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"Wir wollen den Lorenzmarkt erhalten"

Trotz Corona-Auflagen soll es auch in diesem Jahr den traditionellen Jahrmarkt auf den Elbewiesen geben.

Der Lorenzmarkt in Lorenzkirch.
Der Lorenzmarkt in Lorenzkirch. © Foto: Lutz Weidler

Lorenzkirch. Vom 6. bis zum 9. August findet wieder der Lorenzmarkt statt. Die SZ sprach mit Organisator Mike Borowsky vom Dresdner Schaustellerverband.

Herr Borowsky, wann ist die Entscheidung gefallen, den Lorenzmarkt in diesem Jahr durchzuführen?

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Die Entscheidung stand eigentlich schon immer fest. Es sei denn, es gibt vom Staat eine Maßnahme, dass wir es nicht machen dürfen. So lange es sie nicht gibt, planen wir weiter. Natürlich werden wir den Lorenzmarkt an die jeweils geltenden Corona-Maßnahmen anpassen, je nachdem, was die Verfügung uns vorgibt.

Wie groß soll er werden?

So wie im letzten Jahr. Nicht zu groß, aber auch nicht zu klein. Ein ordentlicher Jahrmarkt mit allem Drum und Dran. Mit Karussells, Riesenrad, Los- und Imbissbuden und Händlern. Allerdings werden wir wieder auf das Festzelt und Disco verzichten. Das steht schon fest, denn die Auflagen mit dem Testen sind nicht erfüllbar. Das tue ich mir nicht an.

Aber schön ist es auf alle Fälle, dass der Lorenzmarkt stattfindet.

Genau, wir wollen die Tradition aufrechterhalten. Unser Ziel ist es, von den wenigen Volksfesten, die noch da sind, so viele wie möglich zu erhalten.

Wie waren für Sie die letzten Monate?

Wenn man acht Monate lang keine Einnahmen hat, wird es schwierig. Trotz Überbrückungshilfe und Fixkostenabrechnung fehlt ja das Geld zum Leben, Essen, Trinken, Krankenkasse, Rentenversicherung. Das Geld zahlt einem ja keiner. Das muss man dann aus dem Ersparten nehmen. Viele Kollegen haben sich Kredite genommen, um zu überleben. Für dieses Jahr, denke ich, werden alle durchkommen. Was nächstes Jahr wird, steht in den Sternen. Irgendwann kommt die Rechnung oder das dicke Ende. Vielleicht werden einige Schausteller aufhören müssen. Man muss schon mal vorsichtig daran denken, dass es der eine oder andere doch nicht schaffen wird.

Und wie geht es Ihnen jetzt?

Wir leben im Moment von der Hoffnung, dass wir bis zum Jahresende ein paar Einnahmen haben. Ich hoffe, dass man uns auch arbeiten lässt und nicht wieder im Herbst mit einem Berufsverbot belegt. Das munkelt man ja schon. Es gibt ja jeden Tag eine neue Meldung. Und was davon wahr ist oder nicht, das wissen wir nicht. Wir können alle nicht in die Glaskugel sehen.

Sie sind ja auch beim Dresdner Striezelmarkt dabei.

Theoretisch schon, wenn er dieses Jahr stattfinden sollte. Das weiß ja auch keiner, unter welchen Bedingungen er stattfindet oder nicht. Wir wissen nicht, was passiert.

Haben Sie schon mal in den letzten anderthalb Jahren darüber nachgedacht, aufzugeben und in einen sicheren Beruf zu wechseln?

Mit über 50 wird es für mich mit einem Neustart schwierig. Bei der jüngeren Generation drängen sich diese Gedanken schon auf. Für mich kommt es aber nicht in Frage. Außerdem habe ich in den letzten Jahren zu viel investiert. Da bleibt nur die Hoffnung auf bessere Zeiten, dass sich alles wieder normalisiert.

Mike Borowsky ist Vorsitzender des Schaustellerverbandes Dresden.
Mike Borowsky ist Vorsitzender des Schaustellerverbandes Dresden. © René Plaul

Und wenn nicht?

Dann muss der Staat die entsprechenden Weichen stellen, um den Schaustellern und Veranstaltern unter die Arme zu greifen. Oder man begräbt diese ganze Volksfestkultur. Wobei ich der Überzeugung bin, dass von Jahrmärkten unter freiem Himmel keine Gefahr ausgeht.

Sie haben recht, da würde ein Stück Kultur und Heimat verlorengehen.

Wenn Traditionsfeste das zweite Jahr in Folge wegbrechen oder nur in eingeschränkter Form stattfinden dürfen, dann ist das schon ein Einschritt in die Kultur. Wir sind ja ein Kulturvolk, wo solche Dinge wie Jahrmärkte seit Jahrhunderten dazugehören. Das wäre schon traurig, wenn wir mit dem Lorenzmarkt einen der ältesten sächsischen Jahrmärkte nicht mehr durchführen könnten. Obwohl genügend Platz auf den Elbwiesen bei Lorenzkirch vorhanden ist. Da kann man sich gut ausbreiten und Abstand halten. Es gibt ganz andere Veranstaltungen, wo es schwierig ist. Aber beim Lorenzmarkt sehe ich da überhaupt keine Gefahr.

  • Das Gespräch führte Jörg Richter.

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