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"Alle fühlen sich jetzt besser gewappnet"

Die Schulen sind wieder geschlossen. Für viele geht es mit einer Mischung aus Erleichterung und Sorge in die Heimbeschulung.

Hanna Metzner und Phillip Berger in einem Aufenthaltsraum des Werner-Heisenberg-Gymnasiums. Die beiden Zehntklässler sind Schülersprecher der Schule.
Hanna Metzner und Phillip Berger in einem Aufenthaltsraum des Werner-Heisenberg-Gymnasiums. Die beiden Zehntklässler sind Schülersprecher der Schule. © Sebastian Schultz

Riesa. Es hatte sich schon angedeutet, dass die Schulen schließen müssen, sagt Phillip Berger. "Man hat zuletzt schon gemerkt, dass alles in diese Richtung geht." Der Zehntklässler vertritt gemeinsam mit Hanna Metzner die Schüler am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Riesa. Es ist Freitagmittag, der letzte Tag in der Schule. Bis in den Januar hinein bleiben die Einrichtungen geschlossen.

Dieser Schritt hätte am Heisenberg-Gymnasium auch ohne eine Landesverordnung kurz bevorgestanden, sagt Schulleiterin Sylvia Mebus. Die hochschnellenden Infektionszahlen hatten auch Folgen für ihre Schule. In der vergangenen Woche war die Schule bereits in den Wechselunterricht gegangen. Fast 90 Schüler fehlten zuletzt, dazu 23 Kollegen. Das sei etwa das halbe Kollegium. Positiv getestet wurde dabei nur eine Person, betont Mebus. Aber damit musste eben der ganze Fachbereich in Quarantäne. Dazu komme noch die Erkältungssaison. Ob es wirklich ab 11. Januar weitergehen kann, ist zumindest zweifelhaft. Die Schule hat vorsichtshalber ihren für Anfang 2021 geplanten Tag der offenen Tür auf Eis gelegt, arbeitet jetzt an einem digitalen Schulrundgang als Alternative.

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Lüften und Maskenpflicht waren belastend

Vor den Schulschließungen hatten am Gymnasium etwa dieselben Regeln geherrscht, wie in anderen schulischen Einrichtungen: Einbahnstraßensystem in den Fluren, Desinfektionsmittelspender am Eingang, Stoßlüften, Maskenpflicht. Letztere sei schon belastend gewesen, sagt Schülersprecher Phillip Berger. Und Hanna Metzner sagt, sie finde diese Regel auch ein wenig undurchdacht. "Beim Essen und beim Sport setzen wir die ja ab, das bringt ja nichts." Das Lüften habe sie aber am meisten gestört, sagt die Schülersprecherin. Zumal in die Fachkabinette aus Sicherheitsgründen keine Jacken mitgenommen werden dürfen. Da sei es dann ziemlich kalt geworden.

"Grundsätzlich sind aber alle mit den Regeln gut klargekommen", sagt Phillip Berger. Das hätten ihm auch die anderen Klassensprecher der Schule berichtet. "An der Einhaltung der Regeln hat es nicht gehapert." Auch Desinfektionsmittel sei immer vorhanden gewesen. Die beiden Schülersprecher befürworten trotzdem die Rückkehr ins Homeschooling. "Von den Maßnahmen her ist das sicher das Beste", sagt Hanna.

Sylvia Mebus leitet das Werner-Heisenberg-Gymnasium in Riesa. Sie sieht die Schulen gewappnet für die Arbeit von daheim. Aber den echten Kontakt mit dem Lehrer könne Lernsax nicht ersetzen.
Sylvia Mebus leitet das Werner-Heisenberg-Gymnasium in Riesa. Sie sieht die Schulen gewappnet für die Arbeit von daheim. Aber den echten Kontakt mit dem Lehrer könne Lernsax nicht ersetzen. ©  Archiv/Sebastian Schultz

Der Schulalltag wird fehlen

Trotzdem gehen die Schüler mit gemischten Gefühlen in die Heimbeschulung. Das beginnt schon bei den sozialen Kontakten. "Hier geht man hin, trifft seine Leute", erzählt Phillip. Angesichts der Kontaktbeschränkungen ist das abseits der Schule schon länger nicht mehr drin.

