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Neways kündigt Stellenabbau in Riesa an

Die Corona-Folgen setzen dem Elektronikkonzern zu. Das könnte drastische Konsequenzen nach sich ziehen.

Wie geht es weiter bei Neways Electronics Riesa? Das Unternehmen plant offenbar drastische Stellenstreichungen.
Wie geht es weiter bei Neways Electronics Riesa? Das Unternehmen plant offenbar drastische Stellenstreichungen. © Sebastian Schultz

Riesa. Die Spatzen pfiffen es schon von den Dächern, kurz nachdem der Mutterkonzern seine Halbjahresbilanz veröffentlicht hatte: Das Riesaer Unternehmen Neways Electronics könnte in den kommenden Monaten einen beträchtlichen Teil seiner Arbeitsplätze streichen. 

Völlig überraschend kommt dieser Schritt nicht: Mit einem deutlich schlechteren Ergebnis als noch im Vorjahr war der Elektronikriese bisher durch das Jahr 2020 gekommen. Die Nachfrage aus der Automobilindustrie hatte schon im Winter nachgelassen, im Frühjahr kam dann auch noch Corona hinzu. Noch Ende August hielt sich das Unternehmen allerdings bedeckt, welche Konsequenzen daraus folgen würden.

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Ein Viertel der Belegschaft könnte entlassen werden

Intern wurde aber offenbar schon damals angekündigt, dass Mitarbeitern die Entlassung drohen könnte. 190 Stellen könnten nach SZ-Informationen wegfallen, das wäre ein Viertel der jetzigen Belegschaft. Andere Quellen berichten gar von 300 möglichen Entlassungen. Kommentieren will der Neways-Konzern diese Zahlen nach wie vor nicht näher, bestätigt aber, dass die "wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die globale Wirtschaft und insbesondere auf die Automobilindustrie ... einen negativen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns (haben), so auch am Standort Riesa. Diese Entwicklung wird möglicherweise zu Änderungen in der personellen Struktur führen." 

Endgültig entschieden ist also offensichtlich noch nichts. Allerdings laufen bereits entsprechende Verhandlungen mit dem Betriebsrat, so eine Neways-Sprecherin. Diese vertraulichen Gespräche befänden sich derzeit im Anfangsstadium. "Bedingt dadurch können keine konkreten Ergebnisse und Maßnahmen vermeldet werden." Man sei bemüht, die wirtschaftliche Zukunft des Standorts in Riesa sowie auch möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern. Ob es ähnliche Gespräche derzeit auch an anderen Standorten des im niederländischen Son ansässigen Konzerns  gibt, wollte Neways nicht kommentieren. 

Aus dem Unternehmen ist indes wenig über die innerbetriebliche Stimmung zu hören. Lediglich ein ehemaliger Mitarbeiter kritisiert im SZ-Gespräch die drohende Entlassungsmaßnahme. Im Keller der Firma rumore es schon länger, sagt er mit Verweis auf die rasche Abfolge verschiedener Geschäftsführer. Er weist darauf hin, dass der Konzern erst Anfang des Jahres Kurzarbeit angemeldet hatte. Es sei nicht nachvollziehbar, dass das Unternehmen staatliche Hilfe annehme und dann doch Leute entlasse. Vor allem aber könnten die Entlassungen Neways in Riesa mittelfristig vor größere Probleme stellen, fürchtet er. Die Produktionsvielfalt des Unternehmens könnte nach der Pandemie wieder gefragt sein. "Die Leute, die jetzt aus der Fertigung entlassen werden sollen, kommen nicht mehr wieder." 

Betriebsratsmitglied lobt gute Zusammenarbeit

Dass die Stimmung im Unternehmen grundsätzlich schlecht ist, will Jens Zoppa so nicht bestätigen. Der Linke-Stadtrat arbeitet bei Neways und sitzt dort auch im Betriebsrat. "Aus meiner Sicht gibt es eine gute Zusammenarbeit mit der jetzigen Geschäftsführung." Er verweist darauf, dass die Betriebsparteien vor nicht allzu langer Zeit erste Erfolge erreicht hatten: Erst 2019 hatte man sich auf die Einführung eines innerbetrieblichen Entgelt-Schemas geeinigt. "Das gab's vorher nicht", sagt Jens Zoppa, "dass es für die gleiche Arbeit auch das gleiche Geld gab." Es handelt sich um seine persönliche Sicht der Dinge, betont Zoppa. Eine offizielle Stellungnahme des Neways-Betriebsrats auf eine SZ-Anfrage vom Donnerstag steht derzeit noch aus. 

Das Riesaer Elektronikunternehmen ist mit seinen wirtschaftlichen Problemen nicht alleine. Die Agentur für Arbeit verzeichnet für den Landkreis Meißen zuletzt eine deutliche Zunahme der Arbeitslosigkeit: 7.552 Personen seien Ende August betroffen gewesen, etwa 1.200 mehr als vor einem Jahr. Diese hängen laut Sprecherin Berit Kasten aber nicht allein mit Entlassungen zusammen: "Wir mussten in den Monaten März bis Mai einen Anstieg der Arbeitslosigkeit verzeichnen, weil saisonale Einstellungen nicht vorgenommen, Weiterbildungs- und Aktivierungsmaßnahmen unterbrochen und Arbeitnehmer auch entlassen wurden." 

Im Juni und Juli sei die Arbeitslosigkeit wieder leicht zurückgegangen. "Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt angespannt ,und die weitere Entwicklung wird sehr stark von der Entwicklung der Corona-Pandemie abhängig sein." 

Riesas Oberbürgermeister Marco Müller (CDU) äußerte sich am Dienstag auf SZ-Anfrage ebenfalls zur Situation bei Neways. "Die Auswirkungen der Pandemie gehen leider auch an einigen Riesaer Unternehmen nicht spurlos vorüber. Neways als Zulieferer der Autoindustrie spürt das sicher erheblich." Details kenne er aber bislang nicht. Ebensowenig sei absehbar, welche Konsequenzen die Probleme bei Neways möglicherweise für die Gewerbesteuereinnahmen haben werden. "Das ist ein Einschnitt für die Stadt, der aber verkraftbar sein dürfte. Am allerwichtigsten ist die Sicherung von Arbeitsplätzen", so Müller. "Dabei vertraue ich auf lösungsorientierte Gespräche zwischen Unternehmensleitung und den Arbeitnehmervertretern."

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