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MDR-Dreh im Tierheim Riesa

In der Einrichtung war jetzt Tierpsychologe Ronald Lindner mit einem Filmteam zu Gast. Anlass gaben zwei spezielle Bewohner.

Tierpsychologe Ronald Lindner (2.v.r.) schaute jetzt mit einem Drehteam im Riesaer Tierheim in Göhlis vorbei. Hier wird eine Interview-Einstellung mit Tierheim-Leiter Uwe Brestel (r.) aufgenommen.
Tierpsychologe Ronald Lindner (2.v.r.) schaute jetzt mit einem Drehteam im Riesaer Tierheim in Göhlis vorbei. Hier wird eine Interview-Einstellung mit Tierheim-Leiter Uwe Brestel (r.) aufgenommen. © Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Der Tonmann hat zu kämpfen. Laut bellende Hunde sind zwar einkalkuliert. Aber laut brummende Motoren startender Maschinen vom nahen Flugplatz in Göhlis nicht. Also alles nochmal auf Anfang.

Der jüngste Fernsehdreh im Riesaer Tierheim hatte aber nicht nur an dieser Stelle mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen. Nasskaltes Wetter machte die Arbeit für alle Beteiligten nicht einfacher.

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Die Halbjahresnoten glattgebügelt und der Vorsatz, nochmal richtig Gas zu geben, zeigen es!

Doch Kniffliges in den Griff zu bekommen, dafür ist Ronald Lindner angetreten. Der Tierpsychologe war mit dem Filmteam angereist.

Gassigänger Walter Kohl mit den Schnauzer-Mixen Nala (vorn) und Nina.
Gassigänger Walter Kohl mit den Schnauzer-Mixen Nala (vorn) und Nina. © Eric Weser

Gerufen hatte das Tierheim den Experten wegen zweier schwieriger Fälle: den Hündinnen Nala und Nina. Die Schnauzer-Mixe sind etwas mehr als zwei Jahre jung und wirken von Weitem eigentlich friedlich. Wer sich nähert, wird aber in der Regel von ihnen angebellt, während die beiden Tiere sich gleichzeitig zurückziehen. Eine Angstreaktion.

Warum Nala und Nina so reagieren? Darüber kann auch Tierheim-Leiter Uwe Brestel nur spekulieren. Fest steht: Vermitteln ließen sich die Hunde wegen ihres Verhaltens bisher nicht. Hier erhofft sich die Göhliser Einrichtung nun Hilfe von Ronald Lindner.

Damit der Tierverhaltens-Spezialist Nala und Nina besser kennenlernen konnte, war für den Dreh Walter Kohl dazugekommen. Der 80-jährige Riesaer ist für die Hündinnen ein vertrautes Gesicht. Gemeinsam mit seiner Frau ist Walter Kohl Gassigänger und täglich morgens mit den Tieren unterwegs. In anderthalb Stunden für das Ehepaar und die Hunde schon mal von Göhlis bis Leutewitz und zurück. "Das hält jung", so Walter Kohl lachend.

"Der Mann ist gut!"

Bei Drehbeginn war die Fitness des Seniors auch gefragt, weil sich erst Nala und dann auch noch Nina aus ihren Halsbändern befreiten und von Walter Kohl erst einmal wieder eingefangen werden mussten. Ronald Lindner empfahl, künftig Sicherheitsgeschirre zu verwenden, um den Tieren einerseits die nötige Bewegungsfreiheit zu geben und gleichzeitig ein Ausbüxen zu verhindern.

Positiv fiel dem Experten der Umgang von Walter Kohl mit den beiden schwierigen Hündinnen auf. Er gebe ihnen die nötige Zeit, strahle Gelassenheit aus. "Der Mann ist gut!"

Ein Lösungsansatz lag deshalb für den ausgebildeten Tierarzt auf der Hand: Warum nehmen nicht Walter Kohl und seine Frau die Tiere zu sich? Dass für die scheuen Hündinnen ein geruhsamer Seniorenhaushalt besser geeignet wäre als eine junge Familie mit Kindern und ihrem stressigen Alltag, hatte Walter Kohl schon selbst eingeschätzt.

Doch die Chancen, dass Nala und Nina bei den Kohls ein neues Zuhause finden, sind eher gering. Das Paar mag die Tiere zwar sehr. Aber in die heimische Wohnung nehmen, da haben er und seine Frau Bedenken, so der Senior zum Tierexperten Ronald Lindner. Der widersprach zwar vehement, machte aber auch eine zweite Option auf: Wenn die Kohls die Tiere nicht zu sich nehmen möchten, solle Walter Kohl als Vermittlungs-Coach dienen. Sprich: Er soll neue Interessenten im Umgang mit Nala und Nina anlernen. Diese Zusage konnte Walter Kohl bereits vor Ort machen.

Weiterer Fall in Großenhain

Tierexperte Ronald Lindner rief das Ziel aus, dass für die Hündinnen möglichst 2021 ein neues Zuhause gefunden werden soll – und das möglichst gemeinsam. Die Chancen für eine Vermittlung seien gut: "Sie zeigen keine offenen Aggressionen. Sie haben einfach Defizite und Ängste", so Ronald Lindner. Ihre neuen Besitzer müssen sie kennenlernen können. Das brauche Geduld und Zeit. "Und nicht Training und Gehorsam", so der Veterinär im Gespräch mit Tierheim-Leiter Uwe Brestel.

Ob die Vermittlung der beiden jungen Hunde gelingt, muss sich nun zeigen. Die Aufnahmen des Drehs werden voraussichtlich in der April- oder Mai-Sendung von "Tierisch tierisch" im MDR-Fernsehen zu sehen sein, so Autorin Andrea Gentsch von der Ariane Film. Die Leipziger Produktionsfirma erstellt die Sendung im Auftrag der Rundfunkanstalt.

Für das dreiköpfige Drehteam um die Autorin und Tierexperte Ronald Lindner war die Arbeit nach dem Abstecher ins Göhliser Tierheim an dem Tag übrigens noch nicht erledigt. Nach dem Mittag ging es für sie noch nach Großenhain. Dort hatte eine Familie um Hilfe gebeten, weil ihr Hund den Flur bewacht und ihr kleines Kind nicht passieren lässt. Was Experte Ronald Lindner dazu rät, soll auch im April oder Mai bei "Tierisch, tierisch" zu sehen sein.

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