merken
PLUS Riesa

Missbrauch bleibt Missbrauch

Ein Jugendlicher bietet im Internet sexuelle Dienstleistungen an – ein Riesaer Rentner nimmt sie in Anspruch und kassiert dafür eine Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Sexuelle Dienstleistungen gegen Geld: In der Erotik-Sparte eines Anzeigenportals stieß der Angeklagte auf das Inserat eines Jugendlichen.
Sexuelle Dienstleistungen gegen Geld: In der Erotik-Sparte eines Anzeigenportals stieß der Angeklagte auf das Inserat eines Jugendlichen. © Sebastian Schultz

Riesa. Man kann sicher über Leichtsinn und Mitverantwortung des jungen Mannes diskutieren, aber Gesetz bleibt Gesetz. Ein Erwachsener, der gegen Entgelt von jemandem unter 18 Jahren sexuelle Handlungen an sich vornehmen lässt, missbraucht ihn damit und muss bestraft werden. Deshalb sitzt Gerhard S. auf der Anklagebank des Riesaer Amtsgerichts. Er war im März 2019, als die Tat geschah, 67 Jahre alt; sein Opfer gerade 15.

Anzeige
Riesa im Shopping-Glück
Riesa im Shopping-Glück

Click-and-Collect in der Elbgalerie Riesa - hier wächst und gedeiht die Freude auf einen neuen Einkaufs-Frühling!

Der Jugendliche war wohl des Öfteren auf homoerotischen Webseiten unterwegs und hatte sich dadurch einiges an Geldforderungen aufgehalst. Da er die Schulden schlecht von seinem Taschengeld bezahlen konnte, schaltete er eine Anzeige in der Erotik-Sparte des Internet-Portals markt.de, wo man auch sexuelle Dienstleistungen gegen Geld anbieten kann. Das darf man eigentlich erst ab 18 Jahren, aber das Alter wird dort offenbar nicht überprüft. Jedenfalls kam der Junge so in Kontakt mit dem Riesaer Gerhard S., der dort ebenfalls unterwegs war. Es gab eine ganze Menge von Anbahnungsnachrichten, die dem Gericht vorliegen und die belegen, dass der 15-Jährige den Kontakt aktiv suchte. Man verabredete sich in der Wohnung des Angeklagten, wo es dann zu sexuellen Handlungen kam.

Die Mutter informierte die Polizei

Richter Herbert Zapf verzichtet darauf, den inzwischen jungen Mann in den Zeugenstand zu rufen. Wenn der heute 17-Jährige vielleicht auch nicht traumatisiert ist, so geht es auch darum, ihm die Peinlichkeit einer Aussage zu ersparen. Er war es nämlich gar nicht selbst, der die Sache anzeigte, sondern seine Mutter. Die hatte auf dem Mobiltelefon ihres Sohnes die Kurznachrichten-Dialoge entdeckt und die Polizei informiert. Aber das sich der Angeklagte geständig zeigt, müssen die beiden nicht vor Gericht aussagen.

Gerhard S. behauptet vor Gericht, dem Jungen zunächst geglaubt und ihn für volljährig gehalten zu haben. Das ist eher unwahrscheinlich, denn der Geschädigte hat selbst noch mit 17 recht kindliche Gesichtszüge. Er bestellte den 15-Jährigen jedenfalls in seine Wohnung, wo er ihn bat, sich auszuziehen und dabei seinen Penis berührte. Anschließend forderte S. den Heranwachsenden auf, ihn oral zu befriedigen. Da dieser in seinem Profil angegeben hatte, den sexuell passiven Part zu bevorzugen, wollte der Rentner auch mehr. Soweit kam es nach Aussage des Angeklagten aber nicht. Erst danach habe er erfahren, dass der Junge noch minderjährig war. Da dieser in seinem Profil die Angabe „finanzielles Interesse“ angekreuzt hatte, gab der Riesaer seinem Besucher für die sexuelle Dienstleistung 200 Euro. Bei dieser einmaligen Handlung soll es dann geblieben sein.

Dass er von der Sache ein Video angefertigt haben soll, bestreitet Gerhard S. energisch. Eine Hausdurchsuchung brachte auch nichts Derartiges ans Licht, ebenso wenig gab es andere belastende Momente. Der Angeklagte interessierte sich offenbar für eine Altersgruppe, mit der sexuelle Kontakte nicht strafbar sind, solange kein Geld fließt. Deshalb muss der Rentner am Ende auch nicht die Gutachten bezahlen, die für den Prozess angefertigt wurden.

Paragraf 182 des Strafgesetzbuches sieht für einen Missbrauch wie den verhandelten eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor. Da sich der Rentner bisher nichts zuschulden kommen ließ und geständig war, verurteilt ihn Richter Herbert Zapf zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten. Um der Wiederholungsgefahr entgegenzuwirken, will er Gerhard S. nicht ohne angedrohten Freiheitsentzug aus dem Gerichtssaal herausspazieren lassen. Der Delinquent muss außerdem 1.000 Euro an die Diakonie Meißen überweisen.

» mehr lokale Nachrichten aus Riesa , Großenhain , Meißen , Radebeul

Mehr zum Thema Riesa