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Wie Kachelmann nach Riesa kam

Vor 20 Jahren erhielt die Stadt eine Wetterstation - und das hatte erheblich mit Autoreifen zu tun.

Genau 20 Jahre ist das Foto alt, das der Riesaer Kurt Hähnichen hält: Es zeigt ihn als damaligen Geschäftsführer des Autohauses Gute Fahrt (in hellem Anzug) mit Jörg Kachelmann und Riesas damaligem Bürgermeister Wolfram Köhler (rechts daneben).
Genau 20 Jahre ist das Foto alt, das der Riesaer Kurt Hähnichen hält: Es zeigt ihn als damaligen Geschäftsführer des Autohauses Gute Fahrt (in hellem Anzug) mit Jörg Kachelmann und Riesas damaligem Bürgermeister Wolfram Köhler (rechts daneben). © Sebastian Schultz

Riesa. Maximal 17 Grad, 8 km/h Wind aus Nordwest, nachmittags stark bewölkt - die Prognosen von Kachelmann-Wetter für Dienstag, 29. September. Seit 20 Jahren gibt es eine Wetterstation von Jörg Kachelmann in Riesa. Zur Einweihung im September 2000 war der Schweizer Wetterguru persönlich da, wie ein Foto von damals zeigt: Da sehen wir Kachelmann in offenem Mantel und Oberhemd ohne Krawatte, daneben den damaligen 1. Bürgermeister Wolfram Köhler (CDU) und auf der anderen Seite den CDU-Stadtrat Kurt Hähnichen, als damaliger Geschäftsführer des Autohauses Gute Fahrt noch mit Schnurrbart. Mehrere andere Herren gehören zum Fuldaer Reifenwerk.

Denn aufgestellt worden war die Wetterstation damals unter Trägerschaft des Autohauses. Und dabei spielte das Urgestein Kurt Hähnichen eine zentrale Rolle. "Zu Wendezeiten arbeitete mein Onkel im Fulda-Reifenwerk", erinnert sich der 73-Jährige. Noch als Chef der PGH "Gute Fahrt" fuhr er 1990 nach Fulda und führte dort Gespräche auf Chef-Ebene. "Schließlich hatten wir in Riesa damals 30.000 Reifenkunden."

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Den Preis erhielt Hähnichen als Chef des Riesaer Gute-Fahrt-Autohauses 1996 vom Reifenhersteller Fulda. Wenig später beriet man über eine Wetter-Kooperation.
Den Preis erhielt Hähnichen als Chef des Riesaer Gute-Fahrt-Autohauses 1996 vom Reifenhersteller Fulda. Wenig später beriet man über eine Wetter-Kooperation. © Sebastian Schultz

Davon sei man in Hessen begeistert gewesen, hätte sich später im Riesaer Sachsenhof getroffen und eine Vereinbarung getroffen: Das Autohaus Gute Fahrt sollte als Einziges im Osten direkt von Fulda beliefert werden. Offenbar lief die Kooperation gut, denn 1996 wurde Hähnichen nach Fulda eingeladen und bekam dort als Vertriebspartner eine Art Reifen-Oscar überreicht.

Aber das sollte nur der Auftakt für eine weitere Zusammenarbeit sein. Weil der Pneu-Hersteller mit Allwetter-Reifen für sich warb, hatten die Hessen mit "Fuldanet" schon eine Kooperation mit dem Wetterdienst von Kachelmann. "Und dann kam die Empfehlung an uns Riesaer: 'Ihr seid leistungsstark, bewerbt euch doch beim Kachelmann um eine eigene Wetterstation'", erinnert sich Kurt Hähnichen. Nach kurzem Überlegen fand man das beim Autohaus Gute Fahrt gut - auch aus Marketing-Gesichtspunkten. Und so kam es dann zur Einweihung der Wetterstation am 16. September 2000.

Damals war als Standort die Elbwiese nahe des Riesaer Wassersportvereins gewählt worden. Dort wurde sie, wie sich Hähnichen bis heute erinnert, mit etwa 100 Leuten und einer Bühne eingeweiht. "Kachelmann kam mit Schirm, weil es geregnet hat." 

Regen ist für eine Wetterstation natürlich kein Problem - aber zu viel Wasser schon: In den Folgejahren sollte die Riesaer Station an der Elbe zweimal im Hochwasser stehen. Dazu kamen böswillige Leute, die mit Kippen Zielwerfen über die Umzäunung in den stählernen Behälter für die Niederschlagsmessung machten.

Heute steht die Riesaer Wetterstation auf dem Gelände der Stadtwerke am Alten Pfarrweg. Dort werden etwa Niederschlag, Luftfeuchte, Temperatur und Wind gemessen.
Heute steht die Riesaer Wetterstation auf dem Gelände der Stadtwerke am Alten Pfarrweg. Dort werden etwa Niederschlag, Luftfeuchte, Temperatur und Wind gemessen. © Eric Weser

Und so zog die Station von Kachelmanns damaliger Meteomedia AG im Sommer 2007 um - vom gefährdeten Standort an der Elbe hinaus nach Weida zu den Stadtwerken Riesa. Das Unternehmen baute auf seinem Betriebsgelände am Alten Pfarrweg ein Fundament und verlegte Strom- und Datenkabel. "Im Gegenzug bekommen wir Wetterdaten, die wir für die Prognose unserer Liefermengen brauchen", sagt Katja Sieber von den Stadtwerken.

Rund um die Uhr misst die Station die Temperatur in fünf Zentimeter Höhe und in zwei Meter Höhe, außerdem die Luftfeuchte, die Windgeschwindigkeit und -richtung, Niederschlagsmenge und Sonnendauer. Gesendet werden die Daten vollautomatisch im  Stundentakt.

Verändert hat sich seitdem einiges: Kachelmann hatte jahrelang Ärger mit der Justiz, Hähnichen schied nach einem folgenschweren Rechtsstreit beim Autohaus Gute Fahrt aus, die Schweizer Meteomedia AG wurde 2013 von der Londoner Meteogroup übernommen. Aber die Daten für den Wetterbericht werden bis heute zuverlässig aus Riesa geliefert.

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