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Wie Corona Riesas Partnerstadt trifft

Mannheim ist zehnmal so groß wie Riesa. Bei den Inzidenz-Werten allerdings liegt die Stadt in Baden-Württemberg weit unter dem sächsischen Partner.

Kein Treff ohne Maske: Das gilt auch in Riesas Partnerstadt Mannheim, wo am 11. Januar in der "Citykirche Konkordien" eine Essensausgabe für Bedürftige begonnen hat.
Kein Treff ohne Maske: Das gilt auch in Riesas Partnerstadt Mannheim, wo am 11. Januar in der "Citykirche Konkordien" eine Essensausgabe für Bedürftige begonnen hat. © Uwe Anspach/dpa

Mannheim. Ob an der Elbe oder am Rhein: Die Mund-Nasen-Maske gehört in Riesa wie auch in der Partnerstadt Mannheim längst zum Stadtbild. In der 300.000-Einwohner-Stadt in Baden-Württemberg wird sie auch zum Auftakt der sogenannten Vesperkirche getragen: einer regionalen Tradition, Bedürftigen im Winter warme Mahlzeiten auszugeben.

Mit Stand vom 11. Januar 2021, 16 Uhr, wurden in Riesas Partnerstadt knapp 9.000 bestätigte Corona-Infektionen vermeldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz dort beträgt laut Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg am Montag allerdings lediglich 157,7. Zum Vergleich: Im Landkreis Meißen liegt dieser Wert zum selben Zeitpunkt mehr als dreimal so hoch, bei 546,9. Ein Rückblick, wie es dazu kam. (SZ/csf)

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Von Steffen Mack, Redakteur des Mannheimer Morgen

Am 11. Februar steht das neue Wort im „Mannheimer Morgen“ erstmals im Lokalteil. Mit einer Überschrift, die sich bald auf fatale Weise als allgemeine Fehleinschätzung entpuppen sollte: „Beim Coronavirus überwiegt in Mannheim die Gelassenheit.“ Damals scheint die „Krankheit aus China“ (so die Dachzeile) noch weit, weit weg. Und im Artikel geht es darum, dass sich Menschen mit asiatischem Aussehen in dieser Stadt – anders als in anderen – bis dato nur vereinzelt merkwürdigen Blicken und dummen Sprüchen ausgesetzt sehen.

Keine drei Wochen später ist die „Krankheit aus China“ erkennbar in Mannheim angekommen. Das Theresienkrankenhaus muss am 2. März den ersten Corona-Patienten stationär aufnehmen, einen 54-jährigen Rückkehrer aus dem Iran. Der Mann, über den auf seinen Wunsch hin öffentlich nichts weiter bekannt wird, kann 16 Tage später als geheilt entlassen werden.

Am 4. März bekommt im Gemeinderat erstmals jemand das Wort erteilt, der ab dann in jeder wichtigen Gremiensitzung und fast immer als Erstes gehört wird: Peter Schäfer, Leiter des Gesundheitsamts. Er berichtet von insgesamt drei Infizierten: neben dem 54-Jährigen in der Klinik ein 68-Jähriger mit Kontakt zu Südtirol-Urlaubern und ein 24-Jähriger, der in Nordrhein-Westfalen Karneval gefeiert hat.

In jener Sitzung bezeichnet Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz die Einhaltung der Hygieneregeln als „Gebot der Stunde“. Weil sich Anfragen besorgter Bürger häufen, schaltet die Stadt eine Corona-Hotline. Kurz danach geht das ganze Land in den Lockdown.

Am 1. April werden in Mannheim die ersten Todesfälle gemeldet, zwei über 80-Jährige mit Vorerkrankungen. Die Corona-Zahlen erreichen mit 25 Neuinfizierten pro Tag ihren ersten Höhepunkt, gehen aber bald zurück. Anfang Mai werden erstmals wieder null Neuinfektionen gemeldet. Der Anteil der Noch-Infizierten sinkt in den einstelligen Bereich, vor Pfingsten ist diese Stadt fast wieder offiziell Corona-frei.

