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"Maßnahmen sind nicht mehr hinnehmbar"

Der Stauchitzer Bürgermeister Dirk Zschoke kritisiert die "Notbremse" des Bundes. Vor allem Kinder und Eltern seien die Leidtragenden.

Der Stauchitzer Bürgermeister Dirk Zschoke (parteilos) hat wenig Verständnis für die Notbremse.
Der Stauchitzer Bürgermeister Dirk Zschoke (parteilos) hat wenig Verständnis für die Notbremse. © Sebastian Schultz

Stauchitz. Der Ärger ist unübersehbar, die Kritik deutlich. Unter der Überschrift "Bund schließt Schulen und Kitas" hat sich der Stauchitzer Bürgermeister Dirk Zschoke (parteilos) an seine Bürger gewandt. Er kritisiert die in der vergangenen Woche beschlossene "Notbremse" und vor allem die damit verbundenen Auswirkungen für Kinder und Jugendliche. Das Gesetz sei "durch den Bundestag und die stillschweigende Hinnahme desselben durch den Bundesrat und der Unterzeichnung und Bekanntmachung des Gesetzes durch den Bundespräsidenten in einer Rekordzeit" beschlossen worden. Es bringe so umfangreiche Verbote und Einschränkungen mit sich, wie es in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland selten der Fall gewesen sei, schreibt er.

Alles ist wieder dicht, auch die Kindereinrichtung in Stauchitz.
Alles ist wieder dicht, auch die Kindereinrichtung in Stauchitz. © Sebastian Schultz

"Man stelle sich dieses Chaos vor"

Er hat beschlossen, dass die Schulen und Kindereinrichtungen in der Gemeinde bereits ab vergangenen Montag geschlossen blieben. Normalerweise wäre dies erst ab Dienstag notwendig gewesen. Denn das Gesetz war an einem Freitag beschlossen worden. Es sieht vor, dass, wenn dann drei Tage lang die „Inzidenzzahl“ über 165 liegt, die Schulen und Kindereinrichtungen ab dem übernächsten Tag geschlossen werden müssten. "Das wäre dann Dienstag. Man stelle sich dieses Chaos vor." Wie es nun künftig genau sein werde, dies werde man wohl immer erst am Wochenende erfahren.

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Die Regelungen sind jetzt schon kompliziert. Die Oberschule Stauchitz und die Grundschule Ragewitz bleiben geschlossen. Nur die Abschlussklassen werden im Wechselunterricht unterrichtet. Die Kindertagesstätten in Staucha und Stauchitz sowie der Hort in Ragewitz bleiben geschlossen. Es ist eine Notbetreuung in der Grundschule, im Hort und in den beiden Kitas eingerichtet. Die Schüler der 4. Klasse, die im Wechselunterricht sind, können nach der Schule im Hort betreut werden, aber nur, wenn sie einen Anspruch auf Notbetreuung haben.

Keine Antworten mehr

"Wir bemühen uns, die Einschränkungen so gering wie möglich zu halten. Ich finde, dass die Maßnahmen äußerst fragwürdig sind, aber wir müssen uns an die Vorschriften halten", sagt er. In den beiden Schulen habe es die ganze Zeit keinen einzigen positiven Coronatest bei Schülern oder Lehrern gegeben. Überhaupt sei die Gemeinde mit ganz wenig Infizierten bisher sehr gut durch die Krise gekommen. "Wir hatten im Landkreis Meißen eine gute Lösung. Die Kinder waren froh, wieder in die Schule oder in die Einrichtungen gehen und Sport treiben zu können. Die Kinder und die Eltern sind - auch finanziell - an die Belastungsgrenze gekommen." Er weiß, wovon er spricht, hat er doch selbst zwei Kinder im Grundschulalter. "Es geht nicht mehr, was wir hier treiben. Was da in Berlin von oben herab beschlossen wird, ist nicht mehr hinnehmbar. Die wissen gar nicht, wie wir auf dem Dorf leben", sagt der Gemeindechef.

Erst kurz vor dem neuen Gesetz durften die Kinder wieder Sport im Freien treiben. "Die waren so froh, dass sie im Verein wieder Fußballspielen können. Das ist nun alles weg. Ich frage mich, was gefährlich daran sein soll, sich an der frischen Luft sportlich zu betätigen", sagt Zschoke. Er habe mit vielen Eltern sehr vernünftige Gespräche gehabt. "Aber ich habe keine Antworten mehr."

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