind es, aber Sven Schönes Augenmerk liegt erst einmal auf den vordersten fünf. Die LEDs sind geordnet - von einem eher warmen Leuchten oder Glimmen bis hin zu strahlend weißem Licht, das beim Hinsehen regelrecht blendet. Neben den Lampen hat Schöne Plaketten angebracht, die die Lichtwärme in Kelvin angeben. "Alles unter 3.000 Kelvin ist schon mal okay", sagt er. Es könnten aber noch etwas weniger sein.

Sparsam soll sie sein und möglichst hell: Wenn es um die Beleuchtung im eigenen Garten, Haus oder auch entlang der Straße geht, dann sind die Kriterien beim Kauf meist in etwa die gleichen. Die wenigsten Menschen denken in dem Moment darüber nach, welche weiteren Effekte die nächtliche Beleuchtung haben kann: Pflanzen verändern ihren Vegetationszyklus, tagaktive Tiere verlieren Schlafplätze, für Insekten wird manche Laterne zur Todesfalle. Auch der Mensch bleibt nicht verschont: zu viel künstliches Licht kann sich auf den Melatoninhaushalt auswirken - und damit zu Schlafproblemen führen.

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"Wir wollen es nicht stockdunkel haben"

Den meisten Leute fehlt es an Bewusstsein für das Thema, sagt Sven Schöne. Er will das ändern - und hat sich deshalb den "Paten der Nacht" angeschlossen, einer Initiative, die gegen Lichtverschmutzung ankämpft. Wobei Schöne selbst diese Wortwahl wohl zu martialisch wäre: Der Riesaer will gerade nicht nörgeln und mit dem Finger auf diejenigen zeigen, die es aus seiner Sicht übertreiben mit dem Licht. "Das Ziel ist es, die Positivbeispiele hervorzuheben."

Die gibt es durchaus, auch in Riesa. Einen Anfang habe die Stadtverwaltung beispielsweise an der Kurt-Schlosser-Straße im Efre-Fördergebiet "Merzdorf" gemacht, wo beim Austausch alter Lampen bewusst etwas wärmeres Licht gewählt worden sei. Das könnte ruhig Schule machen, findet Schöne, der selbst als Elektriker arbeitet. Viel teurer wäre auch das wärmere Licht nicht. "Die Effizienz bei 'tageslichtweißen' Lampen ist leicht besser, aber das sind maximal zehn Prozent."

Was auch Schöne und die Paten der Nacht nicht wollen, sind Nachtabschaltungen - auch wenn absolute Dunkelheit aus biologischer Sicht am günstigsten wäre. "Wir wollen es nicht stockdunkel haben, sondern ein Maß finden." Straßenbeleuchtung lasse sich bis zu einem gewissen Grad dimmen, ohne dass dem menschlichen Auge das in der Nacht auffällt - an der Schlosserstraße passiere das bereits.

Keine Negativpreise geplant

Dazu kommt noch das Ziel, Streuung zu vermeiden. "Das ist ja der Vorteil: Licht kann man gut lenken." Ein paar Möglichkeiten hat Sven Schöne mit auf dem Lichtkasten installiert, etwa eine Leuchte mit Kopfspiegel, die damit kein Licht nach oben strahlt. Industriebetriebe könnten etwa ihre Nachtbeleuchtung so ausrichten, dass wirklich nur das eigene Gelände angestrahlt wird. Sven Schöne vergleicht das mit dem Beispiel vom Rasensprenger: Da werde manchmal penibel drauf geachtet, dass kein Wasser aufs Nachbargrundstück gelange. "Aber beim Licht sind wir freigiebig und 'schenken' es dem Nachbarn." Dabei würden da manchmal schon Lampen mit einfachen Blenden helfen - und teils sogar noch beim Sparen helfen.

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Bislang sei die Regionalgruppe der Paten der Nacht ein Zusammenschluss von bisher sechs Leuten aus dem Landkreis Meißen. "Aber wir sind kein Verein", sagt Sven Schöne. In Zukunft wolle man Unternehmen und Privatpersonen Tipps geben, wenn diese etwas gegen Lichtverschmutzung tun wollen - und Vorreiter bei dem Thema küren. Das sei sinnvoller, als ein Negativpreis, findet Schöne. Und habe noch den Nebeneffekt, dass Unternehmen damit ein wenig für sich werben könnten.

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