merken
PLUS Riesa

Nager und Schimmel im Gefängnis?

Im Zeithainer Justizvollzug leben nicht nur Gefangene. Laut dem zuständigen Ministerium wurde schon etwas unternommen.

Die JVA Zeithain hat offenbar ein Problem mit Nagern. Und nicht nur das.
Die JVA Zeithain hat offenbar ein Problem mit Nagern. Und nicht nur das. © Eric Weser

Zeithain/Dresden. In Literatur und Film sind Nager hinter Gittern schon mal Sympathieträger: Im Roman "The Green Mile", geschrieben von Stephen King und 1999 mit Tom Hanks in der Rolle als Gefängniswärter verfilmt, flitzt eine Maus namens "Mister Jingles" zwischen den Zellen im Todestrakt eines US-Gefängnisses in den 1930er Jahren hin und her. Das Tier wird dort von Insassen und fast allen Aufsehern gleichermaßen gemocht.

In der JVA Zeithain hingegen sind kleine Nager offenbar nicht so gern gesehen. Das zeigt die Antwort des sächsischen Justizministeriums auf eine Kleine Anfrage der AfD-Landtagsabgeordneten Gudrun Petzold. Die 68-Jährige aus dem Kreis Nordsachsen, die seit 2019 für ihre Partei im Landtag sitzt, hatte sich nach einem Mäusebefall in dem Gefängnis erkundigt – und danach, was zum Schutz von Personal und Insassen dagegen unternommen worden ist.

Anzeige
Ich und mein Haus im Alter
Ich und mein Haus im Alter

Wer Wohneigentum besitzt, kann mit klugen Entscheidungen seinen Lebensabend entspannter gestalten. Hier geben Immobilien-Experten Auskunft:

Das von Katja Meier (Grüne) geleitete Justizministerium bestätigt in einer Antwort an die Abgeordnete jetzt einen – so wörtlich – "Schadnagerbefall". Anfang Oktober war demnach ein Schädlingsbekämpfer im Zeithainer Gefängnis unterwegs, um den Tieren den Garaus zu machen. Allerdings seien bei einer Kontrolle knapp drei Wochen später noch "einzelne Nager lebend festgestellt" worden, woraufhin erneut Köder ausgelegt worden seien, so das Ministerium. Diese Woche soll kontrolliert werden, ob das etwas gebracht hat.

Defekte Rohrverbindung als Ursache

Unterdessen hat die Zeithainer Anstalt offenbar nicht nur ein Problem mit Nagern. Wie das Justizministerium ebenfalls auf Nachfrage von Oppositionspolitikerin Petzold bestätigt, wurde im Juni Schimmelbefall in Hafträumen im Haus C festgestellt. Bei dem Gebäude handelt es sich um den Containerbau im Gefängnisgelände, der in Richtung Rohrwerk steht und vor reichlich 20 Jahren errichtet wurde.

Der Schimmel wurde dort demnach in Revisionsschächten entdeckt. Parallel dazu sei in einigen Hafträumen Schimmelbefall festgestellt worden. Eine Zelle wurde daraufhin gar gesperrt. Nachdem das passiert war, hat die Justiz nach eigenem Bekunden den Gebäudeeigentümer beauftragt, etwas zu unternehmen. Dabei handelt es sich um das SIB – das Staatliche Immobilien- und Baumanagement. Der dem Finanzministerium unterstellte Staatsbetrieb kümmert sich um alle möglichen Immobilien, die in Landeseigentum sind. Von Hochschulen über Schlösser bis hin zu Ministeriumsbauten.

Als Ursache für den Schimmelbefall gibt das Ministerium "defekte Rohrverbindungen in den Revisionsschächten und undichte Silikonfugen in den ... unmittelbar ... angrenzenden Nassbereichen der Hafträume" an. In den Sanitärräumen seien deshalb die Silikonfugen erneuert worden. Inzwischen sei der Schimmelbefall in den betroffenen Räumen und Schächten zudem beseitigt. Weil aber bei einer Kontrolle in 18 von 198 Schächten noch schwarze Flecken festgestellt worden seien, soll es noch eine Grundreinigung geben, wenn demnächst dort die Nagerbekämpfung abgeschlossen ist.

Rattenplage in Dresden

Was den Nagerbefall in der Zeithainer JVA betrifft, ist das Problem auf Sachsen gesehen kein Einzelfall. Bereits 2018 hatte es in der Dresdner JVA eine Rattenplage gegeben. Ob es sich in Zeithain um Ratten, oder wie von der AfD-Politikerin angefragt, um Mäuse handelt, ließ das Ministerium in seiner Antwort offen. Die JVA Zeithain will sich demnächst zur Sache äußern.

Offen ist auch, warum sich AfD-Parlamentarierin Gudrun Petzold für die Fälle von Schädlingsbefall in der Zeithainer JVA interessierte. Eine SZ-Anfrage vom Donnerstag ließ die AfD-Fraktionssprecherin für Behinderten- und Seniorenpolitik bislang unbeantwortet. Mit Nachfragen zu Gefängnissen war Petzold bisher jedoch nicht aufgefallen. Wenn es um den sächsischen Strafvollzug ging, waren Mitglieder der AfD-Fraktion bisher vorrangig mit Fragen nach sicherheitspolitischen oder organisatorischen Belangen an die Landesregierung herangetreten. So hatte sich der Direktabgeordnete für Riesa, Carsten Hütter, bei der Landesregierung nach "salafistischen Radikalisierungspotenzialen in sächsischen Justizvollzugsanstalten" erkundigt. Ex-Landratskandidat Thomas Kirste, Direktabgeordneter für Meißen und ebenfalls bei der AfD, interessierte sich zuletzt für Sicherheit in der JVA Zeithain – etwa für die Zahl von Ausbrüchen beziehungsweise Fluchtversuchen.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Riesa