Zumindest fehlende Technik dürfte diesmal nicht so problematisch werden: Die Stadt Riesa stellt diesmal Leihgeräte zur Verfügung, damit auch Schüler auf die Plattform Lernsax zugreifen können, die keinen eigenen Laptop haben. Eine technische Hürde weniger - aber es gibt noch Weitere, sagen auch die Lehrer. Fehlendes Datenvolumen, zum Beispiel. "Manche Schüler haben nicht mal Netz", so Schulleiterin Sylvia Mebus. Es gibt auch Schüler, die keinen Drucker daheim haben. "Und einen Drucker kann auch die Schule nicht bereitstellen", sagt Hanna Metzner.

Mit dem Frühjahr ist die Situation jetzt sicher nicht ganz vergleichbar, glaubt Phillip Berger. "Alle fühlen sich jetzt besser gewappnet." Aber nicht jeder Schüler kommt gleich gut mit dem Lernen von Zuhause klar. "Mir fällt das auch schwer", erzählt Hanna. "Ich brauche den Schulalltag."

Gerade die fehlende Struktur sieht auch der Leiter der Oberschule am Merzdorfer Park als mögliches Problem. Jürgen Gläsel und seine Kollegen haben in einem Brief explizit darauf hingewiesen, die Eltern sollten auf einen strukturierten Tag für die Kinder achten. "Das heißt, dass sie 8 Uhr mit den Aufgaben beginnen - also nicht erst um 8 Uhr aufstehen." Der Schulleiter kann die Schließungen verstehen, es gebe auch unter seinen Kollegen einige, die sich Sorgen machten. "Ich habe auch mehrere Kollegen aus Risikogruppen an meiner Schule." Aber er befürchte eben auch, dass die fehlende Zeit in der Schule weitere Folgen haben könnte, die nicht direkt mit Noten zu tun haben. "Ich mache mir aufgrund der Sozialstruktur große Sorgen. Das soziale Lernen bleibt aus." Sich in einer Hierarchie unterzuordnen, das Zusammensein mit anderen auszuhalten, das seien Dinge, die die Schüler jetzt auch nicht lernen können. Außerdem sei es schwerer in so einer Situation, an Schüler aus problematischen Haushalten ranzukommen.

"Das geht an die Substanz"

Und dann ist da noch die Sorge um die Abschlussjahrgänge. Die treibt alle Schulleiter und Lehrer um. Jürgen Gläsel spricht von einer menschlichen Tragödie. "Das sind ganz tolle Schüler, die haben unseren Umzug maßgeblich begleitet. Das tut weh." Auch Sylvia Mebus sagt, dass die Situation manchem Lehrer auch nervlich zu schaffen macht. "Das geht an die Substanz." Die zwölften Klassen hätten noch vier Monate bis zum Abitur. "Das ist schon schwierig; es kann beim Abitur auch keine Abstriche bei der Schwierigkeit geben, die wollen es ja auch nicht geschenkt haben." Und die Interaktion mit dem Lehrer könne die Technik nun einmal nicht ersetzen.

Die Leiterin des Städtischen Gymnasiums Silke Zscheile sieht das ähnlich. Weder Schüler noch Lehrer seien besonders glücklich darüber, nun wieder die Lernzeit organisieren zu müssen. Das betreffe im Grunde alle Jahrgänge - auch, wenn man diesmal sicherlich besser vorbereitet sei als im Frühjahr. "Um es auf den Punkt zu bringen: Für alle ist es wichtig, schnellstmöglich wieder in der Schule zu sein."

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