merken
PLUS Riesa

WGR plant Millionenprojekt in Weida

100 Wohnungen will der Großvermieter abreißen, dafür einen Block schick umbauen. Das stößt nicht nur auf Begeisterung.

So soll der Wohnblock Dresdner Straße 1-11 nach der Sanierung aussehen - ein Blick aus Richtung Rostocker Straße. Der Mietpreis wird dann bei mehr als sechs Euro pro Quadratmeter liegen.
So soll der Wohnblock Dresdner Straße 1-11 nach der Sanierung aussehen - ein Blick aus Richtung Rostocker Straße. Der Mietpreis wird dann bei mehr als sechs Euro pro Quadratmeter liegen. © Visualisierung: WGR

Riesa. Noch müssen die Mieter Treppen steigen. Besonders viele sind es allerdings nicht mehr: Die Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR) hat den Block Dresdner Straße 1 bis 11 schon weitgehend leerziehen lassen. "Elf Mieter sind noch drin", sagt WGR-Geschäftsführer Roland Ledwa. "Und die können auch drin bleiben."

Allerdings können sich die Bewohner auf größere Umbaumaßnahmen gefasst machen. Denn Riesas größter Vermieter plant an dem Wohnblock zwischen Dresdner und Rostocker Straße die mit Abstand größte Investition des Jahres. Das Vorhaben ist so groß, dass dabei auch der Stadtrat ein Wort mitzureden hat: Die WGR will für das Bauvorhaben einen Kredit von fünf Millionen Euro aufnehmen - das übersteigt das Volumen, über das die Stadt-Tochter allein entscheiden darf.

Anzeige
Ausschreibung der Gemeinde Lohsa
Ausschreibung der Gemeinde Lohsa

Wir suchen zur Betreibung der Kindertagesstätten in Lohsa einen Träger.

Derzeit sind noch 20 Wohnungen im Weidaer Wohnblock belegt. Der Teil ganz links wird abgerissen. Im Hintergrund: das zuletzt sanierte WGR-Hochhaus Chemnitzer Straße 2.
Derzeit sind noch 20 Wohnungen im Weidaer Wohnblock belegt. Der Teil ganz links wird abgerissen. Im Hintergrund: das zuletzt sanierte WGR-Hochhaus Chemnitzer Straße 2. © Klaus D.Bruehl

Für das Geld soll ein Wohnblock mit derzeit 60 Wohnungen richtig schick gemacht, gleichzeitig aber auch drei benachbarte Blocks abgerissen werden. "Ende Februar wollen wir den Aufgang Nummer 13 mit zehn Einheiten abreißen", sagt Ledwa. Damit stünde der Block mit den Hausnummern 1 bis 11 frei - und man habe dort Baufreiheit. "Nächstes Jahr wird dann der Mittelblock mit den Nummern 15 bis 23 abgerissen, im Jahr drauf dann der hintere Block mit den Nummern 25 bis 31", sagt der Geschäftsführer.

Durch die Abrisse nimmt der städtische Großvermieter 100 Wohnungen "vom Markt", wie es in der Branchensprache heißt. Man reagiere damit auf Riesas Einwohnerentwicklung: Da die Stadt Jahr für Jahr um etwa ein Prozent schrumpfe, müsse es auch der Wohnungsbestand.

Im Gegenzug soll dann freistehende Block Nummer 1 bis 11 zum Vorzeigeobjekt werden. Vorbild ist ein Block, den die WGR-Tochter Wohnungsgesellschaft Nünchritz in den vergangenen Jahren umgebaut hat. Am Karl-Liebknecht-Ring war ein zuvor unauffälliger Standard-Wohnblock in ein Gebäude mit außen angesetztem Aufzug und Laubengängen an den drei oberen Stockwerken geworden. Schon damals hieß es, das könne bei einem Erfolg ein Vorbild für Riesa werden. "Nünchritz ist gut geworden, die Dresdner Straße wird aber noch besser", sagt Roland Ledwa.

Während man in Nünchritz auf einem schmalen Grundstück habe hinkommen müssen, könne man in Riesa den geplanten Laubengang breiter und mit mehr Abstand zum Hauptgebäude errichten - dort ist das verfügbare Grundstück einfach größer.

