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Bauland im Vogelschutzgebiet

In Peritz soll eine Fläche für Eigenheime entstehen. Etwa die Hälfte davon befindet sich im Vogelschutzgebiet. Könnte das Nachteile für die Bauherren haben?

Ein Storch im Anflug auf seinen Horst mit Nistmaterial im Schnabel. Dieses Foto entstand im nahen Görzig, das ebenfalls zum Vogelschutzgebiet Unteres Rödertal gehört.
Ein Storch im Anflug auf seinen Horst mit Nistmaterial im Schnabel. Dieses Foto entstand im nahen Görzig, das ebenfalls zum Vogelschutzgebiet Unteres Rödertal gehört. © Brühl

Peritz. Ein Grundstück und dazu ein Haus – das gilt Vielen als Absicherung fürs Alter. Gerade auf dem Land ist der Bedarf hoch. In der Gemeinde Wülknitz gibt es allerdings nicht so viele freie Plätze, um ein Eigenheim zu bauen. Lediglich im Ort Wülknitz selbst sind im erschlossenen Wohngebiet "Am Fußweg" noch Parzellen frei. In den anderen fünf Ortsteilen sucht man dagegen vergebens nach ausgewiesenem Bauland. Das könnte sich zumindest für Peritz bald ändern.

Die Agrargenossenschaft Wülknitz will dort am Ortsausgang Richtung Colmnitz ein etwa 5.000 Quadratmeter großes Areal als Bauland verkaufen. Das ist sehr im Interesse der Kommune. Damit dort Eigenheime entstehen könnten, müssen aber erst einmal die baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Das Meißner Ingenieurbüro Arnold Consult AG wurde deshalb beauftragt, eine sogenannte Einbeziehungssatzung zu erstellen.

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Deren Entwurf hat das Büro jetzt den Gemeinderäten vorgestellt und dabei auf ein besonderes Detail aufmerksam gemacht: Das geplante Baugebiet, in dem vier bis fünf Eigenheime Platz haben sollen, befindet sich etwa zur Hälfte in einem Vogelschutzgebiet.

Deshalb gab es aus dem Gemeinderat auch sofort die Frage, ob dieses Vogelschutzgebiet Nachteile für die künftigen Besitzer haben könnte. Konkret wurde gefragt, ob die Eigenheimbauer im hinteren Teil ihres Grundstückes auch Gartenhäuser, Schuppen, Spielgeräte oder Swimmingpools errichten dürfen.

Planer Volker Kirtscher geht davon aus, dass kleinere Bauwerke geduldet werden. Vorausgesetzt, sie überschreiten nicht die zulässige Maximalgröße entsprechend der Sächsischen Bauordnung. Zudem soll als Ausgleichsmaßnahme am hinteren Ende der Baugrundstücke eine Hecke angepflanzt werden, in der Vögel Schutz und Lebensraum finden. Momentan ist das geplante Wohngebiet lediglich eine Ackerfläche, auf der Vögel es schwer haben, zu nisten und zu brüten. Diese Hecke wäre für Vögel also eine Bereicherung.

Die Hecke soll das Kreisumweltamt in Meißen, das jetzt befragt werden muss, von der geplanten Baufläche überzeugen. Dort ist die Maßnahme noch nicht bekannt, bestätigt Landkreis-Pressesprecherin Anja Schmiedgen-Pietsch. Deshalb lasse sich die Frage, inwieweit das Vogelschutzgebiet Auswirkungen auf die zusätzliche Bebauung mit Gartenhäuschen oder ähnlichem hat, nicht pauschal beantworten.

Das Kreisumweltamt verweist auf Paragraf 34 des Bundesnaturschutzgesetzes. Danach müssen Projekte auf Gebietsverträglichkeit geprüft werden. Die Ziele des Vogelschutzgebietes dürfen nicht beeinträchtigt werden. Kleine Nebenanlagen zu bereits errichteten Wohnhäusern würden eher nicht scheitern, so die Behörde, "Planungen zur Errichtung von Wohngebieten möglicherweise schon". Doch voreilig urteilen wolle das Umweltamt nicht. "Dies kann erst verlässlich erfolgen, wenn durch die Beteiligung des Landratsamtes als Träger öffentlicher Belange im Rahmen dieser Bauplanung die Fakten bekannt sind", teilt das Landratsamt mit.

Bedeutendes Brutgebiet in Sachsen

Der erfahrene Ornithologe Peter Kneis vom Naturschutzverein "Pro Natura" weiß, dass sich Peritz mitten im Vogelschutzgebiet Unteres Rödertal befindet. Das knapp 8.000 Hektar große Gebiet erstreckt sich von Schweinfurth im Norden bis nach Skassa im Süden und ist unter anderem Heimat für das Birkhuhn, die Heidelerche, den Wachtelkönig und den Weißstorch. Von Letzterem ist ihm bekannt, dass ein Storchenpaar an der Peritzer Gaststätte Lindenhof brütet. Das befindet sich am anderen Ende des Dorfes.

Prinzipiell seien die Bestimmungen für Vogelschutzgebiete nicht ganz so streng wie bei Naturschutzgebieten. Allerdings wird das Schutzgebiet Unteres Rödertal vom Freistaat Sachsen als "bedeutendes Brutgebiet von Vogelarten der offenen bis halboffenen Agrarlandschaft sowie der Fluss- und Bachniederungen und Teichgebiet" eingeschätzt. "In so einen Naturraum darf nicht erheblich eingegriffen werden", sagt Vogelkundler Kneis. "Aber eine maßvolle Ortserweiterung dürfte möglich sein."

Nicht jeder im Wülknitzer Gemeinderat hat Verständnis dafür, dass das Vogelschutzgebiet möglicherweise die neuen Eigenheim-Standorte beeinflusst oder gar verhindert. "Es sollte auch infrage gestellt werden dürfen", sagt Martin Gutmann (CDU). "Das wäre ein Kampf gegen Windmühlen", warnte allerdings Bürgermeister Hannes Clauß (parteilos). "Das ist höheres Recht. Da kommt man nicht vorbei."

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