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Bald darf geklettert werden

Ein Röderauer Handwerker baut auf eigene Kosten eine DDR-Kindergarten-Rakete nach. Jetzt ist klar, wo sie stehen soll.

Handwerksmeister Holger Krüger klettert schon mal auf der Kletter-Rakete. Er hat sie zusammengebaut und will sie den Kindern in Zeithain schenken. Nur ein paar wenige Bauteile und Farbe fehlen noch. Dann ist sie fertig.
Handwerksmeister Holger Krüger klettert schon mal auf der Kletter-Rakete. Er hat sie zusammengebaut und will sie den Kindern in Zeithain schenken. Nur ein paar wenige Bauteile und Farbe fehlen noch. Dann ist sie fertig. © Foto: Lutz Weidler.

Zeithain. Es war Zufall, doch es passte. An dem Tag, an dem erstmals eine ferngesteuerte Rakete mit vier Weltraumtouristen und ohne Pilot an Bord ins All flog, wurde auch im Technischen Ausschuss Zeithain über eine Rakete gesprochen. Bauamtsleiter Holger Koßwig verkündete den Ort, wo die neue Kletter-Rakete aufgestellt werden soll. Die hat der Röderauer Handwerksmeister Holger Krüger auf eigene Kosten angefertigt.

"Wir können uns glücklich schätzen, dass jemand privat ein Spielgerät baut und uns kostenlos zur Verfügung stellt", würdigt Koßwig Krügers Engagement. Die neue Kletter-Rakete soll auf dem bereits bestehenden Spielplatz am unteren Teich in Zeithain aufgestellt werden. "Sie ist die perfekte Ergänzung für die jetzigen Spielgeräte", so der Bauamtsleiter.

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Auch Krüger selbst ist mit der Wahl des Standorts sehr zufrieden. Er wollte, dass die neue Kletter-Rakete für alle Kinder frei zugänglich ist. Die Original-Rakete, die Krüger nachgebaut hatte, steht im eingezäunten Areal des ehemaligen Rohrwerk-Kindergartens im Ring der Freundschaft und rostet vor sich hin. "Wir haben auch noch mit der alten Rakete etwas Spannendes vor", sagt Bürgermeister Mirko Pollmer, verrät aber nicht, was.

Das ist die Original-Kletter-Rakete aus DDR-Zeiten, die Holger Krüger nachgebaut hat.
Das ist die Original-Kletter-Rakete aus DDR-Zeiten, die Holger Krüger nachgebaut hat. © Sebastian Schultz

Krüger war bei einem Spaziergang auf die Rakete im Kindergarten aufmerksam geworden. Auf einem angebrachten Schild ist darauf zu lesen, dass die Reparaturschlosser-Brigade des Zeithainer Rohrwerks das Spielgerät 1974 gebaut hatte. Es war ihr Geschenk als Patenbrigade an den damaligen Kindergarten.

Wie sich herausstellte, war auch Martin Huth, ein Mitarbeiter von Krüger, damals in dieser Schlosserbrigade. Er erinnert sich noch daran, wie die fertige Rakete mit einer Dieselameise aus dem Rohrwerk zum Spielplatz des Kindergartens transportiert wurde. Möglicherweise am 1. Juni 1974 - zum Kindertag. Belegt ist es allerdings nicht.

Mitte April wurde bekannt, dass Holger Krüger vorhat, die DDR-Kletter-Rakete nachzubauen. Als er das Projekt dem TÜV vorstellte, wurde schnell klar, dass einige Details aus Sicherheitsgründen verändert werden müssen, damit sich die Kinder beim Klettern auf der neuen Rakete nicht verletzen.

Der Handwerksmeister konnte auch noch andere Firmen von seinem Vorhaben begeistern. So sponserten z. B. das Zeithainer Autohaus Pohlmann und der Handelshof Riesa die Rohre für die Streben und Ringe. Doch die Hauptarbeit blieb schon noch bei Krüger. Er schweißte die Rohre zusammen. Letzte Woche ist die Spitze dran gekommen. Jetzt fehlen nur noch die Böden, damit die Kinder in der Rakete Platz nehmen können. Dann wird das Klettergerüst nach Großenhain geschafft, wo es sandgestrahlt und lackiert werden soll.

Wie von Holger Krüger zu erfahren war, will die Gemeinde Zeithain in den nächsten zwei Wochen die Fläche am neuen Standort ausschachten und später mit Kies befühlen. Voraussichtlich im Oktober könnte die Kletter-Rakete eingeweiht werden.

Konkret soll die neue Kletter-Rakete an dem Ort in Zeithain stehen, wo nahe dem unteren Teich jetzt noch ein Baumstumpf zu sehen ist. Vor knapp zwei Jahren stand hier noch eine Esche. Anfang Dezember 2019 geriet sie in die Schlagzeilen.

Unbekannte hatten an dem Baum gezündelt und dabei einen Igel ausgeräuchert, der in dem hohlen Stamm überwintern wollte. Dabei fing der Baum Feuer. Die Zeithainer Feuerwehr löschte ihn und sägte den umsturzgefährdeten Baum vorsichtshalber um. Später konnten ein Kind und ein Jugendlicher ermittelt werden, die mit einem Böller den Brand ausgelöst hatten. Die vorsätzliche Tötung des Igels konnte ihnen nicht nachgewiesen werden.

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