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Riesa

Botschafter von Belarus besucht Zeithain

Denis Sidorenko hat kurzfristig zugesagt, zur Gedenkfeier zu kommen. Am Freitag werden auch die 72 Fotos, die in Leipzig gefunden wurden, übergeben.

Denis Sidorenko, der Botschafter der Republik Belarus in Deutschland, besucht zum ersten Mal die Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain.
Denis Sidorenko, der Botschafter der Republik Belarus in Deutschland, besucht zum ersten Mal die Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain. © Botschaft Belarus

Zeithain. In den Ländern der ehemaligen Sowjetunion wird die Erinnerung an das Leid ihrer Landsleute im Zeithainer Kriegsgefangenenlager hochgehalten. Trotzdem ist es nicht alltäglich, dass ein Botschafter die Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain besucht. Anlass ist der 76. Jahrestag der Befreiung des Lagers durch die Rote Armee.

Anfang der Woche hat Denis Sidorenko, der Botschafter der Republik Belarus in Deutschland, sein Kommen zur Kranzniederlegung zugesagt. "Das ist eine große Ehre für uns", sagt Jens Nagel, der Leiter der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain. Sidorenko sei nach sechs Jahren der erste Botschafter, der diesen Ort besucht. Normalerweise lassen sie sich durch Botschaftsmitarbeiter vertreten. Für Sidorenko, der seit 2016 Botschafter seines Landes in Deutschland ist, ist es der erste Besuch in Zeithain. Er reist dafür extra aus Berlin an.

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Auch der polnische Botschafter Andrzej Przyłębski hält diese Veranstaltung für wichtig. Auch wenn er selbst nicht anwesend sein kann, sendet er zumindest ein Videogrußwort. Es soll zusammen mit der Aufzeichnung der Gedenkfeier im Internet veröffentlicht werden.

Wie im vergangenen Jahr wird die Gedenkstunde am 23. April im Ehrenhain nur mit Abstand der einzelnen Gäste möglich sein.
Wie im vergangenen Jahr wird die Gedenkstunde am 23. April im Ehrenhain nur mit Abstand der einzelnen Gäste möglich sein. © Sebastian Schultz

Neben der Vizepräsidentin des Sächsischen Landtages, Andrea Dombois, wird die Staatsministerin für Kunst und Tourismus und Vorsitzende des Stiftungsrates, Barbara Klepsch, anwesend sein und das Wort ergreifen. Auch Diplomaten aus Serbien, Italien, Russland und der Ukraine haben sich angekündigt. Brisant: Die Vertreter der letzten beiden Länder haben im Vorfeld gebeten, wegen des derzeit angespannten Verhältnisses nicht nebeneinander stehen zu müssen.

Um 11 Uhr beginnt die etwa einstündige Gedenkfeier, die auch von der hiesigen Pfarrerin Grit Skriewe-Schellenberg mitgestaltet wird. Wegen der Pandemie findet sie im kleinen Rahmen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Sie soll aufgezeichnet und das Video auf den Webseiten der Stiftung Sächsische Gedenkstätten und des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit russischen Untertiteln gezeigt werden.

Und noch eine Besonderheit haben sich die Mitarbeiter des Ehrenhains ausgedacht. Die Stiftung und die Gedenkstätte lassen ab dem 23. April auf ihrer Internetseite die 23.754 Namen aller bekannten, in Zeithain verstorbenen Kriegsgefangenen mit ihren jeweiligen Geburts- und Sterbedaten durchlaufen. Jeden Tag einmal von 6 Uhr bis 22 Uhr. In der russischen Variante dieser Internetseite sind die Namen auch in kyrillischen Buchstaben zu lesen. Diese Aktion läuft bis zum 9. Mai, wenn in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion der Sieg im Großen Vaterländischen Krieg gefeiert wird.

Gedenkstättenleiter Jens Nagel präsentiert ein Album mit originalen Fotos aus dem Kriegsgefangenenlager Zeithain, die vor wenigen Monaten in Leipzig aufgetaucht sind.
Gedenkstättenleiter Jens Nagel präsentiert ein Album mit originalen Fotos aus dem Kriegsgefangenenlager Zeithain, die vor wenigen Monaten in Leipzig aufgetaucht sind. © Sebastian Schultz

Am Freitag sollen auch die 72 kürzlich in Leipzig aufgefundenen Fotos aus dem Kriegsgefangenenlager Zeithain an die hiesige Gedenkstätte offiziell übergeben werden. Im Anschluss daran ist ab 14 Uhr eine Podiumsveranstaltung geplant. Sie soll im Internet auf Youtube übertragen werden. Fotohistorikerin Sanda Starke, Gedenkstättenleiter Jens Nagel und Daniela Schmohl vom VVN-BdA Leipzig, wo die Bilder entdeckt worden sind, wollen sich u. a. darüber austauschen, wie diese Erinnerungsfotos der Wachsoldaten entstanden sind und welchen Einblick sie in das Menschenbild der Wehrmacht geben.

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