Zwischen den Pfingst- und den Sommerferien bleiben die Zahlen großteils auf niedrigem Niveau, das Leben geht in vielen Bereichen schon fast wieder seinen gewohnten Gang. Aber Abstands- und Hygieneregeln gelten unverändert, was etwa die Öffnung der Freibäder kompliziert macht. Die neuen, später veränderten Zugangsregeln, von denen vor allem Familien profitieren, sorgen für viel Verdruss – und überfüllte Seen auf der Vogelstang und der Rheinau.

Die Kinos sind bis auf Weiteres dicht - das gilt in Riesa genauso wie im Mannheim (Foto).
Die Kinos sind bis auf Weiteres dicht - das gilt in Riesa genauso wie im Mannheim (Foto). © Christian Schall

Zur Entlastung des Ordnungsdienstes setzt die Stadt rund um den Wasserturm (ein bekanntes Wahrzeichen am Rand der Innenstadt) erstmals eine private Sicherheitsfirma ein. Im Szeneviertel Jungbusch mehren sich die Beschwerden von Anwohnern über laute und unvorsichtige Partygänger. Mitte September verbietet die Stadt dort am Wochenende den Alkoholverkauf außerhalb von Gaststätten.

Zum Ende der Sommerferien steigen die Corona-Zahlen wieder kontinuierlich an. Als Hauptgrund gelten Reiserückkehrer, in den Stadtteilen werden Testmöglichkeiten für alle Urlauber eingerichtet.

Im Oktober gehen die Zahlen plötzlich stark nach oben. Die Stadt reagiert mit Einschränkungen für private Veranstaltungen und der Maskenpflicht in einigen Innenstadt-Bereichen. Am 15. Oktober steigt die Sieben-Tage-Inzidenz erstmals über die kritische Marke von 50. Der „Mannheimer Morgen“ titelt auf Seite 1: „Mannheim ist jetzt Risikogebiet.“

Der ab 2. November bundesweit verhängte „Lockdown light“ bringt keine Entlastung. Zwischenzeitlich stagnieren die Zahlen, dann gehen sie weiter steil nach oben. Mitte November steigt die Inzidenz auf über 200. Mannheim zählt jetzt offiziell zu den „Corona-Hotspots“ in Deutschland. Die Landesregierung prüft zusätzliche Maßnahmen für diese Kommunen. Darauf will die Stadt am 3. Dezember nicht mehr warten: Sie verhängt auf eigene Faust eine nächtliche Ausgangssperre.

Daraufhin beginnen die abendlichen Hauptnachrichten in ARD und ZDF mit Bildern aus Mannheim: menschenleere Planken und Polizeikontrollen auf den Straßen. Kurz darauf ziehen weitere Kommunen nach, eine Woche später erlässt das Land für ganz Baden-Württemberg eine nächtliche Ausgangssperre.

Trotz der Verschärfungen auch auf Bundesebene, kletterten die Zahlen allerdings weiter nach oben, die Lage in den Krankenhäusern spitzt sich vor den Feiertagen zu. Außer Corona-Infizierten können nur noch Notfälle versorgt werden, auch Geburtshilfe bleibt möglich.

Hoffnung macht indes das Impfzentrum, das die Feuerwehr Mitte Dezember in Rekordzeit in der Maimarkthalle aufgebaut hat. Von hier aus starten seit dem 27. Dezember die mobilen Impfteams. Das Impfzentrum selbst startete am 4. Januar. Wegen des knappen Impfstoffes können statt der ursprünglich angekündigten 1.680 Impfungen täglich anfangs allerdings lediglich 420 vorgenommen werden.

Mannheim ist seit 1988 Partnerstadt von Riesa. Die vom Städtepartnerschaftsverein "Riesa und die Welt" geplanten Begegnungen hatten schon im Frühjahr 2020 abgesagt werden müssen. 2019, beim Riesaer Stadtjubiläum, war Mannheim noch mit acht Gästen an der Elbe vertreten.

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