So werden mit einem Aufzug die Ebenen 3, 4 und 5 erschlossen. Den großen Umbau nutzt man auch dafür, durch Grundrissänderungen einige Wohnungen zu größeren Einheiten zusammenzulegen.

Zum Vergleich: So sieht der Block aus, den die WGR-Tochter Wohnungsgesellschaft Nünchritz vor zwei Jahren saniert und umgebaut hatte. Er dient als Vorbild für die jetzige Sanierung.
Zum Vergleich: So sieht der Block aus, den die WGR-Tochter Wohnungsgesellschaft Nünchritz vor zwei Jahren saniert und umgebaut hatte. Er dient als Vorbild für die jetzige Sanierung. © Sebastian Schultz

Für die Mieter soll es zudem neue Stellplätze vor dem Haus geben, auch eine Carport-Anlage ist geplant. Parkplätze seien dort knapp gewesen. Während man früher mit einem Stellplatz pro zwei Wohnungen kalkulierte, ist das Verhältnis heutzutage eher umgekehrt. Schon jetzt wurde ein Teil des Grünstreifens weg genommen und laut dem WGR-Chef "Wildwuchs" entfernt. Allerdings soll es auch Nachpflanzungen geben. "Was genau, entscheidet sich dann in zwei Jahren."

Über diese zwei Jahre verteilt sich auch die geplante Gesamt-Investition von sechs Millionen Euro für das Vorhaben an der Dresdner Straße. "Das ist aber günstiger, als wenn wir dort einen Neubau hinstellen würden", sagt der 58-Jährige.

Ohnehin wirtschafte man bei der WGR ordentlich, sagt der Geschäftsführer. "Wie haben einen kontinuierlichen Rückgang bei der Verschuldung. Aktuell liegen unsere Kredite bei 44 Millionen Euro, in Höchstzeiten waren es mal mehr als 100 Millionen." Dabei investiere man laufend pro Jahr fünf bis sechs Millionen Euro.

So soll die Seite Richtung Dresdner Straße künftig aussehen.
So soll die Seite Richtung Dresdner Straße künftig aussehen. © Visualisierung: WGR

Manch Stadtrat äußert sich schon im Vorfeld der Abstimmung der Februar-Sitzung kritisch: Warum investiert die WGR ausgerechnet im Wohnblock an der Dresdner Straße so viel Geld? Schließlich zeigt eine Front doch direkt auf die stark befahrene Rostocker Straße - wo der Verkehr perspektivisch noch zunehmen könnte: Sie ist eine kurze Verbindung zwischen Hafen, Reifenwerk, Feralpi Stahl und B 169.

Bei der WGR verweist man darauf, dass der Wohnstandort in Weida trotzdem attraktiv sei. Was den Verkehrslärm angehe, verbaue man moderne Dreifachverglasung. Außerdem hätten alle Wohnungen auch Fenster auf die ruhigere Seite. Bewusst habe man sich dafür entschieden, den Block stehen zu lassen, der näher zu den Einkaufsmöglichkeiten an Rostocker und Langer Straße stehe.

Weida sei mit Einzelhandel, Ärzten und Bushaltestellen gut erschlossen. "Wenn wir Blöcke für Sanierungen frei lenken, wollen 80 Prozent unser Mieter bei uns wohnen bleiben", sagt Ledwa. Nur ein kleinerer Teil ziehe beispielsweise zu den Kindern um - oder direkt in Senioreneinrichtungen. So seien auch im zuletzt sanierten Hochhaus Chemnitzer Straße 2 - direkt neben der neuen Baustelle - die meisten Wohnungen bereits wieder vermietet, dabei hätte man vor dem Umbau 40 der 80 Wohnungen freigelenkt.

Die geplante Maßnahme ordne sich in ein Konzept ein, das bis zum Jahr 2030 reiche. Das sieht auch weitere Abrisse vor, nächstes Jahr etwa den Block Plauener Straße 7 bis 11. "Weitere Adressen nennen wir noch nicht, weil sich das je nach Nachfrage immer noch ändern kann", sagt Roland Ledwa. Und vielleicht gäbe es ja doch noch eine Trendwende bei Riesas Einwohnerentwicklung.

Wenn abgerissen werde, dann aber vorrangig in Weida, Merzdorf und der Pausitzer Delle. "Im Stadtzentrum sind wir mittlerweile mit der Sanierung durch."

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Riesa