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Kritik an städtischer Stadion-Initiative

Die Stadtverwaltung will Ideen für die Zukunft des Grube-Stadions sammeln. Mehrere Stadträte werten das als Wahlkampfmanöver.

Wie weiter mit dem Ernst-Grube-Stadion? Die Stadt will Ideen sammeln. Manch Riesaer Politiker vermutet dahinter ein reines Wahlkampfmanöver.
Wie weiter mit dem Ernst-Grube-Stadion? Die Stadt will Ideen sammeln. Manch Riesaer Politiker vermutet dahinter ein reines Wahlkampfmanöver. © Sebastian Schultz

Riesa. Diese Mitteilung aus dem Riesaer Rathaus ließ aufhorchen: Voraussichtlich im späten Frühjahr wolle man gemeinsam mit Anwohnern bei einem Bürgertreffen Ideen für das Ernst-Grube-Stadion sammeln, ließ die Stadtverwaltung am vergangenen Freitag verlauten.

Warum sich die Stadtverwaltung gerade jetzt für das seit mehr als einem Jahr ungenutzte Grube-Stadion interessiert, lässt die Pressemitteilung offen. Die Riesaer AfD-Stadträtin Ute Blosfeld glaubt, es könnte der anstehende Oberbürgermeister-Wahlkampf dahinter stecken – und zwei Anträge, die sie im Januar und Februar zu der brach liegenden Fläche gestellt hatte. Anfang des Jahres hatte Blosfeld im Stadtarchiv Einsicht in Dokumente zum Stadion genommen. Anschließend wollte sie unter anderem wissen, ob es bereits Gutachten zu möglichen Sanierungskosten des Stadions gibt, warum Ende der 1990er-Jahre eine Sanierung ausblieb und ob sich Riesas Stadtrat seitdem schon einmal mit der Zukunft des Stadions befasst hatte.

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Die Riesaer Stadtverwaltung bestätigt, dass Ute Blosfeld eine solche Anfrage gestellt habe. Derzeit forsche man nach den Antworten auf die insgesamt sechs Fragen, teilt Sprecherin Manuela Langer mit. Teils lägen die Sachverhalte schon weit zurück, weshalb die Antwort offenbar etwas länger dauert.

Nur eine schnelle Wahlkampf-Idee?

Die AfD-Stadträtin jedenfalls ist sauer. Sie glaubt: Ohne die AfD-Anfragen hätte die Stadt das Thema gar nicht aufgegriffen. "Das Thema Grube-Stadion ist eigentlich unser Baby", sagt sie und verweist auch darauf, dass der AfD-Landtagsabgeordnete Carsten Hütter das Stadion einst zu seinem Wahlkampfthema gemacht habe. Dabei könne sie die Bürgerbeteiligung grundsätzlich nur gutheißen. "Ich hoffe auch, dass sich viele Menschen beteiligen." Sie verbinde selbst Erinnerungen an das Stadion. "Ich bin von klein auf mit meinem Vater zu den Spielen gewesen, habe selbst im Stadion trainiert." Ihr blute das Herz, die in ihrer Bauart einzigartige Anlage jetzt verfallen zu sehen.

Fürchten, dass das Thema Grube-Stadion nach der Wahl wieder in Vergessenheit gerät: die Stadträte Ute Blosfeld (AfD) und Gunnar Hoffmann (Gemeinsam für Riesa).
Fürchten, dass das Thema Grube-Stadion nach der Wahl wieder in Vergessenheit gerät: die Stadträte Ute Blosfeld (AfD) und Gunnar Hoffmann (Gemeinsam für Riesa). © Foto: Sebastian Schultz

Mit ihrer Kritik ist die Stadträtin nicht allein. Gunnar Hoffmann, der für Gemeinsam für Riesa im Stadtrat sitzt, bezeichnet die Initiative aus dem Rathaus als "Alibi-Veranstaltung" – und hat genau wie Blosfeld die Sorge, dass sich das Thema nach der Wahl wieder erledigt haben könnte.

Eigentlich brauche es zwar sogar mehr Bürgerbeteiligung in der Stadt, sagt Hoffmann. "Aber man macht hier den zweiten Schritt vor dem ersten." Zuerst müsste die Stadt seiner Ansicht nach weitere Informationen einholen; etwa, was den Zustand der Gebäude angeht und auch des Bodens. Dann könne man bei einem Bürgertreffen zumindest sagen, was geht, und was nicht möglich ist – falls etwa Altlasten im Boden gefunden werden. Auch Hoffmann reklamiert für seine Fraktion, das Thema bereits diskutiert zu haben – bisher aber in kleinen Runden.

Räte wollen einen Teil der Anlagen erhalten

Die Ideen beider Stadträte für das Gelände liegen dabei gar nicht allzu weit auseinander. Dass je wieder Fußball auf dem Gelände gespielt wird, glaubt Ute Blosfeld bei aller Nostalgie nicht. "Wir tendieren eher dahin, das Stadion als architektonisches Bauwerk zu erhalten."

Die Stadträtin verweist auf eine Reihe von Ideen und Initiativen, die es in der Vergangenheit gegeben hatte oder die gerade anlaufen. "Am Rudolf-Stempel-Gymnasium war etwa die Idee entstanden, dort einen Fitnesspark zu errichten." Der MSC Riesa könnte eine Strecke für Elektro-Motorräder im Rund einrichten. Und die Nebengebäude könnten womöglich als Museum oder Jugendherberge taugen. Dafür müsse man sich aber noch einmal den Zustand der Gebäude ansehen. "Einen Besichtigungstermin gibt es noch nicht, ich habe aber einen beantragt." Auch die Nutzung für andere Sportvereine hielte sie für möglich. "Aber bitte nicht abreißen und ein Wohngebiet draus machen", sagt Blosfeld.

Gunnar Hoffmann plädiert ebenfalls dafür, zumindest einen Teil der besonderen Tribünenkonstruktion zu erhalten. Vielleicht sei ja in Zukunft möglich, das Areal für Public Viewing zu großen Fußballturnieren zu nutzen – und so zumindest kurzzeitig Fußballflair ins Grube-Stadion zu holen. Außerdem könne er sich Baumpflanzungen und einen Bolzplatz vorstellen. Für Wohnbebauung sei nur der benachbarte alte Bolzplatz geeignet, glaubt er.

An Ideen für die Brache mangelt es nicht, das legen auch die Kommentare zum Beitrag auf Facebook nahe. Vom Abenteuerspielplatz über die Grünanlage bis zur Wiederbelebung als Spielstätte reichen die Vorschläge. Die Debatte zeigt: Das Thema bewegt nach wie vor viele Menschen in der Stadt. Neben den Stadträten gibt es womöglich auch private Initiativen, sagt Ute Blosfeld. "Ich habe davon gehört, dass sich ein Verein gründen will, um für den Erhalt des Stadions zu kämpfen." Ob das stimmt oder wer dazu gehört, könne sie aber nicht sagen. "Ich habe das bisher nur vom Hörensagen."

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