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Wird eine Kindereinrichtung geschlossen?

Die Gemeinde Stauchitz hat eine Studie zu ihren Einrichtungen erstellen lassen. Einer droht demnach die Schließung.

Wohnhaus mit Anbau: die Kindertagesstätte in Stauchitz.
Wohnhaus mit Anbau: die Kindertagesstätte in Stauchitz. © Sebastian Schultz

Stauchitz. Die Gemeinde hat sozusagen ein Luxusproblem, um das sie andere beneiden. Sie verfügt über deutlich mehr Kapazitäten in ihren beiden Kindertagesstätten, als benötigt werden, vor allem im Krippenbereich. Hier sind im Schnitt 20 Prozent der Plätze nicht belegt. Im Kindergartenbereich sieht es mit einer Auslastung von durchschnittlich 96 Prozent besser aus. Doch auch hier ist es jederzeit möglich, den Bedarf zu decken.

Sorgenkind ist der Hort der Grundschule Ragewitz. Dieser ist zu 145 Prozent belegt. Wie das geht? Nur dank einer Ausnahmegenehmigung. Normalerweise hat der Hort eine Kapazität für 80 Mädchen und Jungen. Nur durch die Ausnahmegenehmigung können bis zu 120 Kinder betreut werden. Wie das mit Ausnahmegenehmigungen aber nun mal ist, laufen diese irgendwann aus. Deshalb ist Handeln dringend erforderlich. "Das Hortgebäude ist eine Zumutung, der Platz nicht ausreichend. Hinzu kommt, dass wir ab dem kommenden Schuljahr acht Klassen in der Grundschule haben werden, zwei in jedem Jahrgang. Es gibt aber nur sieben Horträume", sagt Dirk Zschoke, der neue Bürgermeister.

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Baukosten enorm gestiegen

Die Gemeinde will nun ein neues Hortgebäude in Ragewitz bauen lassen. Die Kosten sind enorm, werden auf 3,5 bis vier Millionen Euro geschätzt. Das ist der jetzige Stand. Gemeinderat Rüdiger Lorenz macht auf enorm gestiegene Baukosten aufmerksam. So habe man 2008 noch eine komplette Oberschule für drei Millionen Euro hingestellt. Bürgermeister Zschoke, der zuvor viele Jahre Bauamtsleiter in der Gemeinde war, pflichtet ihm bei. "Damals haben wir mit Baukosten von 1.250 Euro pro Quadratmeter kalkuliert. Heute sind es schon 2.000 Euro je Quadratmeter."

Klar ist, dass der Hortneubau nur mit Fördermitteln möglich ist. Zschoke hofft auf ein neues Förderprogramm des Freistaates Sachsen, das eine Förderung von 50 Prozent der Kosten verspricht. Um an Fördergelder zu kommen, ist nicht nur schnelles Handeln nötig, sondern auch eine Planung. Deshalb vergab der Gemeinderat jetzt Planungsleistungen.

Doch nicht nur im Hort stehen Änderungen an, auch in den beiden Kindertagesstätten in Staucha und Stauchitz. Dazu hat die Gemeinde eine Konzeptstudie anfertigen lassen. Dabei geht es um zukunftsfähige bauliche Lösungen. Denn der Zustand beider Einrichtungen ist trotz einiger Instandhaltungs- und Sanierungsarbeiten in den vergangenen Jahren nicht der beste. Das liegt auch daran, dass es sich um alte Gebäude handelt. In Stauchitz ist es ein Wohnhaus, in Staucha eine frühere Schule. Die Betriebskosten sind im Vergleich zu modernen Einrichtungen um etwa 20 Prozent höher. Vor allem in Stauchitz gibt es keine sinnvollen Möglichkeiten, anzubauen und zu erweitern. Die Sanierungskosten für beide Häuser lägen im höheren sechsstelligen Bereich.

Doch braucht man überhaupt so viele Betreuungsplätze wie heute? Laut einer Bevölkerungsstudie des Freistaates Sachsen wird die Einwohnerzahl in Stauchitz bis 2035 etwa zwischen 3.000 und 3.100 liegen, also etwa so hoch wie heute sein. Zwar war in den vergangenen Jahren die Zahl der Gestorbenen meist höher als die der Neugeborenen, bei den Zuzügen gab es jedoch oft ein Plus gegenüber Wegzügen. Entscheidender ist aber die Bevölkerungsstruktur. Und da ist wie in fast allen Städten und Gemeinden die Bevölkerungspyramide gekippt. Ein Viertel der Stauchitzerinnen und Stauchitzer ist älter als 65 Jahre, die über 40-Jährigen machen die Hälfte der Einwohnerschaft aus. Zwar ist die Zahl der unter 21-Jährigen gewachsen, die Altersgruppe zwischen 21 und 39 Jahren, also diejenigen, die vor allem die Kinder bekommen, ist rückläufig. Es ist also damit zur rechnen, dass die Geburtenzahl tendenziell zurückgeht. Dies könnte aber durch kontinuierliche Zuzüge abgemildert werden.

Neubau ist erneut Thema

Die Planer haben verschiedene Varianten untersucht. Eine wäre, neben dem Hort in Ragewitz auch eine neue Kindertagesstätte zu bauen und die Stauchaer zu sanieren. Dies wiederum würde - Stand heute - rund 5,7 Millionen Euro kosten. Und das würde bedeuten, dass Stauchitz geschlossen wird. Während der Sanierung der Stauchaer Einrichtung könnte diese aber als Ausweichstandort genutzt werden. Dass beide jetzigen Häuser umfassend saniert werden, gilt wegen der hohen Kosten und der geringen Gestaltungsmöglichkeiten in Stauchitz als unwahrscheinlich.

Eine Variante wurde von den Planern nicht untersucht. Nämlich die, eine neue, große Kindereinrichtung zu bauen und im Gegenzug die beiden jetzigen in Staucha und Stauchitz zu schließen. Dies hatte der Gemeinderat aus Kostengründen zwar schon einmal abgelehnt. Dennoch soll diese Möglichkeit jetzt noch einmal ins Auge gefasst werden. Der Rat fasste deshalb den Grundsatzbeschluss, das Hortkonzept umzusetzen und den Neubau einer Kindereinrichtung nochmals zu untersuchen.

Ob und wann das umgesetzt ist, bleibt jedoch abzuwarten. Mit dem Neubau des Hortes in Ragewitz wird - Fördermittel vorausgesetzt - frühestens Ende 2023 gerechnet.

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