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"Wir fahren nur noch Einsätze"

Unter Corona-Bedingungen ist auch für die Feuerwehr Riesa kaum noch was normal. Ein Gespräch mit Wehrleiter Robert Gudat.

Kaum noch als Feuerwehrmann zu erkennen: Brandmeister-Anwärter Thomas Nitschmann von der Riesaer Feuerwehr zeigt, wie sich Kameraden für den Einsatz bei Corona-Patienten ausrüsten müssen.
Kaum noch als Feuerwehrmann zu erkennen: Brandmeister-Anwärter Thomas Nitschmann von der Riesaer Feuerwehr zeigt, wie sich Kameraden für den Einsatz bei Corona-Patienten ausrüsten müssen. © Sebastian Schultz

Riesa. Herr Gudat, die Frage lässt sich derzeit nicht vermeiden: Sind Sie und Ihre Kameraden eigentlich gesund?

Ja, derzeit sind alle gesund! Wir hatten aber auch schon ein, zwei Quarantänefälle bei den ehrenamtlichen Kräften und auch schon zwei positive Tests.

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Alles andere wäre bei den Zahlen in Riesa ja auch überraschend. Wann war eigentlich der letzte reguläre Ausbildungsdienst in der Stadt?

Da muss ich kurz überlegen: Das war wohl im September/Oktober 2020. Wir haben die Dienste ausgesetzt, als der Inzidenzwert in Riesa auf über 50 ging.

Das ist ja ein Wert, von dem man heute träumen könnte. Wie sind die Regeln für die Riesaer Feuerwehr aktuell?

Wir fahren nur noch Einsätze. Alles andere ist untersagt. Nicht nur die Dienste, auch die sonst übliche gemeinsame Einsatzauswertung nach der Rückkehr. Ansonsten gilt es, auch beim Einsatz, wenn möglich, 1,50 Meter Abstand zu halten. Schon vor dem Einsteigen in die Fahrzeuge müssen sämtliche Kameraden Masken aufsetzen. Nach dem Einsatz sind Lenkräder und Handläufe in den Fahrzeugen zu desinfizieren. Und wenn wir in Kontakt mit Covid-Patienten kommen, müssen die Beteiligten schon vorher einen Einweg-Schutzanzug anziehen, Einweghandschuhe und mindestens FFP-2-Masken tragen.

Robert Gudat (33) ist seit 2019 Stadtwehrleiter in Riesa und damit nicht nur für knapp 20 hauptamtliche Kräfte, sondern auch für rund 100 ehrenamtliche Einsatzkräfte verantwortlich.
Robert Gudat (33) ist seit 2019 Stadtwehrleiter in Riesa und damit nicht nur für knapp 20 hauptamtliche Kräfte, sondern auch für rund 100 ehrenamtliche Einsatzkräfte verantwortlich. © Klaus-Dieter Brühl

Sind davon genug da?

Die haben wir uns selbst beschafft, auf der Hauptstelle stehen auch FFP-3-Masken zur Verfügung.

Hatten Sie denn tatsächlich schon Einsätze mit Covid-Betroffenen?

Ja, einige Einsätze für Türöffnungen oder als Tragehilfe für den Rettungsdienst gab es schon. Der Rettungsdienst informiert uns in solchen Fällen zuvor, dass ein Covid-19-Verdacht besteht, dann rüsten wir uns schon außerhalb der Wohnung aus.

Bei der Gröditzer Feuerwehr gilt jetzt die Regel, dass die Fahrzeuge bei Einsätzen nicht mehr voll besetzt werden und deshalb unter Umständen mehrere, nicht voll besetzte Fahrzeuge ausrücken. In Riesa auch?

Nein. Wenn ich beispielsweise bei einem Großbrand zwei Fahrzeuge voll besetzen kann, dann rücken die auch so aus. Aber dafür gilt bei uns die klare Ansage: Wer Grippe- oder auch nur Schnupfensymptome hat, hat derzeit beim Einsatz nichts verloren!

Sie selbst hatten nach Ihrer Wahl zum Stadtwehrleiter 2019 zunächst noch einen monatelangen Lehrgang an der Landesfeuerwehrschule in Nardt antreten müssen. Sind Sie denn damit nun fertig?

Ja. Seit Ende Oktober zähle ich nun offiziell zum Gehobenen Feuerwehrtechnischen Dienst.

Meinen Glückwunsch! Litt denn die Ausbildung auch unter den Corona-Vorschriften?

Zum Glück waren wir mit dem meisten schon fertig, als es losging. Allerdings mussten die mündlichen Prüfungen - eine komplette Prüfungswoche - um sechs Wochen verschoben werden, weil es genau in die erste Covid-Welle reinkam. Zum Glück konnte die Landesfeuerwehrschule das möglich machen. Danach habe ich noch drei Monate Praktikum in Freiberg und vier Monate in Pirna absolviert.

Warum ausgerechnet dort?

Ich wollte Städte haben, die eine ähnliche Feuerwehr-Struktur wie Riesa haben, mit ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräften. In Dresden oder Leipzig etwa sieht das ganz anders aus.

Und: Konnten Sie was lernen?

Natürlich! Grundsätzlich läuft es zwar überall ähnlich. Aber der Erfahrungsaustausch und das Knüpfen von Kontakten helfen ungemein. Bei den Themen Personal und Ausbildung haben wir alle ähnliche Probleme.

In der Zwischenzeit hatten Sie sich in Riesa vertreten lassen müssen. Hat das gut geklappt?

Ja! Mit Dieter Böcke haben wir einen sehr erfahrenen Stellvertreter, der meinen Posten übernommen hat, dafür ist jemand aus der Wachabteilung auf seine Stelle nachgerückt. Das hat gut geklappt.

Und wie geht es nun weiter? Bei der Zeithainer Feuerwehr etwa wurden alle Dienste und auch Ausbildungen bis auf Weiteres ausgesetzt ...

Das ist bei uns auch so. Auch die für Februar geplante Jahreshauptversammlung wird nicht stattfinden, Ausbildungen wird es wohl bis Ostern keine geben.

Aber das wirkt sich doch irgendwann auf den Ausbildungsstand der Kameraden aus ...

Ja. Das wird für alle Feuerwehren noch ein Thema. Denn der Gesetzgeber verlangt, dass wir für alle Freiwilligen 40 Stunden Dienst im Jahr nachweisen. Und wie wollen wir das dieses Jahr bei Schichtarbeitern noch schaffen? Die können auch in normalen Zeiten oft nur alle zwei oder drei Wochen am Dienst teilnehmen. Das wird schwierig.

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