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Wo, bitte, geht's zum Impftermin?

Ein Riesaer wird bald 90 und will sich unbedingt gegen Corona impfen lassen. Die SZ versucht, ihm dabei zu helfen.

Auf geht es: SZ-Redakteur Christoph Scharf versucht, für einen 89-jährigen Riesaer über das neue Online-Angebot des Freistaats einen Corona-Impftermin zu finden.
Auf geht es: SZ-Redakteur Christoph Scharf versucht, für einen 89-jährigen Riesaer über das neue Online-Angebot des Freistaats einen Corona-Impftermin zu finden. © Sebastian Schultz

Riesa. Horst Paumer hat alles versucht. "Seit Montag habe ich überall herumtelefoniert, aber keiner konnte mir sagen, wo ich nun einen Corona-Impftermin bekomme." Selbst an der Sachsenarena, seit kurzem Impfzentrum, stand der Rentner vor der Tür. "Dort wurde ich an meine Krankenkasse verwiesen. Die aber sagte mir, dass ich mich ans DRK wenden solle." Einer gab ihm noch den Tipp, sich telefonisch an den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu wenden. Und dort bekam der 89-Jährige schließlich den Hinweis, dass es doch nun eine Hotline für die Impftermine gäbe.

"Das ist doch eine Katastrophe. Die linke Hand weiß nicht, was die rechte tut", sagt Paumer. Ein totales Durcheinander sei das - bei so einem wichtigen Thema. "Ich bin fast 90. Wenn mich Corona erwischt, bin ich doch erledigt." Ein Neffe von ihm, auch schon über 80, sei in der Oberlausitz mit Corona ins Krankenhaus gekommen - und zwei Tage später gestorben.

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Und weil Horst Paumer nicht weiter wusste, hat er sich nun an die Zeitung gewandt. Tatsächlich gibt es mit Stand Mittwoch nur eine Möglichkeit für Senioren, sich einen Impftermin zu ergattern: Über eine neu eingerichtete Homepage von Freistaat und DRK Sachsen. Eine Terminvergabe unter einer ebenfalls eingerichteten Hotline soll erst ab 18. Januar möglich sein.

"Aber was soll ich machen?", fragt sich Horst Paumer. Ohne Internet - und ohne Angehörige in der Nähe, die das Ausfüllen eines Online-Formulars für ihn übernehmen können? Der SZ-Redakteur versucht, zu helfen. Über das Telefon verbunden, gehen wir gemeinsam den Schritt-für-Schritt-Ablauf durch.

Erster Punkt unter sachsen.impfterminvergabe.de ist die Registrierung des Impf-Willigen. Derzeit dürfen sich dort vorrangig über 80-Jährige und das Personal von Pflegeheimen und Krankenhäusern eintragen. Horst Paumer erfüllt fraglos Kriterium 1, schnell ist der Haken gesetzt. Es erscheint der Hinweis, den Ausweis zur Impfung mitzubringen. Weiter geht es zum nächsten Punkt, der Angabe persönlicher Daten. 14 Felder sind auszufüllen, Name, Adresse, Doktorgrad, Telefonnummer, eine E-Mail-Adresse.

Der Riesaer Senior hat keine. Wir vereinbaren, dass wir in diesem Fall meine Redaktions-E-Mail nehmen und ich ihn sofort informiere, wenn wir einen Termin bekommen haben. Weiter geht es: Es gilt, ein Passwort festzulegen - mindestens acht Zeichen. So viel Zeichen hat auch die Vorgangskennung, die wir nun für Horst Paumer erhalten. Und damit haben wir den ersten Schritt zur Impfung, die Registrierung, nach knapp zehn Minuten geschafft. Die Bestätigungs-E-Mail an die Redaktionsadresse kommt prompt.

Damit können wir uns nun dem zweiten Schritt widmen - der tatsächlichen Vergabe eines Impftermins. Mit Kennung und Passwort melde ich mich nun für den SZ-Leser an. Und es geht gut los: Wir können auswählen, ob wir einen Impftermin haben wollen, einen bestehenden ändern oder das Benutzerkonto löschen wollen. Wir nehmen Variante 1, neuer Impftermin. Dann dürfen wir auch schon unser Wunsch-Impfzentrum aus einer ausklappbaren Liste auswählen. "Die Sachsenarena natürlich", sagt Horst Paumer. Das ist tatsächlich frei wählbar - so dass Radebeuler sich hier beispielsweise auch für Dresden entscheiden könnten, statt Riesa nehmen zu müssen.

Endstation: Nach der erfolgreichen Registrierung des Seniors, dem Anlegen eines Nutzerkontos, einer Bestätigungsmail und dem erneuten Einloggen ist unter Punkt 4 "Terminvergabe" Schluss. "Bitte versuchen Sie es in ein paar Tagen erneut", heißt es.
Endstation: Nach der erfolgreichen Registrierung des Seniors, dem Anlegen eines Nutzerkontos, einer Bestätigungsmail und dem erneuten Einloggen ist unter Punkt 4 "Terminvergabe" Schluss. "Bitte versuchen Sie es in ein paar Tagen erneut", heißt es. © Screenshot: Sebastian Schultz

Nun folgt die Auswahl von Wunschterminen. Will man lieber an Werktagen oder am Wochenende? Lieber vormittags oder nachmittags? "Alles egal, ich habe immer Zeit", sagt der Senior. Auch das lässt sich auswählen. Wir sind optimistisch. Doch dann, unter Punkt 4 der Terminvergabe, dem Letzten überhaupt, kommt die Ernüchterung: "Aufgrund der aktuellen Auslastung der Impfzentren und der verfügbaren Impfstoffmenge können wir Ihnen leider keinen Termin anbieten", heißt es nun. "Bitte versuchen Sie es in ein paar Tagen erneut." Wir bleiben dran, versprechen wir uns am Telefon.

Vom DRK heißt es am Mittwoch, man habe bereits 9.000 Termine seit dem Start des Online-Angebots vergeben. Für die nächste Woche seien die meisten Termine vergeben. "Sobald mehr Impfstoff vorhanden ist oder gebuchte Termine storniert werden, werden neue Termine eingespeist und buchbar".

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Impftermine online: sachsen.impfterminvergabe.de/

Ab Montag, 18. Januar 2021, soll auch eine telefonische Terminvereinbarung möglich sein: 0800 0899089

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