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"Die echten Seemänner waren skeptisch"

Schauspieler Wilfried Pucher wurde mit der Kultserie "Zur See" berühmt. In Riesa stellt er seine Autobiografie vor und erzählt von den Dreharbeiten auf der MS Fichte.

Schauspieler Wilfried Pucher war der 1. Offizier in der DDR-Erfolgsserie "Zur See". In diesem Jahr ist er 80 Jahre alt geworden.
Schauspieler Wilfried Pucher war der 1. Offizier in der DDR-Erfolgsserie "Zur See". In diesem Jahr ist er 80 Jahre alt geworden. © PR / FVG Riesa

Herr Pucher, die meisten Seeleute der DDR sollen aus dem Süden Ostdeutschlands gekommen sein. War das auch ein Auswahlkriterium für die Schauspieler?

Genau, aus Sachsen kamen die meisten. Aber für die Fernsehserie war es keine Pflicht. Allerdings sprach Bernd Storch, der den Koch spielte, im Film sächsisch. Dabei war er eigentlich gar kein Sachse und kam aus Senftenberg. Da reden die Leute ein bisschen anders. Aber er hat den Dialekt schön hingekriegt.

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"Zur See" wurde 1974 auf der MS Fichte gedreht. Hatten Sie damals auch richtige Ladung an Bord?

Es war ja ein Ausbildungsschiff für 150 Matrosen-Lehrlinge und besaß zwei Brücken. Eine davon war die Lehrbrücke. Als wir nach Cuba fuhren, hatten wir auch eine Ladung drauf. Das waren Maschinenteile. Und zurück haben wir Zucker mitgenommen.  

Gab es denn genügend Platz auf dem Schiff, wenn da die Schiffsbesatzung, die Schauspieler und auch noch die Lehrlinge an Bord waren?

Die eigentliche Crew bestand vielleicht aus 20 Mann. Aber zusammen mit den Lehrlingen, ihren Ausbildern und uns waren wir bestimmt 250 Leute an Bord. Das Filmteam selbst war nur 25 bis 30 Mann groß, davon acht oder neun Schauspieler. Mehr nicht. 

Also waren die Statisten, die man in einzelnen Szenen gesehen hat, echte Matrosen? 

Das waren tatsächlich echte Matrosen. Allerdings sind sie nur bei einigen Außenaufnahmen zu sehen. Alle Innenaufnahmen wurden ja zuhause in den Filmstudios Babelsberg gedreht. 

Wie war denn so das Verhältnis zu den richtigen Seemännern?

Sie waren am Anfang skeptisch. Aber dann merkten sie recht schnell, dass wir alle ganz normale Menschen waren. Ich habe mich in dieser Zeit mit dem zweiten Offizier Jürgen Wendler, der dann später auch Kapitän wurde, angefreundet. Und diese Freundschaft hält bis heute. Er und seine Frau waren erst vor wenigen Tagen bei uns zu Besuch. 

Wie fand er die Serie "Zur See", die im Januar 1977 zum ersten Mal im DDR-Fernsehen zu sehen war? Oder gab es aus berufenem Mund auch Kritik?

Film und Wirklichkeit sind ja oft zwei paar Schuhe. Aber Jürgen und seine Kollegen fanden es schon ganz in Ordnung, was wir da abgeliefert haben. Ich spielte im Film den ersten Offizier und hatte mir von Jürgen einiges abgeguckt, wie er sich an Bord bewegte, welche Aufgaben er hatte und wie er sie löste. Ich bin mit ihm jeden Morgen früh um vier auf Wache gegangen und hab einiges über die Seefahrt gelernt. Auch Jürgen Zartmann und Günter Schubert, die die Matrosen verkörperten, waren viel mit der Crew zusammen. Wir Filmleute hatten aber mit allen auf dem Schiff guten Kontakt.

Das ist das Cover des Buches "Wilfried Pucher - Ich war der Chief Mate", das dieses Jahr erschienen ist.
Das ist das Cover des Buches "Wilfried Pucher - Ich war der Chief Mate", das dieses Jahr erschienen ist. © PR

Warum ist "Zur See" so erfolgreich gewesen? Was glauben Sie?

Neben dem Fernweh, das wir in der DDR alle kannten, sind es die gut erzählten Geschichten gewesen, die unser Regisseur Wolfgang Luderer glänzend in Szene gesetzt hat. Nicht umsonst war unsere Serie später die Vorlage für Wolfgang Rademanns "Traumschiff". Als ich nach der Wende im Westen Theater gespielt habe und "Zur See" wieder mal im Fernsehen lief, haben mich dort die Pförtner angesprochen und gesagt: "Toll, wir haben sie gesehen." 

Sie haben ja in vielen Filmen mitgespielt, waren oft im Polizeiruf 110 in Nebenrollen zu sehen. Aber Ihre Rolle als Chief Mate ist in den Köpfen geblieben.

Ich habe vor und nach der Wende auch an vielen Theatern gespielt. Aber tatsächlich ist vielen Leuten mein Name weniger ein Begriff als die Person des Chief Mate aus der Serie "Zur See". Das ist so. 

Deshalb heißt das Buch über Ihr Leben, das sie im Riesaer "Stern" am 10. Oktober vorstellen, auch: "Ich war der Chief Mate". Wie kam es dazu?

Der Autor Michael Schuster ist selbst ein Fan der Serie "Zur See". Ich habe ihn vor vier Jahren kennengelernt. Und seitdem hat er mich gelöchert, ein Buch über mich schreiben zu wollen. Ich selbst hätte das nie getan. 

Geht es darin nur um die Serie?

Ich hatte ein Tagebuch über die Dreharbeiten an Bord der Fichte geschrieben. Das ist mit in dem Buch enthalten. Aber im Grunde geht es schon um mein Leben. Ich bin ja eigentlich Landwirt und habe mit 20 zum ersten Mal auf der Bühne gestanden. Später habe ich Erwin Strittmatter und viele andere großartige Kollegen kennengelernt. Auch davon erzählt das Buch.

  • Gemeinsam mit dem Buchautor Michael Schuster geht Wilfried Pucher am 10. Oktober ab 19 Uhr in der Riesaer Stadthalle "Stern" noch einmal auf die Brücke. Dabei plaudert er aus seinem Leben und rezitiert passend dazu Gedichte von Strittmatter über Fontane bis zu Ringelnatz.

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