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Neue Spitze für Strehlas Schlossturm

Der Nordturm ist bekrönt und fast fertig geputzt. Nicht nur er soll bald in einem neuen, alten Gewand erscheinen.

Die Wetterfahne und Kugel auf der Spitze des Nordturms am Strehlaer Schloss ist von der Wurzener Metalldrückerei Müller aufgearbeitet worden. Das Ursprungsmaterial stammt von 1971 – die Jahreszahl zeigt auch die Wetterfahne.
Die Wetterfahne und Kugel auf der Spitze des Nordturms am Strehlaer Schloss ist von der Wurzener Metalldrückerei Müller aufgearbeitet worden. Das Ursprungsmaterial stammt von 1971 – die Jahreszahl zeigt auch die Wetterfahne. © Eric Weser

Strehla. Der Glanz ist zurück: Frisch vergoldet sind Wetterfahne und Kugel Anfang dieser Woche an ihren angestammten Platz auf dem Nordturm des Strehlaer Schlosses wiedergekehrt. Vor einem halben Jahrhundert vom Strehlaer Handwerker Max Schirmer gebaut, hatten sie bis zur Aufarbeitung durch die Wurzener Metalldrückerei Müller in knapp 30 Metern Wind und Wetter getrotzt. Am Montag waren Christoph Müller und Sohn Thomas dort zu Gange, um die aufarbeiteten Metallteile anzubringen. Die Wetterfahne kann auf einer neuen Lagerung und durch ein neues Zusatzgewicht besser drehen. In der Kugel befindet sich neben der Zeitkapsel von 1971 nun eine Weitere von 2020 mit verschiedenen Dokumenten zum Baugeschehen aus diesem Jahr.

Die Turmbekrönung war so etwas wie ein vorfristiger Schlusspunkt unter die Sanierung des Nordturms am Strehlaer Schloss. Seit Jahresmitte wird daran gearbeitet, das markante Bauwerk äußerlich instand zu setzen, so Bauplaner Detlev Goldbach. Der Strehlaer koordiniert das Projekt im Auftrag von Schlosseigentümer Georg Thaler.

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Grau in grau: So sahen die Türme Mitte Juni von der nahe gelegenen B 182 aus.
Grau in grau: So sahen die Türme Mitte Juni von der nahe gelegenen B 182 aus. © Eric Weser
Frisch geputzt: Der Nordturm (links) am Strehlaer Schloss ist fast fertig saniert. Der Südturm (rechts) soll bald folgen.
Frisch geputzt: Der Nordturm (links) am Strehlaer Schloss ist fast fertig saniert. Der Südturm (rechts) soll bald folgen. © Sebastian Schultz

Unter anderem ist in den vergangenen Monaten das Turmdach instand gesetzt worden. Die alten Ziegel kamen runter. Über zwei Etagen wurde kaputtes Holzgebälk von einer Zimmerei erneuert. Eine Klempnerfirma aus Mutzschen sorgte für eine neue Verblechung des Dachreiters, weil die Alte im Lauf der Jahre stark verschlissen war. Nicht nur deren Metall strahlt nun silbrig gen Himmel, auch die von einer Riesaer Dachbaufirma verlegten neuen Biberschwänze tun es. Daneben wurden die Sandsteinelemente am Dach sauber gemacht, die verwitterten großen Fugen dazwischen verschlossen, ebenso wie Fehlstellen im Stein.

Einiger Aufwand wurde beim Putz betrieben: Nach Untersuchungen von Restaurator Gunter Preuß, der unter anderem auch am Schloss Promnitz und im Tiefenauer Rittergut unterwegs ist, wurde der alte Putz repariert und erhalten. Derzeit tragen Mitarbeiter der Handwerksfirma Röschke einen Feinfilzputz auf. Der ist an sich schon hell, soll aber nach dem Trocknen noch einmal mit einem hellen Fassadenanstrich überstrichen werden, erklärt Detlev Goldbach. Zuletzt soll dann die sogenannte Eckquaderung, die jetzt schon im Putz vorgearbeitet wird, farblich abgehoben werden. Farblich soll das dann künftig so aussehen, wie an der Vorburg – also weiße Fassade, grau gehaltene Eckquaderung.

Die Quaderung sei typisch für Wehrbauten der Renaissance, sagt Denkmalschützerin Antje Hainz von der beim Landkreis Meißen angesiedelten Unteren Denkmalschutzbehörde. Warum die Quaderung bei der Turmsanierung in den 1970ern verschwand, wisse man nicht genau. Auf alten Fotos sei sie aber zu sehen gewesen – und durch die Untersuchungen des Restaurators seien auch die Maße gefunden worden, sodass sie übertragen werden konnten, so Antje Hainz.

Die Untere Denkmalschutzbehörde begleitet die Sanierungsarbeiten am Strehlaer Schloss. "Wir sind sehr froh, dass Herr Thaler als Schlossbesitzer dafür gewonnen werden konnte", sagt Antje Hainz. Schließlich sei das Schloss ein Denkmal mit sachsenweiter Bedeutung, das durch seine Lage über der Elbe auch eine große Fernwirkung habe.

Um die optische Wirkung ins Umland hinein zu verbessern, soll direkt im Anschluss auch der benachbarte Südturm saniert werden. Das Gerüst muss dafür nur wenige Meter wandern, wenn die Arbeiten am Nordturm so weit erledigt sind. Wie schnell die vorangehen können, hängt vom Wetter ab. Gut sei, wenn es trocken und frostfrei bleibe, sagt Bauingenieur Detlev Goldbach.

Am Nordturm werden die Arbeiten analog zu denen am Nordturm ablaufen, so der Strehlaer. Er geht davon aus, dass bis Mitte kommenden Jahres alles so weit erledigt sein könnte. Der dritte und letzte Turm, der zu dem Sanierungsprojekt gehört, ist der Bastionsturm, der sich etwas versteckt neben der Vorburg befindet. Er ist viel kleiner als die Schlosstürme, aber in schlechterem Zustand. Dort geht es vorrangig um Sicherung der Substanz. Ob es für einen neuen Außenputz reicht, muss sich zeigen.

Insgesamt wird die Sanierung der drei Schlosstürme etwas mehr als 710.000 Euro kosten. Rund die Hälfte steuert das Land Sachsen über Fördergelder bei. Die andere Hälfte kommt von Schlosseigentümer.

Dass nach langer Zeit, in der das Schloss eher verfiel, etwas passiert, freut nicht nur die Denkmalschützer aus den Behörden. Auch in Strehla sieht man das Engagement positiv. So freut sich der voriges Jahr gegründete Schloss-Förderverein Strehla über die Fortschritte, wie dessen Vorsitzender Hans Schober deutlich machte, der am Montag ebenfalls vor Ort war. Für das kommende Jahr plant der Förderverein im Schlossinnenhof ein Projekt. Zu Einzelheiten wollte sich der Verein jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht äußern.

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