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OB-Wahl: Schlagabtausch im Grünen

Beim Live-Wahlforum debattieren die beiden Kandidaten, wie sich Riesa am besten voranbringen lässt – und weichen bisweilen brisanten Fragen aus.

Das Wahlforum am Donnerstagabend auf dem Riesaer Bootshaus-Gelände wurde ins live ins Internet übertragen. Auf der Seite von Riesa-TV ist es in voller Länge abrufbar.
Das Wahlforum am Donnerstagabend auf dem Riesaer Bootshaus-Gelände wurde ins live ins Internet übertragen. Auf der Seite von Riesa-TV ist es in voller Länge abrufbar. © Eric Weser

Riesa. Sonniges Wetter, warme Temperaturen und ein laues Lüftchen: Das Wetter spielte bei der OB-Wahldebatte mit, die am Donnerstag auf dem Gelände des Riesaer Bootshaus stattfand. Am Abend hatten sich Herausforderer Gunnar Hoffmann (parteilos) und Amtsinhaber Marco Müller (CDU) eingefunden, um miteinander zu diskutieren. Nicht das erste Duell der beiden im Wahlkampf. Doch es dürfte die erste Diskussion gewesen sein, die in Ton und Bild live per Internet übertragen wurde. So konnten viele weitere Zuschauer neben den etwa 35 Gästen vor Ort den von Riesa-TV-Chef Marco Branig moderierten verbalen Schlagabtausch verfolgen.

Branig interessierte sich unter anderem dafür, wie die beiden Riesaer OB-Bewerber ihre Rolle als erster Bürger der Stadt verstehen. Während Gunnar Hoffmann den Schwerpunkt bei seiner Arbeit OB vor allem auf Wirtschaftsförderung legen würde, sagte Marco Müller, er wolle daneben auch Kümmerer und Ansprechpartner für die Sorge der Riesaer sein. Gunnar Hoffmann will sich diesen eher in monatlichen Bürgersprechstunden annehmen.

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Nicht das einzige Rollenverständnis, in dem sich beide Männer unterscheiden. Er sehe sich nicht als Politiker, sondern als jemanden, der Arbeit für den Bürger mache, sagte Gunnar Hoffmann während der Debatte. Ein SZ-Leser hatte vorab per E-Mail die Frage gestellt, wie Hoffmanns Wahlwerbespruch "Ehrlich, kein Politiker" zu verstehen sei. Marco Müller merkte an, dass auch Gunnar Hoffmann als Stadtrat letztlich auch Politiker sei – und dass seine Losung manchen in der Riesaer Stadtpolitik verwundert bis verstimmt habe. Letztlich sei die Frage, wie man Politik definiere, so Gunnar Hoffmann, der nach eigenem Bekunden vor allem Parteipolitik ablehnt.

Die oft konträren Standpunkte der Kandidaten wurden nicht zuletzt beim Thema Stadtentwicklung deutlich. Gunnar Hoffmann verwies – wie mehrfach an diesem Abend – darauf, dass aus seiner Sicht in den vergangenen Jahren viele Fehler gemacht worden seien. Er halte es beispielsweise für falsch, dass die Kommune in Zeiten niedriger Zinsen Schulden getilgt hat, statt zu investieren. Kritisch sieht Hoffmann auch, dass Hauseigentümer im Stadtzentrum über ein Förderprogramm Geld erhalten, um damit Fassaden und Dächer zu sanieren. Er hätte es für besser gehalten, wenn die städtische Wohnungsgesellschaft WGR ein bis zwei Häuser an der Hauptstraße gekauft und saniert hätte – und damit einen Startpunkt setzt, von dem das Umfeld eine positive Entwicklung nimmt. Marco Müller indes hält den unlängst eingeschlagenen Weg mit der Förderung für richtig. Schließlich biete der Fördertopf auch Anreize für Hausbesitzer, etwas an ihren Gebäuden zu unternehmen – und so zum Beispiel auch Wohnraum zu schaffen.

Blick aus der Regie auf den Tisch, an dem Moderator Marco Branig (M.) und die OB-Bewerber Gunnar Hoffmann (parteilos, l.) und Marco Müller (CDU, r.) Platz genommen hatten.
Blick aus der Regie auf den Tisch, an dem Moderator Marco Branig (M.) und die OB-Bewerber Gunnar Hoffmann (parteilos, l.) und Marco Müller (CDU, r.) Platz genommen hatten. © Eric Weser

Deutliche unterschiedlich Schwerpunkte setzten beide Kandidaten auch in puncto Stadtimage. Gunnar Hoffmann hält wenig vom Riesaer Sportstadt-Nimbus. Dafür werde die Stadt von außen oft nur noch belächelt. Sein Vorschlag: Ein neues Selbstbild als "Mekka der Adrenalinhungrigen". Geschaffen werden soll es vor allem dadurch, dass auf dem Muskator-Gelände Möglichkeiten entstehen, um sich zu verausgaben: Hindernisparcours, Klettermöglichkeiten und etliches mehr. Nach einem anderen als dem Sportstadt-Slogan gefragt, brachte Amtsinhaber Marco Müller Hochschulstadt ins Spiel – denn die in Gröba angesiedelte Berufsakademie werde zur Dualen Hochschule. Gegenüber dem Land wolle man darauf drängen, mehr Studiengänge nach Riesa zu holen. Auch Gunnar Hoffmann wünscht sich mehr studentisches Leben.

Deutlich zurückhaltender blieben beide Kandidaten bei einer brisanten Frage von Moderator Marco Branig. Der wollte wissen, wo die OB-Bewerber im freiwilligen Bereich den Rotstift ansetzen würden, wenn das in Riesa nötig werden sollte. Gunnar Hoffmann unterstrich, er wolle städtische Vereinsfördergelder gerechter vergeben – momentan erhalte etwa der SC Riesa viel Geld. Marco Müller hielt dagegen, das sei nur eine andere Verteilung. "Damit ist noch kein Euro gespart." Auch den Hinweis seines Kontrahenten auf schuldenfinanzierte Investitionen wies er zurück, weil die Leistungsfähigkeit im Blick behalten werden müsse. Doch wo er selbst sparen würde, falls notwendig, dazu blieb auch der Amtsinhaber eine Antwort schuldig.

Seinen Herausforderer brachte unterdessen eine weitere Zuschauerfrage in die Defensive. Einmal mehr ging es um einen Slogan von Gunnar Hoffmann, der unter anderem mit der Losung "Keine Vetternwirtschaft" geworben hatte. Wer damit gemeint sei, ließ Hoffmann offen, betonte lediglich, dass er keine Vetternwirtschaft möge und es mit ihm keine geben werde. "Wer sich da angesprochen fühlt? Keine Ahnung."

Christdemokrat Marco Müller indes blieb zur Publikumsfrage nach einem fehlenden Bekenntnis zu christlichen Werten zur CDU recht verhalten. Er freue sich über die Nominierung als OB-Bewerber durch den Stadtverband der Partei – habe aber, weil es eine Personenwahl sei, den Parteibezug auf seinen Plakaten dezent gehalten.

Nach einer reichlichen Stunde endete die Diskussion der Bewerber. Vom Inhalt dürfte das Publikum an den heimischen Fernsehern, Smartphones oder Computern mehr mitbekommen haben, als das Publikum vor Ort am Donnerstag. Technikprobleme hatten eine vernünftige Beschallung der Zuhörer erschwert.

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Die Aufzeichnung des Kandidatenduells in voller Länge kann auf der Internetseite von Riesa-TV abgerufen werden.

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