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Rätsel um Blitzer an der Tankstelle

Jahrelang war das Gerät in Nünchritz nicht in Betrieb. Angeblich soll er vor einer Woche wieder in Betrieb gesetzt worden sein.

Ist der Blitzer an der Nünchritzer Tankstelle wieder aktiv oder nicht? Das fragen sich zurzeit viele Autofahrer.
Ist der Blitzer an der Nünchritzer Tankstelle wieder aktiv oder nicht? Das fragen sich zurzeit viele Autofahrer. © Klaus D.Bruehl

Nünchritz. Blitzer-Warnungen im Radio oder in diversen Facebook-Gruppen sind beliebt und oft auch vertrauenswürdig. Wer will schon dabei erwischt werden, wenn er mal wieder mit dem Auto zu schnell unterwegs ist? Die teuren Fotos möchte keiner gern bezahlen – egal, ob sie vom Meißner Landratsamt kommen oder von einer Kommune.

Seit etwa einer Woche kursiert in einschlägigen Facebook- und WhatsApp-Gruppen die Nachricht, dass der stationäre Blitzer an der Tankstelle in Nünchritz wieder in Betrieb sei. Jahrelang war er das nicht. Umso größer sind die Reaktionen im Internet auf diese neue Information.

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Die Meldung tauchte wohl zum ersten Mal in der Facebook-Gruppe "Blitzer und Verkehrslage Riesa und Umgebung" auf und wurde daraufhin von vielen Menschen in der Region geteilt. Ein Nutzer schrieb: "Der Blitzer in Nünchritz, seit Jahren nicht mehr benutzt, ist wieder in Betrieb. Wer gerne ein Foto möchte, immer zu mit Vollgas. Da wird es besonders schön."

Ein anderer will angeblich genau wissen, an welchem Tag das Geschwindigkeitsmessgerät wieder "instandgesetzt" wurde. Er vermittelt den Eindruck, selbst gesehen zu haben, wie Mitarbeiter des Landratsamtes Meißen sich an dem Gerät zu schaffen gemacht haben. Für viele ein Indiz, dass an der Nachricht etwas dran ist.

Warnmeldung macht die Runde

Auch wenn ein paar Facebook-Nutzer an der Neuigkeit vom wieder aktivierten Nünchritzer Blitzer zweifeln und bemerken, dass sie im Vorbeifahren keine Kamera gesehen haben, macht die Warnmeldung die Runde.

Auch der Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) zeigte sich erstaunt, als er davon in einer WhatsApp-Gruppe erfuhr. Nach seiner Kenntnis war der Blitzer-Kasten schon vor seiner Beginn seiner ersten Amtszeit deaktiviert worden. Also noch vor Oktober 2007. Ein paar Jahre nach dem Hochwasser 2002 sei die Riesaer Straße erneuert worden und der Kasten seither leer.

Auf Nachfrage bestätigt das Kreisordnungsamt, dass der Landkreis Meißen in Nünchritz keine stationäre Geschwindigkeitsüberwachungsanlage betreibt. "Der Anlagenkorpus wurde seit Beendigung der Nutzung bisher jedoch nicht zurückgebaut", so Anja Schmiedgen-Pietsch, Sprecherin des Landratsamts.

Abends eine Rennstrecke

Wer steckt also hinter dieser Falschmeldung – und was bezweckt der Verfasser damit? Das bleibt offen. Möglicherweise ist es ein Anwohner, der von dem vielen Verkehr auf der Riesaer Straße genervt ist. Besonders in den Abendstunden geben Autofahrer auf der langen Geraden gern mal kräftig Gas, haben Nünchritzer beobachtet.

Vielleicht steckt aber auch die Polizei dahinter. Ein ehemaliger Riesaer Revierleiter rief gern mal Radio PSR oder das MDR-Sachsenradio an und vermeldete inkognito, dass da und dort ein Blitzer stehen würde. "Dann haben wir ein dieser Stelle für einen Tag Ruhe", verriet der gewiefte Beamte vor ein paar Jahren in einem SZ-Gespräch.

Aber es gibt nicht nur Falschmeldungen über Blitzer, sondern auch Blitzer, die gar keine sind. So wie die beiden grünen Kästen in der Ortsdurchfahrt Lampertswalde. Sie stehen bereits seit den 1990er Jahren und sorgen dort, sehr zur Freude der Anwohner, für eine gemäßigte Fahrweise. Auch an der Staatsstraße in Kobeln in Richtung Heyda steht eine Blitzer-Attrappe in einem Garten.

Wie das Kreisordnungsamt Meißen mitteilt, werden momentan sechs feste Blitzer vom Landkreis Meißen betrieben. Die meisten Temposünder hatte im Vorjahr das Gerät in Krögis (Gemeinde Käbschütztal) registriert: Nach absoluten Zahlen wurden dort 2020 am häufigsten Geschwindigkeitsüberschreitungen registriert.

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