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Funkmast-Firma schafft Tatsachen

Fast 100 Einsprüche gehen gegen ein umstrittenes Bauvorhaben in Zeithain ein. Trotzdem kommt plötzlich ein Autokran.

Dort, wo der Mast des Autokrans in die Höhe ragt, soll ein neuer Funkmast entstehen. Der steht dann direkt an der Einfamilienhaus-Siedlung Langenberger Straße in Zeithain. Links sind die Bahnstrecke Dresden-Leipzig und die ard-Kiesgrube zu erkennen.
Dort, wo der Mast des Autokrans in die Höhe ragt, soll ein neuer Funkmast entstehen. Der steht dann direkt an der Einfamilienhaus-Siedlung Langenberger Straße in Zeithain. Links sind die Bahnstrecke Dresden-Leipzig und die ard-Kiesgrube zu erkennen. © Archivfoto: Lutz Weidler

Zeithain. Gerade noch hatten Dutzende Anwohner Unterschriften gesammelt, Einsprüche eingereicht und ihre Hoffnung aufs Landratsamt gesetzt. Und dann rollen, für die Nachbarn überraschend, plötzlich Baufahrzeuge an: Am Dienstag haben in der Langenberger Straße in Zeithain die Bauarbeiten für einen 40 Meter hohen Funkmast begonnen.

"Die machen doch, was sie wollen", schimpft ein Senior aus dem Eigenheimgebiet auf der anderen Straßenseite. "Können die nicht ein Stück weiter auf dem Feld bauen?", fragt ein Selbstständiger. "Bei mir hat das ganze Haus gewackelt", sagt eine Frau von gegenüber. Denn innerhalb kürzester Zeit wurde am Dienstagmittag das Fundament für den geplanten Mast eingerammt.

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Eigentlich waren die Nachbarn davon ausgegangen, dass erst ab nächster Woche gebaut wird - wenn überhaupt. Denn mittlerweile seien beim Landratsamt 99 Drittwidersprüche eingegangen, wie es von der Gemeinde Zeithain heißt. Der Landkreis bestätigt diese Zahl, teilt auf Anfrage von sächsische.de aber auch mit, dass sie keine bauaufschiebende Wirkung haben. Beim Landratsamt liegt das Verfahren, nachdem die Gemeinde ihr sogenanntes "Gemeindliches Einvernehmen" versagt hatte. 

"Die notwendige Baugenehmigung liegt uns selbstverständlich vor", sagt Benedikt Albers, Pressesprecher der Telekom-Tochter Deutsche Funkturm, die den Mast errichten lässt. Man habe die Anwohner auch nicht überrumpeln wollen, wie dort von einigen vermutet wird. "Der Baubeginn erfolgte absolut planmäßig. Wir hatten diesen für Mitte bis Ende September angekündigt, liegen also gut im Plan", so Albers.

"Auf Frösche wird Rücksicht genommen"

Aus Sicht des Unternehmens spricht für den Standort, dass man von dort künftig gut das Zeithainer Gemeindegebiet, die direkt benachbarte B 169 und die ebenfalls in Sichtweite vorbeiführende Bahnstrecke Dresden-Leipzig mit Mobilfunk versorgen könne. Dass das Grundstück im Telekom-Besitz ist, dürfte ebenfalls eine Rolle spielen - dort liegen nicht nur zahlreiche Leitungen bereits an, auch eine Pacht wird so nicht fällig.

Die betroffenen Anwohner wünschen sich allerdings, dass man auf sie mehr Rücksicht nimmt. "Während man in Wildenhain über mehrere Hundert Meter Entfernung diskutiert, geht man in Zeithain sogar soweit, den Mast nur wenige Meter von unseren Wohnhäusern zu errichten", sagt ein Anwohner, der sich auch an den CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas de Maizière gewandt hat. In dessen Büro beschäftigt man sich derzeit noch mit dem gerade eingegangenen Schreiben.

Vor einigen Tagen waren an der Langen Straße Protestschilder aufgetaucht, die direkt am Zaun eines Telekom-Grundstücks hängen. Dort soll ein umstrittener Mast gebaut werden.
Vor einigen Tagen waren an der Langen Straße Protestschilder aufgetaucht, die direkt am Zaun eines Telekom-Grundstücks hängen. Dort soll ein umstrittener Mast gebaut werden. © Lutz Weidler

Die Gemeinde hatte der Deutschen Funkturm im Verlauf des Verfahrens einen Alternativ-Standort für den Mast angeboten, der einige Hundert Meter weiter Richtung Rohrwerk liegen würde - und so nicht in direkter Nähe der Wohnbebauung. Anwohner verweisen außerdem auf diverse Mobilfunkanlagen, die sich bereits in der Nachbarschaft befinden - einen Funkmast am Bahn-Haltepunkt Zeithain, zwei Schornsteine mit Sendeantennen im Mannesmann-Röhrenwerk, eine Anlage auf dem Zeithainer Kirchturm und eine auf einem Dach im Wohngebiet Nikopol. Müsse eine solche Dichte an Masten wirklich sein?

 "In Deutschland werden Autobahnen und Ortsumgehungsstraßen nicht gebaut, weil auf der Bautrasse seltene Frösche oder andere Tiere wohnen, auf die Rücksicht genommen wird, damit es ihnen nicht schlechter geht und sie sich weiter wohlfühlen. Hinter unseren Grundstücken sammelt die Deutsche Bahn in Vorbereitung auf den Streckenausbau Leipzig-Dresden gerade Eidechsen ein und siedelt sie um!", heißt es in einem Schreiben an den Bundestagsabgeordneten. "Wir als örtliche Bevölkerung sind auch Teil der Umwelt! Wir möchten uns auch zukünftig in unserem Wohnumfeld wohlfühlen und nicht ständig aus unseren Gärten auf ein erdrückendes Bauwerk blicken!"

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Wie das Landratsamt auf Anfrage bestätigt, liegen mittlerweile Anträge auf Aussetzung des Vollzuges der Baugenehmigung vor. "Bei der Entscheidung darüber ist vor allem die direkte Betroffenheit der Antragsteller ausschlaggebend", sagt Sprecherin Anja Schmiedgen-Pietsch. Zu den einzelnen Argumenten der Widerspruchsführer und Antragsteller möchte sich die Behörde derzeit nicht äußern: Die sollen der noch offenen fortfolgenden Prüfung vorbehalten bleiben.

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