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Riesa

Ministerin spricht in Riesa über den Osten

Petra Köpping erzählt von den Erfahrungen der Ostdeutschen nach der Wende. Der Abend war eigentlich für November geplant, doch er kommt zur richtigen Zeit.

Petra Köpping (rechts) stellte ihr Buch bereits in der Radebeuler Buchhandlung von Ute Sauermann (links) vor.
Petra Köpping (rechts) stellte ihr Buch bereits in der Radebeuler Buchhandlung von Ute Sauermann (links) vor. © Arvid Müller

Riesa. Vor drei Jahren hat Sachsens Sozialministerin Petra Köpping ihr Buch "Integriert doch erst mal uns!" veröffentlicht. Damals leitete die SPD-Politikerin noch das Staatsministerium für Gleichstellung und Integration und hörte in Gesprächen mit Bürgern sehr häufig diese Aufforderung, die sie zum Titel ihrer Streitschrift für den Osten machte. Darin beschäftigt sie sich mit dem Thema, warum gerade viele Ostdeutsche, die sich einst den Westen herbeigesehnt haben, so wütend auf die Demokratie und die Politik sind.

Am 1. Juli ist die Ministerin zu Gast in Riesa. Im Mehrgenerationenhaus in der Alleestraße 88 diskutiert sie zum Thema "30 Jahre Deutsche Einheit - unser Weg bis hier". Ihre Gesprächspartner sind Clemens Villinger vom Leibniz-Institut für Sozialforschung und der Riesaer Stadtrat Andreas Näther.

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Villinger ist Doktorand in der Forschungsgruppe „Die lange Geschichte der Wende“. Näther hat den politischen Umbruch in der ehemaligen DDR miterlebt und war Mitbegründer des Neuen Forum Riesa. Er kann berichten von den großen Umbrüchen in der einstigen Stahlwerkerstadt, die nicht nur das Stadtbild, sondern Tausende Lebensläufe veränderten. Riesa steht exemplarisch für viele ostdeutschen Städte im ländlichen Raum.

Ungewollte Steilvorlage des Ostbeauftragten

Ursprünglich war diese Podiumsdiskussion im vergangenen November geplant, musste aber wegen der damals enorm steigenden Inzidenzzahlen verschoben werden. Der Nachholtermin am 1. Juli kommt genau zu der Zeit, nachdem der Ost-Beauftragte Marco Wanderwitz (CDU) mit nicht gerade schmeichelhaften Aussagen über seine Landsleute eine Debatte über die Demokratiefähigkeit der Ostdeutschen ausgelöst hat.

Wanderwitz, der selbst in Chemnitz (damals noch Karl-Marx-Stadt) geboren wurde, hatte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärt, dass viele Ostdeutsche die AfD wählen, weil sie nach der Wende nicht in der Demokratie angekommen seien. Von diesen Menschen, so der 45-Jährige, sei nur ein Teil zurückzuholen. Man könne nur auf Bildungsarbeit setzen und ansonsten auf die nächste Generation hoffen.

Diese Aussagen sind eine ungewollte Steilvorlage für Köpping in Riesa. Sie fordert in ihrem Buch eine gesamtdeutsche Aufarbeitung der Nachwendezeit. In den unbewältigten Demütigungen, Ungerechtigkeiten und Lebensbrüchen der 1990er-Jahre sieht sie eine wesentliche Ursache des heutigen Dilemmas.

Der Abend mit Ministerin Köpping in Riesa, der 18 Uhr beginnt, wird moderiert vom Zeithistoriker und Journalisten Wolfgang Porsche. Da es nur begrenzte Plätze gibt, bittet der ausrichtende Verein Sprungbrett Riesa e.V. um eine verbindliche Anmeldung bis zum 28. Juni. Möglich ist das per E-Mail an [email protected] oder telefonisch unter 03525 500310. Der Abend kann auch per Livestream auf der Internetseite www.sprungbrett-riesa.de/Podiumsdiskussion mitverfolgt werden.

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